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Duisburg
Verführung zum Musiktheater
Duisburg: Verführung zum Musiktheater
Dr. Katja Pivit, Chirurgin, war zwar sehr angetan von der Oper und der Inszenierung, doch fehlte ihr die erwartete enthusiastische Reaktion der Kinder. Da sei kein kindliches Raunen, Aha und lautes Lachen zu hören gewesen. Vielleicht müsse man mit einer anderen Erwartungshaltung in die "Nachtigall" gehen. Sie selber habe das Bühnenbild, die Farben und Symbole genossen. "Ein Drei-D-Kino ist nichts dagegen", meinte sie. Die Musik rücke durch die opulente Optik fast in den Hintergrund. Wichtig sei, das Märchen vorab zu lesen.
Duisburg. Die Deutsche Oper am Rhein zeigt derzeit im Duisburger Theater die Oper "Die Nachtigall" von Igor Strawinsky nach dem Märchen von Hans Christian Andersen für Menschen ab sechs Jahren. Die Inszenierung von Svenja Tiedt ist einfach umwerfend. Von Ingo Hoddick

Schon der Beginn ist hoch poetisch. Wie aus dem Nichts schleicht sich die traumhaft fließende Musik ein, allmählich wächst ein üppiger Urwald aus dem Bühnenboden, bis der Fischer (Corby Welch) sein Lied von der Nachtigall singt, das am Ende jeder Szene wiederkehrt. Das hat bereits einen hohen Gänsehaut-Faktor. Auch der Rest der 50 Minuten kurzen Vorstellung zeigt, dass der Rheinoper mit der Oper "Die Nachtigall" in der Inszenierung von Svenja Tiedt ein Volltreffer gelungen ist, der das Zeug zum Repertoire-Renner hat.

Ein Spektakel

So muss man dieses Märchen von Hans Christian Andersen über die Macht der Musik auf die Bühne bringen. Es wird für alle Besucher ab sechs Jahren klar, wie die Menschen in diesem Stück die eigene Natur wieder in ihr Leben integrieren und die Welt dadurch bewohnbarer wird. Das Ganze ist ein umwerfendes, totales Spektakel mit dichter Atmosphäre, prächtigen Farben, heftig rotierenden Hubpodien und verblüffenden Verwandlungen. Es gibt eine Dschungel-Rutsche, eine künstliche Nachtigall mit Fernbedienung und lustige Geister.

Svenja Tiedt (Inszenierung), Tatjana Ivschina (Ausstattung) und Amelie Jalowy (Choreographie) sind die Namen, die man sich merken sollte. Nach "Robin Hood" von Frank Schwemer und "Der gestiefelte Kater" von Xavier Montsalvatge ist das nun schon die dritte Stufe der Familienopern-Rakete der Rheinoper, welche dieses schier unerschöpflich einfallsreiche, junge Team hier gezündet hat. Insbesondere der Regisseurin kann man nur eine große Zukunft voraussagen.

Zehn Gesangs-Solisten liefern liebevolle Rollenporträts, allen voran Iulia Elena Surdu als vogelgleiche Träller-Göre mit perfekten Koloraturen. Gut sind auch Elisabeth Selle als pfiffige Köchin und Stefan Heidemann als humaner Kaiser von China.

Philharmoniker in Bestform

Erlebt haben muss man auch das, was aus dem Orchestergraben tönt: Die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung des taiwanesischen Dirigenten Wen-Pin Chien bleiben sowohl den filigranen Verästelungen als aus den grellen Effekten der Partitur nichts schuldig.

In der gestrigen Vorstellung waren nicht so viele überschäumend begeisterte Kinder wie bei der Premiere am Freitag (die RP berichtete). Aber die Zufriedenheit war allgemein. Eine unwiderstehliche Verführung zum Musiktheater.

Quelle: RP
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