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Duisburg
Volker Kutscher und sein neuester Edel-Krimi

Duisburg: Volker Kutscher und sein neuester Edel-Krimi
Volker Kutscher. FOTO: busch (archiv)
Duisburg. Der Kölner Schriftsteller Volker Kutscher, Jahrgang 1962, landete 2002 mit seinem ersten Edel-Krimi "Der nasse Fisch" überraschend einen Bestseller. Inzwischen sind sechs Romane dieser Reihe erschienen, in denen es um den nicht ganz freiwillig von Köln nach Berlin versetzten Polizeikommissar Gereon Rath geht, vor allem aber um die allgemeine Entwicklung um 1930 von der demokratischen Weimarer Republik zur nationalsozialistischen Diktatur. Aus der Reihe wurde auch die internationale Fernsehserie "Babylon Berlin". Von Ingo Hoddick

Jetzt las Kutscher in der gut gefüllten Zentralbibliothek für den Verein für Literatur Duisburg aus seinem jüngsten, sechsten Rath-Roman "Lunapark". Er spielt in Berlin, Ende Mai 1934. Die unberechenbare SA macht vielen Bürgen Angst. An der Liesenstraße, unter einer unvollständigen kommunistischen Parole, liegt ein SA-Mann, der scheinbar erschlagen wurde, tatsächlich aber an einem Glasauge erstickt ist. Eine Spur führt in den seit Kurzem geschlossenen Lunapark. Der Kommissar wird in einen Strudel sich überschlagender Ereignisse gezogen. Der Autor schockierte das Duisburger Publikum gleich mit dem ersten seiner drei hier gelesenen kurzen Kapitel. Es war der Prolog, in dem ein SA-Rottenführer dem Chauffeur eines jüdischen Industriellen das Auge aus der Höhle saugt und abbeißt.

Das blieb aber die Ausnahme, denn Volker Kutscher setzt kaum auf drastische Effekte, vielmehr auf subtile Schilderung von Milieus und Charakteren, auf gründlichste Recherche und einleuchtende Szenen. Mit modernen Worten lässt er die damalige Zeit verständlich und lebendig werden, in diesem Fall die besondere historische Situation, in der vielen Menschen noch nicht klar sein konnte, wohin die Reise mit den Nazis ging, selbst manche Juden machten sich zu diesem Zeitpunkt darüber noch Illusionen. Kutscher verriet auch hier natürlich nicht den Mörder - wohl aber, dass er seine Roman-Reihe noch bis zur Pogrom-Nacht am 9. November 1938 fortsetzen will. Gereon Rath sei dann nicht mehr bei der immer politischer werdenden Polizei.

Als nächstes liest Deutschlands Frankreich-Versteher Nr. 1, Ulrich Wickert, am 25. Januar, um 20 Uhr, aus seinem neuesten Buch "Frankreich muss man lieben, um es zu verstehen". Der Eintritt kostet zehn Euro, im Vorverkauf neun Euro. Für Mitglieder des Vereins für Literatur ist der Eintritt frei.

Quelle: RP
 
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