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Duisburg
Verwirrung im Reich der Tiere

Duisburg: Verwirrung im Reich der Tiere
FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Duisburg. In der Nacht auf Sonntag bekommen wir eine Stunde Schlaf geschenkt. Manchen Menschen macht die Zeitumstellung wenig aus, andere müssen sich erst daran gewöhnen. Genauso ist es bei den Tieren. Einige reagieren äußerst sensibel. Von Franziska Hein und Julia Zuew

Es ist nur ein Zeiger, den wir ein Stück nach hinten schieben. Doch in unserem Körper und Tagesablauf tut sich Einiges: Der Schlafrhythmus kommt durcheinander, und auch das Zeitgefühl fängt sich erst nach paar Tagen wieder. Tiere unterscheiden sich in dieser Hinsicht vom Menschen wenig, sagt Volker Grün, Biologe beim Zoo Duisburg.

"Tiere haben, ebenso wie Menschen, eine ,innere Uhr'", so Grün. Diese werde von vielen unterschiedlichen Faktoren geprägt und gesteuert. Es beginnt mit dem Sonnenaufgang und -untergang, Mahlzeiten, dem Nachbarn, der morgens immer zur gleichen Zeit lautstark das Haus verlässt. Bei den Tieren seien es meistens die Fütterungen, die Besucher, die zu bestimmten Uhrzeiten vermehrt auftauchen, das Tageslicht.

Sowohl Wirbeltiere als auch Wirbellose besitzen Fotorezeptoren, die sich im Auge befinden. Bei Wirbeltieren (auch Menschen) liegen diese in der Netzhaut und werden als fotosensitive Ganglienzellen bezeichnet. Die Funktion dieser Zellen ist die Wahrnehmung des Lichts in der Umgebung. Dank dieser Ausstattung folgen Tiere und Menschen einem Rhythmus, der am Tageslicht orientiert ist - auch zirkadianer Rhythmus genannt.

Beim Menschen machen sich die Probleme mit der "inneren Uhr" meist in Schlafstörungen bemerkbar oder in falscher Einschätzung der Tageszeiten. Doch wie ist des bei den Tieren? "Die werden meist unruhig, wenn der Pfleger noch nicht zur gewohnten Zeit da ist", sagt Grün. Nach wenigen Tagen lege sich dies aber - wie bei den Menschen auch.

Ein Beispiel für die Verwirrung durch die umgestellte Zeit sind die Brillenbären im Duisburger Zoo: Meist warteten die Tiere schon ungeduldig auf ihr Mittagessen, während noch kein Pfleger in Sicht sei, erzählt Grün. Auch die Kamele würden schnell unruhig, wenn sie nach der Zeitumstellung nicht zur gewohnten Zeit aus dem Stall dürften. Grün: "Nach dem Schlaf möchten sie sich schließlich die Beine vertreten." Wenn es dann nicht zeitig raus in die Außenanlagen gehe, könnten die Tiere unruhig werden. Die Langschläfer im Tierreich - dazu gehören beispielsweise Lemuren - ließe die Umstellung von der Sommerzeit auf die Winterzeit kalt: "Die gucken aber recht verblüfft, wenn nach der Umstellung auf die Sommerzeit der Pfleger schon im Gehege steht, obwohl für die Lemuren noch Schlafenszeit ist."

Auch Tiere in der Landwirtschaft können mal verdutzt gucken, wenn zur gewohnten Zeit nicht gemolken oder gefüttert wird. Jedoch: "In kleineren, familiären Gruppen sind die Auswirkungen der Umstellung wahrscheinlich mehr ausgeprägt als in einem großen Stall", sagt Lothar Möbius, der auf seinem Geflügel-Hof in Rumeln Puten und Gänse hat. Seine Vögel hätten freistehendes Futter zur Verfügung kämen zu unterschiedlichen Uhrzeiten aus dem Stall - somit entwickele sich bei den Tieren kein ausgeprägter Rhythmus.

Trotzdem seien auch hier manchmal die Hälse lang, wenn die Uhren anders stehen, weiß Landwirt Möbius zu berichten. In kleinen Grüppchen wirkten zum Beispiel Puten oder Gänse spürbar irritiert, wenn man morgens später dran sei als sonst. "Tiere empfinden es wohl ähnlich wie wir selbst, als wir zum Beispiel Kinder waren und die Zeitumstellung noch nicht verstanden hatten", sagt Möbius. So weit liegen Tier und Mensch dann doch nicht auseinander - ganz gleich, ob man ein früher Vogel oder eher Siebenschläfer ist.

Quelle: RP
 
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