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Duisburg
Ukrainerin ist in Duisburg glücklicher

Duisburg: Ukrainerin ist in Duisburg glücklicher
Tanja Basaliukova wohnt seit drei Jahren in Duisburg. Sie studiert hier an der Universität angewandte Kognition und Medienwissenschaften. FOTO: Julia Zuew
Duisburg. Eigene Interessen, Wünsche und Zukunftspläne haben: In der Ukraine nicht selbstverständlich, wie Studentin Tanja Basaliukova berichtet. Länger als zwei Wochen könne sie nicht in ihrem Heimatland sein, erzählt sie. Von Julia Zuew (Text und Foto)

Wirklich dazugehört habe sie in der Ukraine nie, sagt Tanja Basaliukova. Schon in der Schulzeit hat die heute 22-Jährige es nicht leicht gehabt: "Anders zu sein, sich nicht wie alle anderen zu kleiden, und andere Interessen zu haben, ist in der Ukraine sehr schwer."

Seit drei Jahren wohnt Basaliukova nun in Duisburg, studiert an der Universität angewandte Kognition und Medienwissenschaften. Sie kommt eigentlich auch Cherson, eine Hafenstadt im Süden der Ukraine. Die 22-Jährige kann fließend Deutsch. 13 war sie, als sie mit dem Deutschunterricht anfing. In ihrer Heimatstadt sind oft Touristen und ausländische Künstler unterwegs, erzählt sie und deswegen kam sie schon früh in Kontakt mit Fremdsprachen.

"Für meinen Vater stand schon immer fest, dass ich im Ausland studieren werde", sagt sie. Nach dem Abitur in ihrer Heimatstadt begann sie dennoch erst ein BWL-Studium in Kiew. "Ich habe vier Semester durchgehalten", sagt sie und lacht. Abgesehen davon, dass die Fachrichtung nicht zu ihr passte, habe sie mit den Kommilitonen nichts gemeinsam gehabt. "Um acht Uhr morgens saßen die Mädchen geschminkt und mit Highheels in den Vorlesungen. Ich hingegen kam mit meinen Chucks und einem T-Shirt an und wurde angestarrt."

Auf das Äußere legen die Menschen in der Ukraine viel Wert. "Immer, wenn ich meine Eltern besuche, darf ich mir anhören, wie ich so rumlaufen könne, obwohl es hier in Deutschland ganz normal ist."

An Deutschland mag sie sehr, dass man hier Menschen trifft, ohne dass sie sich sofort ins Privatleben einmischen. Ich muss nicht irgendwelchen Stereotypen entsprechen", sagt die Studentin. "Man muss nicht immer gestylt sein, und man wird nicht dauernd beobachtet und beurteilt." Und auch in politischen Äußerungen und Diskussionen fühle sie sich hier freier als in ihrer Heimat. "Manche Menschen finden vielleicht, Duisburg habe nichts zu bieten, aber ich bin sehr glücklich hier."

Angesichts der politischen Krise in der Ukraine schätzt sie ihr Studium in Deutschland noch mehr. Sie hat ihr eigene Meinung zur politischen Situation: "Der Konflikt wurde provoziert, es wurde dem Volk einfach zu viel." Abgesehen von dem wirtschaftspolitischen Zündstoff habe auch die Debatte um Russisch als zweite Staatssprache viel zum Konflikt beigetragen. So sei es, soweit sie sich erinnern könne, nie ein Problem gewesen, dass in der Ukraine Russisch und Ukrainisch gesprochen wurde.

Selbst bei den Abschlussprüfungen in der Schule konnte sie zwischen beiden Sprachen wählen. Die Bevölkerung sei damit einverstanden gewesen, dass Ukrainisch die offizielle Staatssprache ist, aber Russisch ebenfalls zum Alltag dazugehört. Die Regierung habe das Thema zum Politikum gemacht. "Wir werden schon damit zurechtkommen", ist das Motto der Ukrainer, sagt Basaliukova. "Die Ukrainer sind eher geduldig und bleiben lange ruhig - aber dann reicht's irgendwann, auch wenn es sehr lange dauert."

Den Umschwung und den Protest treibe vorwiegend die junge Generation voran, meint sie: "Das sind Menschen, die Europa oder sogar die USA kennengelernt haben, über Austausch oder Work-and-travel." Sie sei nicht die Einzige, die ins Ausland geht, um ein Leben nach eigenen Vorstellungen zu führen. "Länger als zwei Wochen kann ich nicht in der Ukraine sein", berichtet sie. "Dann wird mir das zu viel."

Bei ihrem letzten Besuch sei sie gefragt worden, wann sie endlich heirate, sie sei ja schließlich "schon" 22 Jahre alt. In den postsowjetischen Ländern sei es üblich für Frauen, jung zu heiraten. Basaliukova: "In der Ukraine finden die Leute mich seltsam - hier bin ich normal."

Quelle: RP
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