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Duisburg
Vertonte Menschenrechte im Chorgesang

Duisburg: Vertonte Menschenrechte im Chorgesang
Vom großen Zuspruch war der Chorleiter zunächst selbst überrascht. Bei den ersten Proben sind noch nicht die großen Freundschaften zustande gekommen, aber ein Anfang sei gemacht, findet Schullz. FOTO: reichwein
Duisburg. Axel Christian Schullz fing vor fünf Jahren damit an. Jetzt singen Einheimische und Flüchtlinge gemeinsam. Von Julia Zuew

Zwischen lauten, überzeugten Stimmen schwingen auch unsichere Töne. Um Perfektion geht es hier auch gar nicht: "Die Leute sollen Spaß haben und sich auch auf Unbekanntes einlassen", sagt Axel Christian Schullz, Musiker und Chorleiter. Unbekannt sind fast allen Teilnehmern auch die Lieder - der Komponist und Musikpädagoge vertont nämlich Menschenrechte. Und passend dazu ist seine Philosophie im Chor, den er ins Leben gerufen hat: Zu den Proben hatte er Einheimische und Flüchtlinge eingeladen. Im Laufe der Proben sollen diese aufeinander zugehen und sich kennenlernen. In der Gnadenkirche Neumühl fand jetzt die erste Probe statt - Schullz zeigt sich äußerst zufrieden: "Es sind deutlich mehr Menschen gekommen, als ich erwartet habe", sagt er.

Schullz fing vor zirka fünf Jahren damit an, Menschenrechte zu vertonen. Schon vorher habe er sich viel mit Gospelmusik befasst. Viele Kollegen würden Bibeltexte vertonen, sagt er. Er habe überlegt, ob es auch moderne Texte gebe, die von ähnlicher Wichtigkeit und Betonung sind - so sei er dann auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gestoßen. In Gesetzestexten würden zwar lyrische Sprache und Klang fehlen, dies habe er jedoch als Herausforderung angenommen und begonnen, die Paragrafen als Liedertexte zu arrangieren. So erstellte der Komponist ein gesamtes Buch mit Liedern, die er nun mit verschiedenen Chören singt.

Nach einem Lied mit englischem Text zum Einstieg kommt Schullz bei der Probe zu einem Lied in einer Sprache, die erstmal Verwirrung stiftet und für skeptische und verblüffte Gesichter sorgt: die afrikanische Sprache Zulu. Für die Anwesenden gibt's aber einen Schnellkurs in der Aussprache des Textes. Kurze Zeit später singen alle unisono die Zeilen "Wonke umuntu" mehrstimmig. Wie schreibt ein Deutscher jedoch einen afrikanischen Text, ohne die Sprache zu kennen? "Ich habe Übersetzungsprogramme mit Sprachfunktion genutzt", erklärt Schullz. Er habe einen Artikel aus dem Gesetz ausgesucht, der in viele Sprachen übersetzt ist. Ihm habe bei früheren Proben der Klang afrikanischer Texte gefallen - also las er die Übersetzungen in vielen afrikanischen Dialekten, bis beim Sprachfluss von Zulu der Funke übersprang.

Bei der Probe herrscht eine gelöste, vertraute Atmosphäre - obwohl die Teilnehmer sich untereinander kaum kennen. Schullz' Idee, dass Musik alle unter einen Hut bringen soll, scheint aufzugehen. Der Chorleiter hofft nun, dass auch möglichst viele der heutigen Gäste zu regelmäßigen Besuchern werden. "Es gab einige, die nächstes Mal auf jeden wiederkommen möchten", sagt er und wirkt begeistert. Ihm sei aber auch bewusst, dass "es auch manche geben wird, die nicht wiederkommen", er bleibt jedoch zuversichtlich: "Wir warten ab, was passiert und wie es sich entwickelt."

Das ungewöhnlichste für Schullz selbst bei der Probe war, bei den deutschen Texten Sprachübungen zu machen: "Es war zuerst ungewohnt, in Deutschland die deutsche Aussprache zu erklären." Für die meisten Flüchtlinge seien die Lieder die ersten deutschen Worte, die sie auswendig lernen. Schullz selbst sieht es als interessante und positive Entwicklung, wenn der erste deutsche Satz "Jeder hat ein Recht auf Freiheit" ist.

Bei der ersten Proben seien nicht die ersten großen Freundschaften zwischen Flüchtlingen und Neumühlern geknüpft worden, berichtet Schullz, aber ein Anfang sei getan. "Wenn die Leute sich dann wiedersehen, dann kommen sie ins Gespräch." Es sei ein laufender Prozess, der sich Schritt für Schritt entwickeln würde.

Quelle: RP
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