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Sommerinterview Peter Joppa
"Veranstaltungen bringen ein positives Image"

Sommerinterview Peter Joppa: "Veranstaltungen bringen ein positives Image"
Peter Joppa ist seit 15 Jahren Geschäftsführer bei Duisburg-Kontor (früher Frische-Kontor). Der 64-Jährige Dipl.-Betriebswirt liebt seinen Job. FOTO: Reichwein
Duisburg. Duisburg-Kontor-Geschäftsführer Peter Joppa über seine Arbeit, das Image der Stadt und was für die kommenden Jahre geplant ist.

Die Stadt bemüht sich, Duisburg ein neues Image zu verpassen. Sie tragen mit Ihrer Arbeit wesentlich dazu bei. Wie bewusst ist Ihnen das bei Ihrer täglichen Arbeit?

Joppa Das ist eine ganz elementare Zielrichtung unserer Arbeit. Veranstaltungen sind dabei natürlich sehr wichtig. Für uns bringen die Veranstaltungen positives Image für Duisburg. Wir werben damit für die Stadt. Wir sehen unsere Aufgabe aber nicht nur darin, die Veranstaltung zu machen, sondern sie auch im Umland zu bewerben. Wir wollen den Duisburgern Vergnügen bereiten, aber wir wollen auch, dass Menschen von außerhalb kommen.

Wieso ist das so wichtig?

Joppa Welches Bild haben die Leute, die noch nie in Duisburg waren im Kopf? Da sind wir häufig noch die graue Industriestadt. Das war sie vielleicht vor 30 oder 40 Jahren. Wir erleben immer wieder, dass die Menschen, die zum ersten Mal da waren, am Ende ihres Besuches zu uns kommen und sagen, ,wir fahren mit 'nem ganz anderen Bild im Kopf nach Hause, das ist ja gar nicht die Stadt, die wir erwartet haben. Ihr habt eine sehr interessante Stadt, mit 'nem hohen Freizeitpotenzial'. Die besten Botschafter für uns sind also die Menschen, die hier gewesen sind. Deshalb müssen wir eben versuchen, nach außen hin so stark wie möglich zu werben.

Übersicht: Ruhrorter Hafenfest in Duisburg 2016

Was denken Sie, sind die beliebtesten Events in Duisburg?

Joppa Vor kurzem hat Radio Duisburg eine Umfrage gestartet. Hörer konnten abstimmen, was für sie die wichtigsten Veranstaltungen in Duisburg sind. Von den ersten sechs waren fünf Veranstaltungen, an denen wir beteiligt sind. Das fand ich schon bemerkenswert. Denn daran sieht man ein Stückchen die Außenwirkung unserer Tätigkeit. Die Nummer eins war das Hafenfest weil der Hafen identitätsstiftend für Duisburg ist. Danach kamen der Weihnachtsmarkt und das Sommerkino.

Wonach richten Sie die Events aus? Außenwirkung oder danach, was zu Duisburg passt?

Joppa Schon ein Stückchen beides. Es gibt Events, die haben Tradition, wie zum Beispiel das Matjesfest. 'Ne alte Hafenstadt und Matjes, das passt einfach. Die Menschen lieben das. Jetzt hat es sich so entwickelt, dass ganz viele Leute von außerhalb hier hinkommen. Bis zu 60 Prozent auswärtige Fahrzeuge haben wir zu solchen Veranstaltungen in den Parkhäusern. Auch der Marina-Markt ist eine Veranstaltung, die mal klein angefangen hat. Mittlerweile hören sie ganz viele holländische Stimmen. Auch die Niederrheiner kommen. So muss das funktionieren.

Fotos: So schön war das Feuerwerk beim Hafenfest Ruhrort FOTO: Christoph Reichwein

Wie gelingt ihnen das?

Joppa Wir beobachten die Veranstaltungslandschaft. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Natürlich gibt es zum Beispiel auch in anderen Städten Weinfeste. Unser Weinfest ist aber deshalb ein besonderes, weil sie seit 31 Jahren hier nur deutschen Wein bekommen. Wir haben das größte Weinfest außerhalb der Weinanbaugebiete. Das wird so gut angenommen, dass selbst die Hotellerie viel davon hat. Wir versuchen, von anderen Veranstaltungen zu lernen und gute Konzepte mitzunehmen. Zum Beispiel das Beachvolleyballturnier. Das ist eine Veranstaltung, die bereichert unsere Stadt.

Waren Sie zufrieden mit dem Beachvolleyball-Turnier?

Joppa Sie müssen sehen, wenn eine Veranstaltung neu anfängt, dann haben sie zwei verschiedene Effekte. Entweder sie haben einen totalen Neugiereffekt, wie zum Beispiel beim Lichtermarkt im vergangenen Jahr in der Kraftzentrale im Landschaftspark. Aber beim Volleyball war es so, damit können viele Leute erst mal nicht so viel anfangen. An dem Freitag war auch nicht so gutes Wetter und das ist generell die halbe Miete. Samstag und Sonntag waren dann super und ich wette, nächstes Jahr ist auch der Freitag schon rappelvoll, denn jetzt wissen die Leute, was sie erwartet.

Gibt es Events, die Sie gerne mal in Duisburg umsetzen würden?

Joppa Es gibt einen Veranstaltungstypus, den es in Duisburg früher schon mal gegeben hat. Das war so etwas wie eine Gourmetmeile. Da muss man aber viele Gastroniebetriebe haben, die mitmachen, damit man dem Publikum etwas bieten kann. Außerdem bräuchten wir auch noch ein Bierfest.

Woran scheitert es?

Joppa Wir haben in diesem und im folgenden Jahr das Problem, dass die Innenstadt auf der Königstraße ein neues Pflaster bekommt. Eigentlich sollten die Arbeiten schon laufen, wir haben jetzt aber mit der Stadtverwaltung abgestimmt, dass die großen Festivitäten bis einschließlich dem Weinfest am ersten Augustwochenende laufen müssen. Dann ist Zeit, von Mitte August bis Ende Oktober zu arbeiten, weil dann der Aufbau des Weihnachtsmarktes anfängt. Aber im nächsten Jahr gehts weiter und darauf müssen wir unsere Veranstaltungsplanung ein wenig abstimmen.

Was hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren geändert ?

Joppa Das Marketing hat sich verändert. Früher hat man zehn Buden aufgestellt und gesagt, die Leute kommen schon. Das funktioniert aber nicht. Ein mobiler Mensch kann innerhalb von 50 Kilometern an einem Wochenende wahrscheinlich 40 Veranstaltungen besuchen. Man muss sich ein Stückchen abheben.

Haben die Leute also Lust auf Neues?

Joppa Ja, bei einigen Veranstaltungen muss man mit Neuigkeiten arbeiten. Beim Weihnachtsmarkt zum Beispiel muss man sich von den anderen Weihnachtsmärkten abheben. Wir haben in den letzten Jahren sehr stark an unserem Lichtkonzept gearbeitet. Und wo Leute früher auf den Weihnachtsmarkt gingen und den Kragen hochgeklappt haben, wollen sie nun überdachte Sitzgelegenheiten. Oder das Essen, früher hat man eine Bratwust gegessen und Feierabend. Heute wollen die Leute veganes, vegetarisches und asiatisches Essen oder Tiroler Almhütten auf dem Weihnachtsmarkt. Dem muss man Rechnung tragen.

Was macht Ihnen als Geschäftsführer vom Duisburg-Kontor Sorgen?

Joppa Sorgen nichts direkt. Aber das Vermarkten von einer touristischen Destination kostet ja erst mal Geld. Das Geld kommt ja nicht unmittelbar bei uns wieder rein, sondern bei der Hotellerie, bei der Gastronomie, beim Handel oder nachher bei der Gewerbesteuer. Und deshalb muss man ausreichende Mittel haben, um Duisburg touristisch zu bewerben. Wir haben jetzt in diesem Jahr 100.000 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Also wir haben schon deutlich ausweiten dürfen.

Gibt es etwas, womit Sie nicht so zufrieden sind?

Joppa Mit unserem Veranstaltungskalendarium ,Duisburg non stop'. Es ist ein bisschen veraltet und nicht attraktiv genug. Wir wollen zum 1. Januar 2017 einen neuen Veranstaltungskalender auflegen, der einfach optisch mehr her macht und wo man auch direkt Karten kaufen kann. Und dann wird hoffentlich auch unsere Duisburg-App fertig sein. Es gibt momentan keine gute App für die Stadt, das soll sich mithilfe der Uni Duisburg-Essen nun ändern, die die App entwickelt.

Was ist in der Zukunft sonst noch wichtig?

Joppa Die Flusskreuzschifffahrt als wichtiger touristischer Vermarktungspunkt. Wir rechnen durch den neuen Steiger mit 20.000 bis 25.000 neuen Gästen. Da hängt aber noch viel mehr dran. Denn wir organisieren die Touren und die Guides, die die Menschen dann hier zu den Attraktionen wie Innenhafen oder Tiger and Turtle oder auch ins Casino bringen. Und das zweite Thema ist Radtourismus. Am Freitag wurde der Anfang - oder das Ende, je nachdem wie man es sieht - des Ruhrtal-Radwanderweges eröffnet. Das ist ein Pfund. Dann wird es einen weiteren Radwanderweg durch das Ruhrgebiet auf den alten Hoch-Trassen geben. Wir sind hier die Verknüpfung in der Mitte.

Sonst noch etwas?

Joppa Es gibt eine Lücke, die müssen wir schließen - Wohnmobilstellplätze. Jedes Dorf am Niederrhein hat mittlerweile seinen Wohnmobilstellplatz. Unser Aufsichtsrat hat im Juni einen Beschluss gefasst. Wir gehen jetzt in die ersten Gespräche mit der Stadt, weil dafür müssen Bebauungspläne oder Flächennutzungspläne verändert werden. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass beispielsweise der Landschaftspark, vielleicht auch der Sportpark, gute Standorte sind. Es ist natürlich eine Frage der Investition. Wir reden hier schon über 200.000 bis 300.000 Euro. Das wär' ein Plan für die kommenden zwei Jahre.

Was wünschen Sie sich für Duisburg?

Joppa Am meisten mehr Selbstbewusstsein. Manchmal sind wir Duisburger zu negativ, dabei haben wir 'ne prima Stadt. Wir sind nicht Paris und nicht London, aber das müssen wir auch gar nicht sein. Dass die Leute sagen, hey, was haben wir alles hier? Dass wir Industrie- und Hafenstadt sind, ist doch positiv. Wir müssen uns bei der Außendarstellung auf unsere Alleinstellungsmerkmale konzentrieren: Wasser und Industriekultur.

CAROLIN SKIBA FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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