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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
U-Bahnbau verändert das Stadtbild

Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten: U-Bahnbau verändert das Stadtbild
So sah es noch im Spätsommer des Jahres 1987 auf der Kuhstraße aus: Die Straßenbahn fährt an Blumenbeeten entlang. FOTO: Winfried Roth
Duisburg. Mehr als ein Jahrzehnt waren die Duisburger von Baustellen genervt. Die U-Bahn-Bauphase startete am 1. Dezember 1975 und veränderte das Bild der Königstraße, die sich früher Autofahrer, Straßenbahnen und Fußgänger teilten. Von Harald Küst

"Das war eine GT8-NC-DU - ein Gelenkwagen mit acht Achsen", erläutert Winfried Roth, ein ausgewiesener Straßenbahnexperte. Das Fotobuch des Fachautors lässt nicht nur die Augen von Straßenbahn-Fans aufleuchten. Wer sein reich bebildertes Buch durchblättert, reist in die "Vor-U-Bahn-Zeit", also in die 70er und 80er Jahre. Der Wandel des Stadtbildes wird dem Betrachter überdeutlich.

Die Bilder im Buch zeigen, wie sich Autofahrer, Straßenbahnen und Fußgänger die Königstraße teilten. Die Straßenbahnen waren damals in Pop-Art-Farben lackiert. Die Stirnseite gelb und die Seiten orange. Die belebte Kö der 70er Jahre mit ihren Fachgeschäften und dem Gloria-Kino zeigte urbanes Leben mit dichtem Verkehr.

Am 1. Dezember 1975 begannen am König Heinrich Platz die U-Bahnarbeiten. Zäune, 26 Meter tiefe Baugruben und Verkehrsumleitungen prägten das Stadtbild. Mehr als ein Jahrzehnt waren die Duisburger von Baustellen genervt, die Einzelhändler klagten über Umsatzeinbußen, Absperrungen blockierten Fußgänger und Autofahrer auf ihren gewohnten Wegen.

Die U-Bahn-Bauphase veränderte das Bild der Königstraße nachhaltig - nicht nur - wie viele Bürger meinen - zu ihrem Vorteil. Nun ja, es war die Zeit des U-Bahn-Fiebers, das viele Kommunen in den 70er Jahren erfasste. Autostau und Umweltbelastung sollten reduziert werden. Bund und Land stemmten den Löwenanteil der Kosten. Rund eine Milliarde Mark wurden insgesamt verbuddelt.

Hätte man das Geld nicht sinnvoller ausgeben können? Die Frage erhitzte schon während der Bauarbeiten für die Stadtbahn die Gemüter. Hinzu kamen Terminverzögerungen. Bei vergleichbaren Großprojekten ein durchaus aktuelles Phänomen. Damals rechnete man mit einer Inbetriebnahme 1987, aber erst am 11. Juli 1992 konnte die unterirdische Strecke unter der City eröffnet werden. Das wurde groß gefeiert.

Für Kinder und Erwachsene unter Dreißig ist die Vor-U-Bahn-Zeit nicht mehr vorstellbar. Sie kennen die Kö mit ihren Brunnenanlagen nur fußläufig. Der "Düsenfeld"- Brunnen vor dem Einkaufszentrum Forum ist Favorit der Kinder, die sich zwischen den wechselnd hohen Wassersäulen tummeln. Was viele Duisburger nicht registrieren: Die U-Bahnhöfe wurden von renommierten Künstlern ausgestaltet. Welche Stadt kann sich rühmen , dass Kunstwerke von Gerhard Richter und Manfred Vogel die U-Bahn Stationen zieren ?

Und überirdisch ist die Nana von Niki de Saint Phalle zum beliebten Selfie Motiv avanciert. Auch für stadthistorisch Interessierte war der U-Bahn-Bau für Duisburg ein Gewinn. Außergewöhnliche Fundstücke kamen ans Tageslicht. Die archäologische Zone mit der mittelalterlichen Markthalle hätte städtebaulich allerdings eine bessere Einbindung ins Stadtbild verdient. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Alte und neue Architektur, Wegmarken und kulturelle Vielfalt lassen sich in Duisburg am besten per Straßenbahn erkunden. Es lohnt sich, Vergangenes und Neues zu entdecken.

Mit der "Kulturlinie 901" führt der Kulturvermittler Klaus Brüggenwerth Touristen und Einheimische von Mai bis Oktober wieder durch Duisburg - vom Rathaus über Ruhrort bis nach Marxloh. Kunst und Kultur auf Schienen - die abwechslungsreiche Straßenbahntour erfreut sich inzwischen zunehmender Beliebtheit.

Quelle: RP
 
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