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Rp-Aktion Ballett-Scouts
Toller Abend voller Überraschungen

Rp-Aktion Ballett-Scouts: Toller Abend voller Überraschungen
Christoph Grätz FOTO: Buhl
Duisburg. Eine Gruppe von RP-Lesern hat die jüngste Ballett-Premiere im Duisburger Stadttheater "Young Moves" besucht. Hier geben wir in gekürzter Form ihre Eindrücke wieder. Morgen gibt es eine erneute Aufführung des jungen Ballett-Abends.

In jeder Kompagnie wollen Menschen irgendwann einmal choreographieren und ihrer Kreativität Raum geben. Nachdem Martin Schläpfer in vergangenen Spielzeiten Choreographien einzelner Tänzer (dreimal von Antoine Jully, einmal von Martin Chaix) in einen dreiteiligen Ballettabend integriert hatte, hat er sich nun für ein neues Format entschieden: "Young Moves" wird komplett von Nachwuchskünstlern des Balletts am Rhein gestaltet. Die Tänzer konnten sich mit ihrem Konzept für eine eigene Choreographie bewerben, und nach Gesprächen mit der Ballettdirektion wurden sechs von ihnen ausgewählt. Bei der Umsetzung hatten die Tänzer absolute Freiheit. Sie durften - im Rahmen der logistischen Möglichkeiten - "ihre" Tänzer auswählen und neben der Entwicklung ihrer Tanzsprache frei über die Musik, das Licht, das Bühnenbild und die Kostüme für ihre Choreographie entscheiden. In der RP-Kritik hieß das Fazit nach der Premiere: "Großer Jubel für einen spielerisch extrem vielseitigen Abend." Hier nun Stimmen der "Ballett-Scouts", die auf Einladung der Rheinoper und der RP die Vorstellung besucht haben:

CHRISTOPH GRÄTZ Es war die Tänzerin Yuko Kato, die mich gerührt hat mit ihrem Solo bei "Fieldwork", dem dritten Stück von "Young Moves". Louisa Rachedi hat in ihrer Choreographie für mich die größte emotionale Tiefe dieses Ballettabends erreicht. Ihr ist es gelungen, die Gefühlswelt von Menschen im digitalen Zeitalter unter dem Einfluss von Gruppendruck und der Sehnsucht nach Individualität auszuleuchten. Die Kostüme erinnerten an Fantasy oder Science Fiction Animationen. Irgendwo zwischen Manga und Molusken betonten sie die Schwarmhaftigkeit menschlicher Existenz. Das Thema: Der Einzelne in oder gegen die Gruppe, Identitätssuche, punktgenau inszeniert. Dieses Debut stand an Intensität den Arbeiten von Martin Schläpfer in Nichts nach. Überhaupt war der Abend, an dem es gleich sechs Uraufführungen und Choreographie-Debuts von Mitgliedern der Compagnie gab, für mich voller Überraschungen. Das Konzept, dem Nachwuchs eine Chance zu geben, überzeugt mich. Hier haben sechs Newcomer gezeigt, dass sie es drauf haben, allesamt Typen, kreative Individualisten, auf dem besten Weg zum eigenen künstlerischen Ausdruck. Vielfalt, die überzeugt.

Katharina Hell FOTO: Roman Buhl

KATHARINA HELL Ein großer Genuss, ein richtig leidenschaftlicher Abend. Der Abend war so großartig, so reichhaltig, dass man ihn eigentlich noch zwei oder drei weitere Male sehen müsste. Beeindruckt war ich von So-Yeon Kims Choreographie "ZAHIR" zu den Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach. Als ästhetisches Gesamtkunstwerk hat mich "FIELDWORK" von Louisa Rachedi begeistert: seine klaren, sich immer wieder auflösende Struktur, das großartige Zusammenspiel aus Farbe, Licht, Nebel, der Musik und dem wunderbar harmonierenden Tanz.

ROUVEN KASTEN Ich finde das Konzept des Abends mit den sechs kurzen, kontrastreichen Stücken unheimlich gut. In ihrer Kraft und Energie waren "FIELDWORK", "ZAHIR" und "RAPTURE" für mich die stärksten Stücke des Abends, absolut überragend fand ich Louisa Rachedis "FIELDWORK", das mich mit seiner Musik, dem Soundtrack zu Steven Soderberghs TV-Serie "The Knick", sofort elektrisiert hat. Viel mehr als etwa das zweite Stück ganz ohne Musik und "ZAHIR" mit den sehr bekannten und als Ballettmusik vielleicht etwas abgegriffenen Cello-Suiten von Bach.

Martin Breil FOTO: Roman Buhl

MARTIN BREIL Großes Lob an das Ballett am Rhein, dieses Projekt überhaupt ins Leben zu rufen und die Jungen mal ans Ruder zu lassen mit allen professionellen Mitteln, die zur Verfügung stehen. Die jungen Leute haben sich toll frei geschwommen, ein riesiges Spektrum an Ballett gezeigt und demonstriert, welche Ausdrucksformen Ballett haben kann.

Ich möchte die sechs Stücke gar nicht vergleichen und gewichten - sie haben mich alle irgendwie fasziniert, jedes Stück auf seine Art. Klar gibt es da ein gewisses geschmäcklerisches Ranking - bei jedem von uns. Und natürlich verfügen die Kreationen noch nicht über die Professionalität, Tiefe und Feinstofflichkeit, die Martin Schläpfer in seinen Choreographien verbreitet, aber in ihrer Gesamtheit sind die Arbeiten doch sehr überzeugend, und ich freue mich, dass das Projekt Zukunft hat und weitergeführt wird.

Kathrin Pilger FOTO: Roman Buhl

KATHRIN PILGER Mir hat der ganze Abend in seiner Unterschiedlichkeit unheimlich gut gefallen. Michael Fosters Stück "RAPTURE", diese energiegeladene Inszenierung vor dem roten Hintergrund, war für mich der Höhepunkt am Schluss. Das hat mich an alte Videos von Michael Jackson erinnert. Was mich aber auch sehr fasziniert hat, war das eher experimentelle Stück "IT IS PASSING BY" von Wun Sze Chan. Das war der Versuch, mal etwas ganz anderes auszuprobieren von einer Choreographin, die sich bestimmt weiterentwickeln wird. Ich fand das ganze Projekt toll, und da sind bestimmt talentierte Leute dabei.

(Am Samstag, 25. Juni, sowie am Freitag, dem 1. Juli, jeweils ab 19.30 Uhr gibt es weitere "Young-Moves"-Abende im Duisburger Stadttheater. Kostenlose Einführungen jeweils ab 19 Uhr. Karteninfo im Servicebüro des Theaters, Neckarstraße 1, Tel. 0203/ 28362100.)
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