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Johannes Corputius
"Van den grooten tooren te Duysburg"

Duisburg. Wer war jener Mann, der vor 450 Jahren, im Alter von erst 23 Jahren, den ersten Duisburger Stadtplan entwarft, der zugleich der erste maßstabgetreue Stadtplan nördlich der Alpen war? Antworten findet man in diesem historischen "Gespräch". Von Harald Küst

Gäbe es eine Zeitmaschine, mit der man Hunderte Jahre zurückreisen könnte, dann wäre das folgende Interview nicht fiktiv.

Ihr Plan ist der älteste maßstabgetreue Stadtplan nördlich der Alpen. Erkennen Sie überhaupt nach 450 Jahren etwas von Duisburg wieder ?

Corputius: Unbedingt , die markanten Punkte wie Salvatorkirche, Marienkirche und die Stadtmauer sind ja noch erhalten - einiges hat sich allerdings gewaltig verändert. Meine Messungen unternahm ich von drei Punkten aus mittels eines von mir selbst gefertigten Quadratum geometricum. Die Peilungen nahm ich "van den grooten tooren te Duysburg" aus vor, das heißt, vom Turm der Salvatorkirche. Als weitere Messpunkte nutzte ich einen der Türme der Marienkirche und einen Turm der Stadtbefestigung zwischen Kuhtor und Stapeltor.

Herr Corputius, vor 450 Jahren präsentierten Sie Ihren Plan den Vertretern der Stadt Duisburg. Sie waren damals erst 23 Jahre alt.

Corputius Das freut mich zu hören. Ich bin stolz darauf, dem geneigten Leser die Einmaligkeit meiner Leistung vor Augen zu führen. Die wahrhaftige und exakte Zeichnung Duisburgs schafft eine Perspektive, der es an nichts fehlt. Mir war die Detailgenauigkeit wichtig. Die aufwendigen Gravuren für den Kupferstich des Plans hatte ich bereits vor 1565 abgeschlossen. Als junger Mensch steckt man voller Energie, um das Werk zu vollenden.

Was hat sie angetrieben, den Plan zu erstellen?

corputius Die innere Überzeugung und das Selbstbewusstsein ein guter Kartograph zu sein - und wenn ich ehrlich bin: Ich brauchte das Geld. Während meines Studiums hatte ich Geldsorgen, aber mein Elternhaus stand immer zu mir. Meine Mutter gebar 18 Kinder, von denen zehn jung starben. Ich war das fünfte von den acht Kindern, die am Leben blieben. Da lernt man, sich durchzusetzen.

Ihre Studienschwerpunkte waren vor allem Mathematik und Kartographie ?

Corputius So ist es. In Löwen und Köln studierte ich Mathematik und Kartographie. Hier in Duisburg wurde ich von Gerhard Mercator in die Kunst des Gerätebaus und des Kupferstechens eingewiesen. 1562 teilte ich meinem Vater mit, dass ich mich mit Hilfe der mathematischen Künste meinen Vermessungsarbeiten widme und mich anschickte, sie in Kupfer zu stechen.

Der Beginn des Truchsessischen Krieges machte ja leider 1568 die lang erhoffte Gründung der alten Universität in Duisburg zunichte. Wie bewerten Sie heute den Stand der Wissenschaften ?

Corputius Endlich hat Duisburg eine Universität. Die wissenschaftliche Veröffentlichung "Die Macht der Karten" von Dr. Ute Schneider ist ein wichtiger Beitrag zur historischen Forschung. Ich habe mich anlässlich meines Aufenthaltes in Duisburg zudem mit dem GPS, dem globalen Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung befasst. Eine faszinierende Entwicklung. Mit Google Earth kann man die Vermessungspunkte meines Plans mit archäologischen Funden mit Geodaten überlagern und ein Modell der Stadt Duisburg oder sogar der Erde erstellen. Wirklich beeindruckend.

Was möchten Sie uns über Ihre Familie sagen, über die der Nachwelt bislang wenig bekannt ist?

Corputius Mein Vater war Notar, Stadtsekretär und Bürgermeister in Breda, aber er musste als Calvinist vor der spanischen Besatzungsmacht flüchten. Er ließ sich dann im Herzogtum Kleve nieder. Kleve und Duisburg waren wegen ihrer toleranten Haltung gegenüber Zuwanderern überall bekannt. Damit erklärt sich auch meine Nähe zu Duisburg. Mein Vater und meine Schwester lebten im Übrigen zeitweise in Duisburg.

Sie verließen 1566 die Stadt Duisburg, kehrten allerdings noch 1576 einmal kurz zurück. Wieso das?

corputius Ich setzte mein Studium in Straßburg bei dem großen Humanisten Johannes Sturm fort. Das Studium nutzte ich, um meine Sprachkompetenz in Latein, Griechisch, Französisch und Deutsch auszubauen. 1576 kehrte ich noch einmal nach Duisburg zurück. Ich entschied mich gegen eine wissenschaftliche Laufbahn und zog dann weiter in den Kampf gegen die Spanier. Das Schreckensregime des Herzog von Alba hatte den Widerstand der niederländischen Unabhängigkeitsbewegung auf breiter Front entfacht.

Ihr späterer Weg verlief abenteuerlich. Ihr Kampfesmut gegen die spanische Besatzungsmacht wurde gerühmt. Sie galten als "Mann , der Tausende aufwog ".

corputius Mut entsteht durch Leidenschaft, für eine gerechte Sache zu kämpfen. Ich schloss mich den Kämpfern für die niederländische Unabhängigkeit 1576 an. Ich konnte meine Kompetenzen als Kartograph, Vermessungsingenieur und Festungsbauer einbringen und stieg zum Militärführer auf. Ich bin überzeugter Kämpfer für die niederländische Unabhängigkeit. Deshalb übernahm ich als Militärführer die Verteidigung von Steenwijk.

Wie schätzen Sie als Niederländer die politische und religiöse Situation heute ein ?

corputius Die Zeiten des Gegeneinanders zwischen Spanien und den Niederlanden sind - Gott sei Dank - lange vorbei, aber ich habe erfahren, dass Religionskonflikte und Flüchtlingsströme nach wie vor ein aktuelles Thema sind.

Haben Sie noch einen Wunsch an die Duisburger Bürgerschaft ?

corputius Die geplante Rekonstruktion des Mercator-Hauses an der Oberstraße wäre eine wunderbare Sache.

Quelle: RP
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