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Duisburg
Video-Beobachtung vor Weihnachten

Duisburg: Video-Beobachtung vor Weihnachten
Die Polizei hat bei der Videoüberwachung problematische Stellen permanent im Blick. Dieses Bild zeigt die Überwachung der Düsseldorfer Altstadt, wo es dieses Verfahren schon länger gibt. FOTO: Andreas Endermann
Duisburg. Unter anderem auf der Kaiser-Wilhelm-Straße in Marxloh wird die Polizei in Kürze live beobachten können, wenn es dort zu Straftaten kommt. Die Kameras sollen noch vor Weihnachten in Betrieb genommen werden. Von Hildegard Chudobba

Die Kabel sind zum Teil schon verlegt, die Kameras liegen bereit und die Monitore, auf denen die Polizei in der Wache in Hamborn sehen kann, was sich an bestimmten Stellen in Marxloh abspielt, ebenso. "Wir hoffen, dass wir noch vor Weihnachten die Anlagen in Betrieb nehmen können", sagt Dr. Elke Bartels, Duisburgs Polizeipräsidentin.

Die Beobachtungsanlage ist die erste dieser Art im Stadtgebiet und Folge der vielen polizeilichen Einsätze, die in dem Stadtteil gefahren werden. Sie soll dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl bei den Marxlohern zu erhöhen. Das Pollmannkreuz ist dabei aus strategischen Gründen besonders gut geeignet, weil hier ständig reger Publikums- und Autoverkehr herrscht.

Der Polizei verlangt das System allerdings einiges ab. Denn die Bildschirme auf der Wache in Hamborn müssen theoretisch ständig beobachtet werden, um im Notfall sofort eingreifen zu können. Eine "Überwachungsanlage" ist das System allerdings nicht. Denn dazu müssten die Aufnahmen gespeichert werden. Das aber lässt der Datenschutz nicht zu.

Gerade erst ist Dr. Bartels von der BKA-Herbsttagung zurück, auf der sie auf Einladung einen Vortrag hielt zur Kriminalitätsentwicklung und -bekämpfung in Duisburg. In aller Offenheit schilderte sie dort, was es bedeutet, als Polizist im Duisburger Norden zu arbeiten. Sie sprach von "Gemengelagen, die nur noch mit beharrlicher polizeilicher Intervention zu beherrschen sind". Sie ging auf das einstige "Problemhaus" in Bergheim ein und schilderte, wie sich nach dessen Räumung der Brennpunkt in den Duisburger Norden verlagerte. "Sowohl aus der Gruppe der alteingesessenen Migranten als auch der Südosteuropäer versuchen immer wieder größre Personengruppen andere Anwohner durch massive Präsenz auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen mit einhergehenden Ordnungsstörungen und sogar Straftaten einzuschüchtern und die Straße für sich zu reklamieren", so Bartels, zu deren Zuhörern Polizeibeamte aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland gehörten.

"Es gibt Hinweise darauf, dass Anwohner und Geschäftsinhaber aus Angst vor Repression Straftaten durch Mitglieder dieser Gruppen nicht anzeigen." Schreite die Polizei ein, so begegneten ihr hohe Aggressivität und Respektlosigkeit. Der Einsatz zusätzlicher Polizeikräfte (seit Mitte 2015), die das Land NRW zur Verfügung gestellt hat, und etliche präventive Handlungskonzepte zeigten bereits positive Wirkung.

Dies machte sie an einigen Zahlen deutlich: 2015 seien im Duisburger Norden knapp 3000 Strafanzeigen, 13.700 Ordnungswidrigkeitsanzeigen und Verwarngelder sowie mehr als 21.000 Personenüberprüfungen registriert worden. Im laufenden Jahr sind es bislang rund 2700 Strafanzeigen und 10.700 Ordnungswidrigkeitsanzeigen und Warngelder. "Unsere Maßnahmen haben offensichtlich zu einer Unterdrückung der street corner society sowie von Rockern und rockerähnlichen Strukturen geführt, so dass sich eine deutliche Beruhigung des Straßenbildes abzeichnet."

Positiv bewertete sie die Projekte, die auf Jugendliche und Kinder zugeschnitten sind, die entweder schon kriminell geworden sind oder Gefahr laufen, abzugleiten. Von den mehr als 17.000 gemeldeten rumänischen und bulgarischen Zuwanderern in unserer Stadt würde diese Gruppe vermehrt straffällig, "und zwar zu 85 Prozent im Bereich der Eigentumsdelikte" - Stichwort Klaukids.

Mit Programmen, die die jungen Menschen mit deutscher Sprache und Kultur vertraut machen, sie zum Schulbesuch animieren, ihnen Orientierung geben und Angebote für die Freizeit unterbreiten, werde wichtige präventive Arbeit geleistet, ist Bartels überzeugt. Vor Beginn des Projektes "Klarkommen" habe die Zahl der straffällig gewordenen Kinder und Jugendlichen bei 411 gelegen, nun seien es "nur" noch 186. 40 Teilnehmer seien nach Aufnahme ins Projekt gänzlich straffrei geblieben.

Den Satz zu Beginn ihrer Rede, hätte Elke Bartels auch ans Ende setzen können. Er lautete: "Polizeipräsidentin in Duisburg zu sein, ist eine befriedigende und interessante Aufgabe, aber auch eine echte Herausforderung."

Quelle: RP
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