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Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Theater-Tycoon und vielleicht ein Agent

Duisburg. August von Kotzebue, der sein Jurastudium an der Alten Universität Duisburg absolvierte, wurde ein bedeutender Dramatiker. Politisch war er umstritten. Am 23. März 1819 wurde er vom Burschenschaftler Karl-Ludwig Sand erstochen. Von Harald Küst

"Ein dicker Nebel von Vorurteilen lag noch auf dieser kleinen Grenzstadt", stellte der Jurastudent August von Kotzebue fest, als er in Duisburg ein Liebhabertheater errichten wollte.

Das Klima für Theateraufführungen im 18. Jahrhundert war in der kleinen Universitätsstadt Duisburg eher ablehnend. Die calvinistisch orientierte Kirchengemeinde überwachte damals das Leben der Gläubigen in allen Bereichen: Theater, Tanz, Gesang und andere Vergnügungen waren verboten. Die geistliche Obrigkeit ging bei Auswüchsen beim Spiel der Komödianten gar mit Kirchenstrafen gegen Gemeindemitglieder vor.

Damit nicht genug. Ein Verbot von Theateraufführungen in Universitätsstädten durch Kabinettsorder Friedrichs des Großen vom 21. Juni 1771 aus "landesväterlicher Fürsorge für das wahre Beste der studierenden Jugend" erstickte die Freude am Theaterspiel. Der selbstbewusste Kotzebue ließ sich davon allerdings wenig beeindrucken und fand rasch "einen Haufen junger Leute", die sämtlich Lust hatten, Hauptrollen im Theaterstück "Nebenbuhler" zu spielen". Jetzt fehlte ihm für sein Liebhabertheater nur noch ein geeigneter Aufführungsort. In Kotzebues Bericht blitzt bereits sein Hang zur Komödie hervor: "...und wer einen Saal hatte, wollte ihn nicht so sündlich entweihen lassen. Durch wen glaubt man wohl, dass uns in unserer Not geholfen wurde? - Durch die ehrwürdigen Patres des Minoritenklosters !!! - Sie räumten uns höflich und willig ihren langen und breiten Kreuzgang ein, besuchten unsere Proben, ergötzten sich an unseren Schwänken, und erzählten, wie sie selbst biblische Geschichten aufgeführt hätten. Im Kreuzgang des Minoritenklosters also gaben wir zum Erstaunen, zur Freude und zum Scandal des Duisburger Publikums." 1779 verließ August von Kotzebue die Alte Universität Duisburg mit Abschluss und übernahm im Jahr 1780 eine Advokatentätigkeit in Weimar. Das weitere Leben des studierten Juristen verlief abenteuerlich.

v. Kotzebue war dreimal verheiratet und zeugte 17 Kinder. Er war ein früher Theater-Tycoon, angeblicher Geheimagent des russischen Zaren, lebte in Reval, St. Petersburg und Weimar, wurde nach Sibirien verbannt und wieder begnadigt und brachte mit einer Schmähschrift die geistige Elite - oder die sich dafür hielt - gegen sich auf. Das Verhältnis zu Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller war zerrüttet - mit Ludwig van Beethoven arbeitete er zusammen. Politisch war August von Kotzebue damals äußerst umstritten. Er war ein vehementer Gegner der liberalen Ideen der deutschen Burschenschaftler und stellte sich mit Spott den aufbegehrenden Studenten entgegen, die ein einig deutsches Vaterland forderten. Sein öffentliches Auftreten hatte für ihn tödliche Folgen: Am 23. März 1819 wurde er im Alter von 57 Jahren von dem Burschenschaftler Karl Ludwig Sand erstochen. Ein politisches Attentat mit Folgen. Auf den Mord reagierte eine Ministerkonferenz auf Veranlassung Metternichs mit den Karlsbader Beschlüssen. Die Burschenschaften wurden verboten, die Patrioten als Demagogen verfolgt, die Presse zensiert und die Universitäten durch Spitzel überwacht.

Vielen gilt August von Kotzebue als Inbegriff des reaktionären Kämpfers gegen den Liberalismus. Andere sehen ihn als einen der bedeutendsten Dramatiker seiner Zeit, ein von Idealen der Aufklärung getragener Denker. Kotzebues Meisterwerk "Die deutschen Kleinstädter" aus dem Jahr 1803 zählt zu den erfolgreichsten und langlebigsten Stücken des 19. Jahrhunderts. Wie auch immer: Kotzebue nimmt eine besondere Stellung in der Duisburger Universitäts- und Theatergeschichte ein.

Quelle: Duisburger Forschungen, Bände 1 und 7.

Quelle: RP
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