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Duisburg
Viel Kreativität in reizarmer Umgebung

Duisburg: Viel Kreativität in reizarmer Umgebung
Der Therapieraum ist so reizarm wie möglich eingerichtet, da Autisten häufig unter der Reizüberflutung unseres Alltags leiden. Im Bild beschäftigt sich Therapeutin Claudia Bellok mit einem jungen Klienten. FOTO: Andreas probst
Duisburg. Die Lebenshilfe startet ein Autismus-Therapie-Projekt an ihrem "Stützpunkt" in Wanheimerort. Von Volker Poley

Mit dem Weltautismustag im April hatte die Duisburger Lebenshilfe einen geradezu perfekten Termin ausgesucht, um an ihrem Wanheimerorter "Stützpunkt" über ihr neues Projekt zu informieren. Ab sofort unterstützen und begleiten die Mitarbeiter des dort neu eingerichteten Autismus-Therapie-Zentrums Kinder- und Jugendliche, bei denen diese schwerwiegende Entwicklungsstörung diagnostiziert wurde.

Lebenshilfe-Geschäftsführer Michael Reichelt erläuterte, dass zum Start des neuen Projektes drei pädagogisch und therapeutisch ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen. Bei entsprechendem Bedarf könne nicht nur personell aufgestockt werden, vorstellbar sei auch, dass dieses Therapieangebot auch am Hamborner Standort der Lebenshilfe angeboten werden könne, so Reichelt.

Autismus gilt als eine tiefgreifende Entwicklungsstörung (Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung), die angeboren ist und als unheilbar gilt. Michael Reichelt sagte, dass nach Schätzungen der Vereinten Nationen ein Prozent der Weltbevölkerung von dieser vermutlich durch genetische Faktoren verursachten Störung betroffen ist. Claudia Bellok, eine der künftig aktiven Therapeutinnen, erläuterte, dass man bei Autismus nach drei Ausprägungen unterscheidet, und zwar nach "Frühkindlichem Autismus", "Atypischen Autismus", der sich erst nach dem dritten Lebensjahr zeigt, sowie dem "Asperger- Autismus". Allen Formen ist gemein, dass die Betroffenen unter anderem große Schwierigkeiten in sozialen Situationen und in der Kommunikation, Wahrnehmungsprobleme und große Probleme bei Veränderungen in ihrem Umfeld haben.

Die Autismus-Expertin erläuterte, dass man nicht früh genug mit der Therapie beginnen könne. Einen großen Raum nimmt dabei das Umfeld des von der Wahrnehmungsstörung Betroffenen ein.

Wichtig sei die Einbeziehung der Familie, des Kindergartens, der Schule sowie bei Älteren auch das Arbeitsumfeld. Für die Arbeit mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen steht ein eigener Therapieraum zur Verfügung, der auf den ersten Blick spartanisch und karg ausgestattet wirkt. Das ist aber durchaus beabsichtigt, wie Claudia Bellok erklärte: "Autisten kommen mit der oftmals vorhandenen Reizüberflutung überhaupt nicht klar, das kann sie sogar aggressiv machen."

Michael Reichelt betonte, dass das Ziel der auf zwei Jahre angelegten Therapie sei, die Verhaltensauffälligkeiten beherrschbar zu machen und das Umfeld, dazu gehören auch Schule und Arbeitgeber, zu befähigen, damit umzugehen. Lebenshilfe-Mitarbeiterin Janine Breé, die ebenfalls entsprechend ausgebildet wurde, freut sich auf die neue Aufgabe, denn "kein Fall ist wie der andere, man braucht sehr viel Kreativität und maßgeschneiderte individuelle Lösungen".

Michael Reichelt hofft, dass viele Betroffene Kontakt zur Lebenshilfe aufnehmen: "Wir besprechen gemeinsam die Vorgehensweise, klären die Kostenübernahme und veranlassen, dass ein externer Facharzt eine Diagnose erstellt. Danach kann dann die Therapie bei uns beginnen."

Quelle: RP
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