| 00.00 Uhr

Eine Aktion Der Volksbank Niederrhein Und Der Rheinischen Post Zuhause Unterwegs
Vom Kieswerk zum Freizeitparadies

Duisburg. Der Toeppersee zwischen Rheinhausen-Bergheim und Rumeln-Kaldenhausen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die grüne Oase im Duisburger Westen ist auch ein Spiegelbild des Strukturwandels in der Region. Von Mike Michel

Rumeln-Kaldenhausen Wenn Ferdi Seidelt vom Toeppersee spricht, gerät er schnell ins Schwärmen: "Ich kenne noch die Zeiten der Kiesgrube. Später sind wir hier im Freibad geschwommen, hier haben wir uns mit Mädchen getroffen oder hatten Spaß im Biergarten", sagt der 61-Jährige. Das Rumelner Urgestein, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Rheinhausen, ist auch heute noch oft am Toeppersee unterwegs. "Das hier ist einfach eine Welt für sich, ein eigener Kosmos", meint er.

Die Anfänge des heutigen Freizeitparadieses gehen bis ins Jahr 1898 zurück. Damals begannen die Auskiesungsarbeiten, die das Unternehmen von Emil Toepper, nachdem der spätere See benannt wurde, seit 1905 vorantrieb. In großem Stil wurden hier Kiesproduktion betrieben. Nach dem Krieg bis Anfang der 1960-er Jahre wurden die entstandenen Löcher der Ausgrabungen zum Teil mit Abraum der benachbarten Zeche Diergardt-Mevissen verfüllt. Der Umbau vom Kieswerk zum Freizeitparadies begann etwa Mitte der 1960-er Jahre. Die Ausgrabungen wurden eingestellt, und die zuvor vereinbarte Renaturierung des Geländes in Angriff genommen.

Der Boom im Bäderbau der 60er und 70er Jahre schlug sich auch am Toeppersee nieder. Das großzügig angelegte Freibad mit Sprungturm und Wellenbecken lockte im Sommer Tausende Wasserratten an. Die Eingemeindung der einst eigenständigen Stadt Rheinhausen zu Duisburg 1975 sorgte später dafür, dass zu wenig Geld für die Unterhaltung des beliebten Freibades vorhanden war: Es verkam zusehends. Trotz eines Bürgerentscheides im Jahr 2008 wurde es geschlossen. Das an gleicher Stelle gebaute neue Hallenbad ersetzte gleich zwei alte Hallenbäder in Rheinhausen und Rumeln und ist eher von bescheidener Schlichtheit. Gerade ist es wieder mal geschlossen: Die chronisch finanzklamme Stadt Duisburg braucht das Personal für das Freibad und macht dafür einfach das Hallenbad an der Bergheimer Straße dicht. Auf dem Gelände des ehemaligen Freibades ist nun die "Beach Arena", die die Volleyball-Abteilung des Rumelner TV betreibt. Neben Beachvolleyball-Aktivitäten wird dort im Sommer auch Beach-Handball gespielt.

Der Toeppersee ist heute zweigeteilt. Der "kleine" See wird durch die Bergheimer Straße vom großen See, der auch "Tegge" genannt wird, getrennt. Die Bergheimer Straße ist Radlern und Fußgängern vorbehalten und erlaubt zwischen dem Grün gelegentlich einen Blick auf Segler, Ruderer oder auch Tretbootkapitäne auf der Tegge und Wasserskifahrer beziehungsweise Wakeboarder auf der anderen Seeseite.

Der Toeppersee hat heute eine Gesamtfläche von 0,54 Quadratkilometern - das entspricht mehr als 75 Fußballfeldern - und ist an seiner tiefsten Stelle über zehn Meter tief. Viel Grün mit altem Baumbestand, aber auch neu geschaffenen Grünzügen wie dem Rumelner "Jubiläumswald" 1998 anlässlich des 1100-jährigen Bestehens von Rumeln angepflanzt, sorgen für eine grüne Lunge im Duisburger Westen. Dies wissen auch Spaziergänger und Jogger zu schätzen, die auf einer rund 5,5 Kilometer ausgeschilderten langen Rundstrecke um den kompletten See laufen können. Wichtigste Anlaufstelle ist aber für viele die Wasserski- und Freizeitanlage am Westufer des kleinen Toeppersees. Manfred König, Chef des kleinen Imperiums, hat dort eine Menge zu bieten. Neben der in der warmen Jahreszeit meist gut frequentierten Wasserski-Anlage, an der auch regelmäßig Workshops und Camps für Anfänger wie Fortgeschrittene stattfinden, gibt es auch Minigolf, Trampolins, ein Gokart-Verleih, Pit-Pat, Beachvolleyball und einen großen Biergarten. Regelmäßig finden Events statt: Zurzeit gibt es eine 16 Quadratmeter große Leinwand für das Public Viewing im Rahmen der Fußball-EM, einmal im Jahr gibt's Drachenbootrennen, ein Treffen von alten Käfern und im Herbst eine große Oktoberfest-Gaudi im Zelt. Die Wasserski- und Freizeitanlage zieht gerade an Wochenenden Naturfreunde und Sportler aus der gesamten Region an, gerade auch aus den Nachbarstädten Moers und Krefeld sowie vom gesamten Niederrhein.

Die Betriebsamkeit hatte in der Vergangenheit für Stress gesorgt, weil zu viele freilaufende Hunde in Ufernähe einiges durcheinander brachten. Doch auch dafür fand sich eine Lösung: Gerhard Krebs und Manfred Bruckschen von den Rumelner Hundefreunden sammelten Unterschriften und insistierten bei der Stadt so lange, bis sie ein eigenes Areal mit einer großen Hunde-Freilaufwiese zugesprochen bekamen.

Am großen See tummeln sich die Aktiven eines Segelvereins, Angler und Brettsegler sowie viele Kinder, die an dem großen Spielplatz am Ostufer ihren Spaß haben. Das Restaurant "Schroeder's Tafelfreuden" hat eine Außenterrasse mit einem herrlichen Weitblick über das Wasser und ist unter anderem wegen seiner spanischen Tapas bekannt.

Der Toeppersee spiegelt die Zeitgeschichte der Region wider: Von großgewerblicher Kiesproduktion über ausladendem städtischem Bäderbau bis hin zu moderner Freizeitinfrastruktur in grüner Umgebung reicht die Palette.

Und wenn der bekennende Hardrock-Fan Ferdi Seidelt im August wieder von seiner anstrengenden Tour zum Festival in Wacken nach Rheinhausen zurückkehrt, kann er sich wieder am Toeppersee erholen. Eine eigene Welt eben.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Eine Aktion Der Volksbank Niederrhein Und Der Rheinischen Post Zuhause Unterwegs: Vom Kieswerk zum Freizeitparadies


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.