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Duisburg
Umbau soll Stadtwerke stark machen

Duisburg: Umbau soll Stadtwerke stark machen
Die Duisburger Stadtwerke sind durch die Energiewende in Schieflage geraten. FOTO: Probst, Andreas (apr)
Duisburg. Nachdem die Stadt das Eigenkapital des Konzerns aufgestockt hat, geht es nun an die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen, für die viel Geld benötigt wird. Dazu zählt unter anderem die Schließung eines Kraftwerks. Von Hildegard Chudobba

Mit der Genehmigung des städtischen Haushaltes hat die Regierungspräsidentin Grünes Licht gegeben, dass rund 200 Millionen Euro (im ersten Schritt 178) an den DVV-Konzern überwiesen werden dürfen, um dessen Eigenkapital aufzustocken. Das war Voraussetzung, um das Restrukturierungsprogramm abzuwickeln. Bekanntlich hat die Energiewende die Stadtwerke in eine gefährliche Lage gebracht. Im vorigen Jahr entwickelte die Konzernleitung ein Konzept zur Gesundung, das der Aufsichtsrat genehmigte und auch die Zustimmung des Betriebsrates fand. Darin werden rund 40 Maßnahmen definiert, von denen einige bereits in Angriff genommen wurden, der größte Teil aber jetzt erst mit Freigabe der Mittel in die Umsetzungsphase gehen wird. Marcus Wittig, Vorsitzender der Geschäftsführung des Duisburger Versorgungs- und Verkehrskonzerns, spricht von einem harten Weg, der vor der Belegschaft liegt. Rund 600 Konzernmitarbeiter werden von den anstehenden Veränderungen betroffen sein. Rund 300 Stellen müssen abgebaut werden, mit Schwerpunkt bei den Stadtwerken. Überall im Konzern wird Leistungsverdichtung spürbar werden.

Ein zentraler Punkt in dem Restrukturierungsprogramm ist die Außerbetriebnahme des Kraftwerks in Hochfeld. Das wird voraussichtlich Ende 2017 der Fall sein. Die Strom- und Fernwärmeerzeugung mit dem verbleibenden Kraftwerk in Wanheim soll flexibler gestaltet werden. Hierzu ist ein Fernwärmespeicher in Planung, in dem erhitztes Wasser zwischengelagert werden kann. So kann künftig Fernwärme auch dann ins Netz eingespeist werden, wenn sich die Stromerzeugung wegen zu niedriger Großhandelspreise wirtschaftlich nicht lohnt. Die Planungen laufen bereits, so dass vielleicht schon nächstes Jahr mit dem Bau begonnen werden kann.

Erklärtes Ziel des Unternehmens ist unverändert, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, auch wenn unter anderem die Mitarbeiter des aufzugebenden Kraftwerkes in der Innenstadt ihren Arbeitsplatz verlieren. Sie sollen möglichst an anderen Stellen im Konzern untergebracht werden oder externe Arbeitsplatzangebote annehmen. "Bei anderen Stadtwerken, aber auch bei Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, gibt es schon jetzt Anfragen nach unseren Leuten", sagt Marcus Wittig. "Aber alle müssen wissen, dass wir nicht jeden hier bei uns weiterbeschäftigen werden." Wechselbereitschaft sei eine ganz wichtige Herausforderung für die Belegschaft. "Sie muss mitziehen", so Wittig.

Nutzen will der Konzern zudem die Tatsache, dass das Durchschnittsalter der Belegschaft bei rund 50 Jahren liegt und damit etliche Arbeitnehmer die Chance haben, abschlagsfrei mit 63 Jahren in Rente zu gehen. Den "goldenen Handschlag", wie es ihn viele Jahre zum Beispiel in der Stahlindustrie gab, als sie Personal abbauen musste, den wird es im DVV-Konzern nicht geben. Auf hohe Abfindungen können sie nicht hoffen.

Einige der 40 Maßnahmen sind bereits auf den Weg gebracht worden. So wurde im Sommer beispielsweise in Rheinhausen das Aus- und Weiterbildungszentrum geschlossen. Die Kantinen außerhalb des Firmengeländes an der Bungertstraße gibt es ebenfalls nicht mehr. Und in Marxloh hat das Kundeninformationszentrum dichtgemacht. Einen Teil der Serviceangebote hat ein benachbartes Geschäft übernommen. Werden innerhalb des Konzerns Stellen frei, wo wird geprüft, ob Stadtwerke- Mitarbeiter diese übernehmen können. Ein umgeschulter Kraftwerker am Steuer eines Linienbusses - für Wittig ist das durchaus vorstellbar.

In Angriff genommen werden in den nächsten Monaten unter anderem auch die Auflösung der "Vectio", der Werkstattgesellschaft des Konzerns und "Bereinigungen" bei den eigenen Immobilien und Liegenschaften. "Das wird zu einer Ergebnisverbesserung durch veränderte Bewirtschaftung führen", ist Wittig sicher.

Spätestens 2018/19 will der Konzern wieder in der Gewinnzone sein (und die 200 Millionen Euro nach und nach an die Stadt zurückzahlen). Dazu beitragen soll, dass sich das Unternehmen für den sich ständig wandelnden Energiemarkt neu aufstellt. So hat es gerade Duisburgs größte Photovoltaikanlage - auf dem Logportgelände - gekauft, weil es sich unter anderem wegen der staatlichen Förderung für Solarstrom rechnet. Unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität wird ebenfalls nach weiteren Möglichkeiten gesucht. "Offshore Windanlagen sind zum Beispiel derzeit nicht unser Ding", sagt Wittig. Windräder auf dem Meer würden noch zu viele unkalkulierbare Risiken in sich bergen. In Windparks an Land einzusteigen, könne sich das Unternehmen hingegen gut vorstellen. "Einen solchen Park müssen wir finden. Denn in Duisburg können wir keine Windparks aufstellen."

Positiv für die Stadtwerke ist, dass die Bundesregierung die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) weiter fördern will. "Aber sicher ist das vorerst nur für die nächsten vier Jahre. Was danach passiert, das weiß keiner", so Wittig. Und keiner könne heute die Frage beantworten, wie sich der Energiemarkt bis dahin gewandelt hat. Eine Grundsatzentscheidung zugunsten von KWK habe es leider nicht gegeben. Kurzfristigkeit jedoch sei kein Fundament für Investitionen, mit denen langfristig die Zukunft der Stadtwerke gesichert werden könne.

Quelle: RP
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