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Duisburg
Verfolger und Opfer in der Nazi-Zeit

Duisburg: Verfolger und Opfer in der Nazi-Zeit
Dr. Martina Wiech, Dr. Frank Bischoff, Dr. Anselm Faust und Prof. Dr. Kurt Düwell. FOTO: andreas probst
Duisburg. Das Landesarchiv in Duisburg startet am Dienstag eine Vortragsreihe und eine Ausstellung über die Geheime Staatspolizei (Gestapo) im Rheinland. Der vielsagende Titel heißt: "Der Dienst verlangt eine innere Härte..." Von Peter Klucken

Die Geheime Staatspolizei, allgemein bekannt unter dem Kürzel "Gestapo" war das wichtigste und bekannteste Instrument zur Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung. Im Landesarchiv an der Schifferstraße 30 am Duisburger Innenhafen beginnt am Dienstag, 1. März, 18 Uhr, eine Vortragsreihe, in der die rheinischen Gestapostellen und ihre Aktivitäten im Mittelpunkt stehen. Zugleich wird eine Ausstellung eröffnet, in der einzelne Schicksale von Widerstandskämpfern und Opfer des Nazi-Regimes in Schrift und Bild dokumentiert werden.

Ausstellung und Vortragsreihe werden von einem hochkarätigen wissenschaftlichen Team konzipiert: Dr. Frank Bischoff (Präsident des Landesarchivs NRW und Vorsitzender der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde), Dr. Martina Wiech (Leiterin der Abteilung Rheinland des Landesarchivs NRW), Prof. Dr. Kurt Düwell (em. Professor des Historischen Seminars der Uni Düsseldorf) und Dr. Anselm Faust (Dezernatsleiter des LAV i.R.).

Faust ist zugleich Herausgeber eines wissenschaftlichen Buchprojektes, das ebenfalls am kommenden Dienstag vorgestellt wird. Dabei geht es um die "Lageberichte Rheinischer Gestapostellen 1934 - 1936". Und damit ist man zugleich mitten in einem zwar widerlichen, aber höchst aufschlussreichen Abschnitt deutscher Geschichte, wie sich gestern beim Pressegespräch zeigte. Dazu muss man wissen: Im Rheinland gab es fünf, jeweils für einen Regierungsbezirk zuständige Staatspolizeistellen: in Düsseldorf, Aachen, Köln, Koblenz und Trier. Sie hatten regelmäßig über ihre Tätigkeiten und ihre Beobachtungen Bericht zu erstatten. Monatlich informierte die Gestapo auf diese Weise über die Stimmung in der Bevölkerung, über die wirtschaftliche Entwicklung, über das Verhalten der "Gegner"-Organisationen sowie vieler gesellschaftlicher Vereinigungen einschließlich der NSDAP selbst. Diese Monatsberichte, die zwischen 1934 und 1936 geschrieben wurden, hat Dr. Anselm Faust in mehreren Bänden dokumentiert und kommentiert. Die Monatsberichte der Gestapo liefern eine Fülle von Informationen zur regionalen Sozial-, Wirtschafts- und Politikgeschichte.

Sie sind zwar durchweg aus der Perspektive der Verfolger und Unterdrücker geschrieben, doch kann man beim Quellenstudium indirekt auch die Situation der Verfolgten erkennen. Die Gestapo-Mitarbeiter hatten die Aufgabe, die Stimmung in der Bevölkerung nach Berlin zu melden. Und da findet sich beispielsweise eine Beobachtung, die uns Nachgeborenen schmeichelt, die den Nazischergen aber gar nicht gefiel: "Der Rheinländer hat von Natur aus eine kritische Einstellung". Mit diesem Zitat überschreibt Dr. Faust am Dienstag auch seinen Vortrag, bei dem er die Quintessenz seiner umfangreichen Dokumentation darstellt.

In den Gestapo-Berichten kommt nicht zuletzt auch das Selbstverständnis der dort beschäftigten Beamten zum Ausdruck, der sich in dem Zitat spiegelt: "Der Dienst verlangt eine innere Härte..." Unfreiwillige Komik findet sich in den Berichten übrigens auch. Da beklagt ein Gestapo-Mitarbeiter, dass er bei der Verfolgung von Regimegegnern oftmals die Bahn benutzen müsse. Wenn er eine Fahrkarte löse, verliere er den zu Verfolgenden aus den Augen. Wenn er schwarz fahre, müsse er sich beim Schaffner ausweisen und verliere seine Tarnung...

Neben den Lageberichten verwahrt das Landesarchiv in Duisburg noch eine besondere Quelle zur Aufarbeitung der Nazi-Zeit: Die Gestapo-Personenakten der Leitstelle Düsseldorf. Die Akten wurden von 1933 bis 1944 über Oppositionelle, Kommunisten, Homosexuelle und "verdächtige Personen" geführt. Der Bestand umfasst 72.000 personenbezogene Akten aus Düsseldorf und den Außenstellen, darunter Duisburg. Aus diesem riesigen Bestand speist sich die sehenswerte Dokumentationsausstellung, die in den kommenden Monaten im Duisburger Landesarchiv besichtigt werden kann.

Quelle: RP
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