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Duisburg
Trotz Handicap im Beruf angekommen

Duisburg. Lena Kohnen, Mediengestalterin bei thyssenkrupp, ist voll im Team integriert, ihre Behinderung spielt keine Rolle im Arbeitsalltag.

Beim Thema Fußball muss Lena Kohnen lachen: Fachlich liefe ja alles prima mit ihrem Bürokollegen, aber wenn es um die Bundesliga gehe, hörten die Gemeinsamkeiten auf: Ihr Kollege ist Fan von Werder Bremen, sie selbst unterstützt den FC Bayern München. Letztlich sind aber auch die kleinen Sticheleien rund um die schönste Nebensache der Welt ein Zeichen dafür, dass die 21-jährige aus Duisburg voll in der Berufswelt angekommen ist.

Lena Kohnen hat ein Handicap - von Geburt an fehlt ihr die linke Hand. Sie hat in diesem Jahr ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und arbeitet nun im Stahlbereich von thyssenkrupp als Mediengestalterin Digital und Print. Sie ist begeistert von ihrem Job und fühlt sich wohl in der unternehmenseigenen Druckerei in Ruhrort. Ein Glücksfall für sie und ihren Arbeitgeber, aber keine Selbstverständlichkeit. "Dadurch, dass ich es nicht anders kenne, habe ich mich von vornherein daran gewöhnt, alles mit einer Hand zu machen", erzählt Lena Kohnen.

Bei thyssenkrupp Steel Europe begann sie zunächst als Praktikantin in der Fotoabteilung: "Aber eine Ausbildung als Fotografin, das Tragen der unhandlichen Ausrüstung, das wäre mir doch zu viel gewesen". Das Unternehmen hat dann schnell reagiert und ihr einen Ausbildungsplatz als Mediengestalterin angeboten. "Das war genau das, was ich gesucht habe", freut sich die junge Frau. "Als Kind habe ich sehr viel gezeichnet und war immer gerne kreativ tätig. Diese Fähigkeiten kann ich hier einbringen." Beim Layouten von Druckerzeugnissen sind ihre kreativen Fähigkeiten genau so gefragt, wie ihre IT-technischen Fertigkeiten beim Umsetzen der Vorlagen am Bildschirm. Dort sind die wichtigsten Werkzeuge professionelle Layout- und Fotobearbeitungsprogramme. Mit Maus und Tastatur ist Lena Kohnen so schnell wie jeder andere auch, ohnehin mussten Arbeitsplatz und Büroumgebung für sie nicht angepasst werden. Sie ist voll im Team integriert, ihre Behinderung spielt keine Rolle im Arbeitsalltag.

Lena Kohnens Beispiel ist eines von vielen bei Duisburgs größtem Arbeitgeber thyssenkrupp Steel Europe. Der Stahlhersteller beschäftigt am Standort Duisburg rund 14.000 Mitarbeiter, unter ihnen finden sich gut 20 verschiedene Nationalitäten, alle Weltreligionen und natürlich auch Menschen mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen. In Duisburg sind es über 1.100, im gesamten Unternehmen fast 1.700 schwerbehinderte und ihnen gleichgestellte Menschen. Das sind über neun Prozent aller Mitarbeiter und damit fast doppelt so viel wie die gesetzlich vorgeschriebenen fünf Prozent. Damit die Inklusion selbstverständlich wird, gibt es viele einzelne Mosaiksteinchen: Qualifizierung am Arbeitsplatz und in den Technikzentren, externe Umschulungen für einen neuen Arbeitsplatz im Unternehmen, Anpassung von Arbeitsabläufen, -organisation und -zeiten, Anpassung der technischen Ausstattung am Arbeitsplatz, wie höhenverstellbare Tische, behindertengerechte Zugänge in den Gebäuden, Hebehilfen in der Produktion, Software für sehbehinderte Menschen für die Arbeit am Computer bis hin zum kompletten Umbau einer Maschine in der Produktion oder auch Neueinrichtung eines gesamten Bereichs.

Der Inklusionsauftrag selbst ist an den Arbeitgeberbeauftragten des Unternehmens gebunden. Dort ist auch die Berufliche Rehabilitation angegliedert. Das Rehabilitations-Team selbst ist ein interdisziplinäres Gremium, das den Integrationsprozess im Unternehmen standortübergreifend berät und steuert. Hier arbeiten die Bereiche Berufliche Rehabilitation, Gesundheit, Personal und Interessensvertretungen gemeinsam daran, die Inklusion voranzutreiben.

Um solche Prozesse auf den Weg zu bringen und zu steuern, ist nicht nur im Unternehmen ein breites Netzwerk entstanden, auch externe Institutionen helfen im Einschätzungsprozess und sind wertvolle Partner: Integrationsfachdienste, Berufsgenossenschaft, Rentenversicherung, örtliche Fürsorgestellen und nicht zuletzt die Landschaftsverbände.

Quelle: RP
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