| 00.00 Uhr

Duisburg
Vier Kreuzchen für Duisburgs Zukunft

Duisburg: Vier Kreuzchen für Duisburgs Zukunft
Ein Schandfleck: Das brachliegende Güterbahnhofsgelände ist den Duisburgern ein Dorn im Auge. Sorgt das DOC für Abhilfe? FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Die großen Probleme der Stadt werden mit darüber entscheiden, wer Oberbürgermeister wird und wer für Duisburg in den Bundestag einzieht. Der Bürgerentscheid hingegen ist eher Ansichtssache. Von Hildegard Chudobba

Für viele Bürger wird bereits heute feststehen, wo sie in gut fünf Wochen auf den Wahlzetteln ihre Kreuzchen machen werden und ob sie für oder gegen ein DOC am Güterbahnhofsgelände sind. Die Mehrheit allerdings ist erfahrungsgemäß noch unentschlossen.

Müll und Kriminalität haben Hochfeld und Marxloh über die Stadtgrenzen hinaus in einen schlechten Ruf gebracht. FOTO: Christoph Reichwein

Bei allen drei Wahlen am 24. September beeinflussen mal mehr, mal weniger lokale Probleme die Entscheidung. Und abgesehen von dem Bürgerentscheid sind die Lösungskompetenzen oft sowohl bei der Stadt wie auch auf Ebene des Bundes/Landes angesiedelt. So zum Beispiel bei Duisburgs kaputten Brücken:

Der Bundesverkehrsminister hat den Neubau der A40-Autobahnbrücke in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen und ihm hohe Dringlichkeit eingeräumt. Aber auch der sechsspurige Ausbau der A59 in Richtung Norden steht auf dieser Liste. Die Bundestagabgeordneten können über ihre Fraktionen in Berlin Druck machen, dass aus den Vorhaben auch Realität wird - je näher sie dem jeweiligen Bundesverkehrminister stehen, desto besser.

Rund 27.000 Duisburger leben von Hartz IV. Das wirkt sich prägend auf die Sozialstruktur der Stadt aus. FOTO: Reichwein

Beim Karl-Lehr-Brückenzug, der den Autofahrern auf dem Weg zwischen Ruhrort und der Innenstadt so viele Probleme bereitet, ist vor allem die Stadt am Zuge. Auch wenn sie die Bauarbeiten nicht alleine finanzieren muss, so managt sie die leider noch schleppende Ausführung. Bei der ständig verstopften großen Kreuzung am Marientor und der maroden Rampe zur A40 zum Beispiel muss gleichfalls gehandelt werden, aber hier liegen die Bauarbeiten noch in weiter Ferne, während auf der Überquerung zwischen Ruhrort und Kaßlerfeld in den nächsten Jahren ein vorzeigbares Ergebnis vorliegen soll. Verkehrsprobleme gibt es in ähnlicher Form auch an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet. Die OB-Kandidaten darauf anzusprechen, ist sicherlich kein Fehler.

Duisburgs größtes Problem ist und bleibt die hohe Arbeitslosigkeit einhergehend mit schwierigen Sozialstrukturen. Weder die Bundestagskandidaten aus unserer Stadt, noch die OB-Bewerber haben dagegen ein brauchbares Patentrezept und verweisen auf die vielen Anstrengungen, die hier notwendig sind. Ein Oberbürgermeister kann dabei eine Menge bewirken: durch Kontaktpflege in die Wirtschaft, durch gutes netzwerken und mittels der Fähigkeit, Duisburg bei möglichen Investoren so schmackhaft zu machen, dass sie nicht widerstehen können.

Mehr als alles andere treibt die Duisburger aber die Sicherheitslage in unserer Stadt um. Wer Angst hat, spät abends durch Hochfeld zu fahren, weil er überfallen werden könnte, oder wer Marxloh für eine "No Go-Area" hält, der wird sicherlich den Politikern - und das sind ja letztlich auch die OB-Bewerber - wenig glauben schenken, die diese Sorgen kleinreden oder auch auf Maßnahmen verweisen, mit denen bereits viel Positives bewirkt worden sei.

Den drei Kreuzchen (zwei bei der Bundestagswahl, eines für den OB-Kandidaten) soll am 24. September noch ein weiteres folgen. Die Initiative gegen den Bau des Outletcenters am Hauptbahnhof hofft mit Bürgerwillen dieses Projekt verhindern zu können. Die Investoren werben damit, dass sich auf dem Güterbahnhofsgelände endlich etwas tut und viele neue Arbeitsplätze entstehen. Die Gegner argumentieren, dass es sich dabei vorwiegend um schlecht bezahlte Teilzeitjobs handeln werde und auf der anderen Seite wegen der drohenden Verödung der Innenstadt und der angrenzenden Stadtteilzentren Vollzeitjobs verloren gehen würden. Die Investoren sind überzeugt, dass die DOC-Kunden in Scharen den gut zwei Kilometer langen Weg in die Innenstadt über einen attraktiven "Boulevard" Mercatorstraße zurücklegen werden. Die Gegner halten dagegen, dass die Distanz zu groß ist und dass der, der im DOC sein Geld ausgibt, es nicht auch noch in der City tut. Sie verweisen auf den Masterplan, in dem dort Büro- und Wohnhäuser vorgesehen waren und zeigen in Richtung Düsseldorf, wo entlang der Bahnstrecke auf einem Brachgrundstück genau dieses realisiert wurde. Die DOC-Investoren hingegen behaupten, dass es dafür keine Interessenten gebe und Wohnungen an der Bahnlinie aus Lärmschutzgründen nicht realisierbar seien.

Übrigens: Weil das Grundstück in Privatbesitz ist, können Stadtspitze und Ratspolitik nicht bestimmen, was dort gebaut wird. Sie können aber alles daran setzen, Projekte zu verhindern, die Duisburg schaden.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Duisburg: Vier Kreuzchen für Duisburgs Zukunft


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.