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Rp-Serie 60 Jahre Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik
Vom Schwerverletzten zum Mutmacher

Rp-Serie 60 Jahre Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik: Vom Schwerverletzten zum Mutmacher
Trotz schwerster Verletzungen fand Bernd Drensler wieder ins Leben zurück. Am Uhrband trägt er seinen Autoschlüssel. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Durch einen furchtbaren Arbeitsunfall verlor Bernd Drensler 1982 beide Arme und ein Bein. Heute hilft er in der Unfallklinik als Betreuer und Leiter einer "Peer"-Gruppe Amputierten und Schwerstverletzten bei ihrer Rückkehr ins normale Leben. Von Peter Klucken

Mit einem Schmunzeln quittiert Bernd Drensler den spontanen Ausruf des Fotografen: "Sie sehen ja aus wie ein Filmschauspieler!" Drensler hat wohl schon öfter zu hören bekommen, dass er eine gewisse Ähnlichkeit mit Kirk Douglas hat. Was ihn natürlich nicht stört. Freundlich gibt er seinem Gesprächspartner die Hand. Die ist aus Kunststoff, der sich aber angenehm anfühlt. Auch die linke Hand ist aus Kunststoff. Und auch das rechte Bein ist durch eine Prothese ersetzt.

Vor 35 Jahren hatte Bernd Drensler jenen furchtbaren Arbeitsunfall, der ihn zu einem mehrfach Amputationsverletzten machte. Damals, er war 32 Jahre alt, arbeitete er als Maschinist bei Gleisarbeiten am Mörsenbroicher Ei. Das Unglück geschah, als er und zwei Kollegen ein Stahlseil anfassten, das mit einer Hochspannungsleitung in Berührung kam, die eigentlich keinen Strom hätte führen dürfen, es aber tat. 15.000 Volt jagten damals durch Drenslers Körper. Einer seiner Kollegen starb, der andere, der damals unmittelbar vor seiner Pensionierung stand, überlebte. Ihm wurde "nur ein Bein" amputiert.

Ein Jahr lang lag Drensler in der Buchholzer Unfallklinik. Sein Leben stand auf Messersschneide. Ihm wurden nicht nur der rechte Unterarm, der linke Arm ab Oberarm und das rechte Bein ab Oberschenkel amputiert - auch die inneren Organe waren durch den gewaltigen Stromschlag geschädigt worden. Nicht zuletzt waren mehrere Hauttransplantationen nötig.

Wer Drenslers Geschichte hört, kann kaum glauben, dass ein Mensch mit so schweren Verletzungen wieder ins Leben zurückfinden kann. Etwa zwei Jahre habe das gedauert, sagt Drensler im Rückblick. Und fügt hinzu, dass er das alles ohne die Hilfe seiner Frau niemals geschafft hätte. "Ohne meine Frau säße ich schon seit Jahrzehnten in einem Pflegeheim", sagt er.

Man kann ahnen, wie zäh Drensler gelernt hat, mit der Beinprothese und vor allem mit den Armprothesen umzugehen. Heute kann er sicher mit der Hand- und Armprothese ein Glas Wasser fassen und es zum Trinken an den Mund führen. Auch Essen kann er selbstständig, wenn das Schnitzel zum Schneiden nicht allzu zäh ist, wie er mit Humor in der Stimme berichtet.

Zur Rückkehr ins Leben gehört nicht nur der Umgang mit den verschiedenen Prothesen, die im Laufe der Jahre immer besser geworden seien, auch das Autofahren gehört dazu. Zwei Jahre nach dem Unfall besuchte Drensler eine spezielle Fahrschule für Menschen mit Behinderung. Er sei einer der ersten Fahrschüler mit zwei Armprothesen gewesen. Drensler kämpfte dafür, dass er ein Auto bekam, dass auf seine Behinderung zugeschnitten ist. Nach einem Jahr "Kampf" bekam er dieses Auto. Recht selbstbewusst bezeichnet er sich heute als "guten Autofahrer", der ohne Probleme seinen Wagen durch den Düsseldorfer Berufsverkehr steuern kann.

Seinen Beruf als Maschinist kann Drensler natürlich nicht mehr ausüben. Er hat in der Buchholzer Unfallklinik aber eine neue berufliche Aufgabe als Schwerbehinderten-Betreuer gefunden. Da zeigt er beispielsweise Amputationsverletzten, wie man mit Arm- und Handprothesen die fehlenden Gliedmaßen ersetzen kann. Darüber hinaus leitet er eine sogenannte "Peer"-Gruppe.

Dieses Peer-Prinzip, das in der BGU etabliert wurde, bedeutet, das Menschen mit Behinderung von Menschen, die ebenfalls eine Behinderung haben, unterstützt werden. Bernd Drensler kümmert sich besonders um Menschen, die Arme und Hände verloren haben. In einer anderen Peer-Gruppe kümmert sich sein beinamputierter Kollege um Menschen, die entsprechende Peer-Unterstützung suchen.

Bernd Drensler ist als selber betroffener Schwerstverletzter zum Mutmacher für andere Schwerverletzte geworden. Dabei ist er als mehrfach Amputationsverletzter für die Unfallopfer ein besonders eindrucksvolles Beispiel, wie man auch nach einem Schicksalsschlag sein Leben meistern und genauso froh wie andere sein kann.

Nicht ohne Stolz berichtet Bernd Drensler, dass er drei Jahre nach seinem folgenreichen Unfall Vater einer Tochter wurde, die mittlerweile einen Doktorhut in Chemie erworben hat.

Quelle: RP
 
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