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Rp-Serie Mein Tierisches Revier
Tierliebe bis über den Zoo hinaus

Duisburger Zoo: Das sind die Bewohner des Bongo-Reviers
Duisburg. Revierpfleger Hartmut Bolz hat die Verantwortung für die Tiger, die roten Pandas und viele weitere Tiere. Doch das reicht ihm nicht. Vor und nach der Arbeit kümmert er sich um die tierischen Bewohner auf seinem Hof. Von Carolin Skiba

Die Sorgenkinder in Hartmut Bolz' Revier sind die Wildhunde. Seit etwa drei Monaten ist die fünfköpfige Bande im Duisburger Zoo, und obwohl es sich bei den gescheckten Tieren mit den großen Ohren um Brüder handelt, wollen sie sich nicht so recht vertragen. Oder vielleicht gerade deshalb?

"Eigentlich sollte sich die Gruppe verstehen. Normalerweise sind es die Weibchen, die nur Stunk machen. Weibchen haben wir zwar nicht, aber diese Tiere sind generell sehr kompliziert", sagt Bolz. In einem Rudel in freier Wildbahn beispielsweise bringt nur die Leithündin Junge zur Welt, sie sucht sich das Männchen aus. Andere Weibchen sind zwar geduldet, aber "wenn sie Babys bekommen, werden die vom Leitweibchen getötet oder in ganz seltenen Fällen adoptiert", sagt Bolz. Doch auch ohne Weibchen ist die Duisburger Männerrunde nicht entspannt.

Ihr Pfleger dafür umso mehr. Zu den Wildhunden sagt der 61-Jährige: "Erst mal abwarten, wie die sich weiterhin verstehen, dann sehen wir mal." Seit mittlerweile 46 Jahren arbeitet Bolz im Zoo. Nach solch einer langen Zeit ist man gelassen genug, um Streitereien hektischer Wildhunde mit Ruhe zu begegnen, frauenfeindliche Kraniche, die auf weibliche Pflegerinnen losgehen, mit Humor zu nehmen und kein Herzklopfen mehr zu bekommen, wenn man von Tiger El-Roi angefaucht wird. Denn Bolz ist nicht nur Herr über die Wildhunde, sondern auch über rote Pandas, Muntjaks, Maras, Nandus, Mandschurenkraniche, Saruskraniche, Perlhühner, Weißstörche, Bongos und eben über die Tiger.

Angefangen hat er allerdings bei den Meeressäugern. 25 Jahre war Bolz im Delfinarium. Dass er dort gelandet ist, sei Zufall gewesen. "Mit 16 habe ich eine Lehre gemacht, mit 17 war ich fest im Delfinarium." Damals sei eigentlich ein Walarium geplant gewesen, was dann aber doch zum Delfinarium wurde. Als der Wal weg war, wollte auch Bolz nicht mehr. "'96 bin ich endgültig gegangen." Schwingt da ein bisschen Wehmut mit? "Ich habe 20 Jahre jeden Tag mit einem Weißwal zusammengearbeitet", sagt Bolz. Man gewöhne sich eben an ein Tier, wenn man eine so lange Zeit mit ihm zusammenarbeitet. Die Liebe zu den Tieren geht weit über den Zoo hinaus. In Rheinberg, wo Bolz wohnt, hat er zehn Pferde stehen. Die meisten davon hat er vor dem Schlachter gerettet. Damit aber nicht genug. Bolz beherbergt krähende Hähne, hat Störche auf dem Dach, Schafe, Ziegen, Gänse, Hunde und Katzen leben mit ihm auf dem Hof. Die Tierliebe liege in der Familie. "Mein Großvater hatte schon einen Bauernhof in Ostpreußen", erzählt Bolz und fügt hinzu, dass die Begeisterung fürs liebe Vieh wohl aber immer eine Generation aussetze. Denn sowohl sein Vater, wie auch seine Söhne, die mit ihm und seiner Frau im Haus wohnen, hätten keinen Bezug dazu.

"All das macht ja auch eine ganze Menge Arbeit. Seit Mitte der 80er habe ich keinen Urlaub mehr gemacht." Jeden Tag steht er um halb sechs auf, sagt er, und versorgt die Tiere. "Bei mir ist immer etwas los", sagt Bolz und grinst. Mit einem gewissen Schalk im Nacken erzählt der Revierpfleger von den beiden Saruskranichen in seinem Beritt. "Sie lieben Männer, weil sie von Männern aufgezogen wurden." Frauen hätten ihre liebe Müh', mit den Tieren zurecht zu kommen. Aus diesem Grund seien extra Schutzmaßnahmen installiert worden. "Damit eine geringe Überlebenschance für die Damen besteht", witzelt er und fügt hinzu: "Das hier ist reine Männersache."

Über jedes seiner Schützlinge im Zoo weiß er eine Menge zu erzählen, hat immer eine spannende Geschichte parat. Über die Kudus, bei denen sich unter den Böcken ein geschlechtsneutrales Tier befindet und die ihn nach einer Attacke schon mal für ein paar Nächte auf der Intensiv-Station befördert haben. Über die Pandas, die wegen Karies-Gefahr nur vorsichtig mit Obst gefüttert werden dürfen und entgegen ihrer Natur in diesem Jahr ein außergewöhnlich intensives Paarungsverhalten an den Tag gelegt hätten. Und natürlich weiß er über die Tiger bescheid. Über El-Roi, der aus München stammt und "eine schwere Kindheit" hatte, wie Bolz sagt, da er einen seiner Zähne mit Zement befüllt bekommen hat. Wenn Bolz erzählt, dann spürt man, dass er all die Dinge weiß, weil sie ihn interessieren. Und dass die Tiere ihm am Herzen liegen - egal ob privat oder beruflich.

Quelle: RP
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