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Duisburg
Tierschützer verklagen Zoo

Duisburg: Tierschützer verklagen Zoo
Werden die Delfine "artgerecht" gehalten oder zu Shows missbraucht? Die Tierschutzorganisationen, die jetzt Klage eingereicht haben, sind sich ihrer Sache sicher. FOTO: Probst
Duisburg. Das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) in Hagen hat mit Unterstützung von ProWal gegen die Stadt Duisburg und den Zoo Klage eingereicht. Sie erklärten, in den vergangenen 20 Jahren seien hier mehr als 60 Delfine verendet. Von Ina Lauer

Der Zoo spricht dagegen von 15. Die Vorwürfe, die die Tierschützer gegenüber den Duisburger Zoo erheben, sind gewaltig. Sie beschuldigen den Tierpark am Kaiserberg, seine Delfine nicht artgerecht zu halten.

"Duisburg ist wahrscheinlich der größte Delfinfriedhof Europas", sagt WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller. Jochen Reiter, wissenschaftlicher Leiter des Zoo Duisburg bestätigte am Donnerstag gegenüber Redaktion, dass eine Klage gegen den Zoo eingereicht sei.

"Aber zum einen muss die Klage erst zu uns durchgestellt werden, zum anderen müssen wir die Vorwürfe erst prüfen." Den Verdacht der Tierschützer, dass mehr als 60 Tiere in den vergangenen 20 Jahren gestorben seinen, kann Reiter nicht nachvollziehen: "Das ist doch grober Unfug. Wir müssen gegenüber den Ministerium die Zahl der toten Tiere vorlegen", sagt Reiter. "Das sind 15."

Duisburg, Münster, Nürnberg

Seit Jahren wächst der Druck von Tierschützern gegen die Delfinhaltung in Zoos. Duisburg ist eines der letzten drei übrig gebliebenen Delfinarien deutschlandweit, neben Münster und Nürnberg. Erst kürzlich waren im Duisburger Zoo drei Delfinjunge geboren worden.

Doch die Tierschützer glauben, die Nachzucht sei nur durch künstliche Befruchtung möglich gewesen. "Diese Delfine werden niemals in den Genuss von Freiheit kommen und stattdessen für Show-Zwecke missbraucht," wirft Ortmüller dem Duisburger Zoo vor. Reiter erwidert: "Wir machen keine Show, sondern eine Vorführung, die zum einen Biologisches vermitteln soll, zum anderen zeigt sie die Leistung der Delfine."

Laut Eigenaussage versuche der WDSF-Geschäftsführer aufgrund des Umweltinformationsgesetzes (UIG) vergeblich Unterlagen über die Haltungsbedingungen der Delfine zu erhalten.

Doch eine umfassende Akteneinsicht soll bisher ausgeblieben sein. Die Stadt Duisburg, gegen die sich auch die Klage von WDSF und ProWal richtet, hingegen betont, dass sie Ortmüller Akteneinsicht gewährt habe, sofern diese mit dem Datenschutz konform gewesen sei.

Aus Sicht der Stadt sei bisher aus Gesichtspunkten des Tier- und Artenschutzes kein Eingreifen der Stadt in Sachen Delfinhaltung im Duisburger Zoo nötig gewesen, bestätigte Stadtsprecher Peter Hilbrands am Donnerstag.

In der kommenden Woche wollen sich die Verantwortlichen des Zoos zusammensetzen und die Anklagevorwürfen der Tierschützer im Einzelnen beraten. Schon jetzt steht für Jochen Reiter fest: "Zu verbergen haben wir nichts."

(RP/jco)
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