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Gedenken an Loveparade-Opfer in Duisburg
Viele offene Fragen, wenig Antworten

Fotos: Gedenkfeier zum fünften Jahrestag der Katastrophe
Fotos: Gedenkfeier zum fünften Jahrestag der Katastrophe FOTO: dpa, mku kno
Duisburg. Gestern Abend kamen Angehörige der Loveparade-Opfer und andere zum 5. Jahrestag der Katastrophe zur Gedenkstätte an die Karl-Lehr-Straße. Von Peter Klucken

Oberbürgermeister Sören Link hat gewiss sorgfältig an seiner Rede zum fünften Jahrestag der Loveparade Duisburg gearbeitet. Und doch fiel es ihm gestern nicht leicht, die aufgeschriebenen Worte vor den Angehörigen der Opfer zu sagen. Unmittelbar vor der öffentlichen Gedenkveranstaltung war Link zusammen mit den Angehörigen unter Aussschluss der Öffentlichkeit im Tunnel gewesen, am Ort der Katastrophe vor fünf Jahren.

Seine Worte wirkten in den Ohren dieser Angehörigen gewiss eindrucksvoll: "Fünf Jahre sind vergangen, das Trauma Loveparade blieb." Link sprach auch das an, was viele, die zur Gedenkveranstaltung gekommen waren, bewegt: "Es ist den Angehörigen der Opfer kaum noch zu erklären, dass es nach fünf Jahren immer noch so viele offene Fragen und so wenig Antworten, so wenig Gewissheit gibt." Und Link fuhr fort: "Ich kann sicher nur in Ansätzen ermessen, wie riesig die Belastung derer ist, die sich verzweifelt Aufklärung über die Geschehnisse bei der Loveparade wünschen. Viele Menschen warten auf eine juristische Klärung, als einen wichtigen Schritt zur Aufarbeitung der Tragödie. Nicht zuletzt auch deshalb, um diesen unvorstellbar schmerzhaften und belastenden Teil ihrer Geschichte verarbeiten zu können." Etwas resigniert fügte Link hinzu: "Mit ihnen allen wünsche ich mir, dass es bald dazu kommt."

Link nahm den Gedenktag zum Anlass, nachträglich den Notfallseelsorgern für deren intensive Betreuung der Angehörigen der Opfer und der Verletzten zu danken. Nicht zuletzt dankte er Pfarrer Jürgen Widera, der seit zwei Jahren als Ombudsmann Ansprechpartner der Angehörigen und Betroffenen ist. Für ihr Kommen dankte er namentlich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Alt-Oberbürgermeister Josef Krings.

Widera führte moderierend durch die Gedenkstunde, die er unter das Motto "Glaube, Liebe, Hoffnung" stellte. Dabei betraten auch Angehörige und Unfall-Opfer des Loveparade-Unglücks die Bühne. Eine junge Frau, die bei der Loveparade verletzt und traumatisiert wurde, äußerte tief bewegt die Hoffnung, dass sie bald von ihren Albträumen befreit werde.

Die Gedenkstunde war nicht nur eine Zeit der Reden, sondern auch der Musik, der Gesten und der Gefühle. Das Trionova sang ruhige Songs, darunter einen "Lovesong". Für einen sehr emotionalen Moment sorgte das Junge Ensemble Ruhr. Während eines gefühlvollen Songs trat der Gitarrist ans Mikrofon und nannte die Vornamen aller 21 Todesopfer. Offenbar auswendig. Vielen Angehörigen kamen da die Tränen.

Bereits vor Beginn der Gedenkveranstaltung hatte die Duisburger Künstlerin Mila Langbehn zusammen mit vielen Helferinnen und Helfern ein großes Mandala aus Blüten ausgelegt. Die Bedeutung wurde so erklärt: Die Blüte, die in vielen Kulturen ein Symbol für Vollkommenheit und Schönheit ist, drücke in der Form eines Mandalas eine umfassende Harmonie und tiefen Frieden aus, wobei sie zugleich auch an Vergänglichkeit und die Bedeutung der Achtsamkeit erinnere.

Als Zeichen der Hoffnung werteten sowohl Oberbürgermeister Sören Link als auch Pfarrer Jürgen Widera die Gründung einer neuen Stiftung. Diese Stiftung mit dem Namen "Stiftung 24.7.2010" soll Menschen, die nach der Loveparade Hilfe benötigen, beistehen und zudem die künftigen Gedenktage in Duisburg organisieren und für die Pflege der Loveparade-Gedenkstätte sorgen. Die Stiftung übernimmt die Aufgaben der Betroffenen-Initiative LoPa 2010, die deshalb aufgelöst wird. Die neue Stiftung werde keine Geldleistungen verteilen, sondern dafür sorgen, das Therapien oder der Besuch von Selbsthilfegruppen sichergestellt werden können, sagte Pfarrer Jürgen Widera in seiner Funktion des Ombudsmanns der Stadt Duisburg für die Betroffenen. Bei der Stiftung handelt es sich um eine so genannte "Verbrauchsstiftung". Dabei werden nicht die Zinserträge einer großen Summe zur Verfügung gestellt; vielmehr stellt die Stadt Duisburg bis 2025 jährlich einen Beitrag von 50 000 Euro zur Verfügung. Es gebe viele Betroffene, Angehörige und Verletzte, "die noch lange Hilfe nötig haben werden, weil sie auch nach fünf Jahren nicht wieder zurück ins normale Leben gefunden" haben, sagte Widera.

Dem Stiftungskuratorium gehören unter anderen Peter Gasse (HKM-Arbeitsdirektor), Jutta Stolle als Vertreterin des Unternehmens Haniel und der ehemalige Duisburger Bundestagsabgeordnete Johannes Pflug an.

Quelle: RP
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