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Duisburg
Von der Handball-Euphorie profitieren

Duisburg: Von der Handball-Euphorie profitieren
Ein Handball-Jugendcamp in Rheinhausen: Mit solchen und ähnlichen Aktionen wird versucht, den Nachwuchs für einen attraktiven Mannschaftssport zu begeistern. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Duisburgs Handballvereine können sehr gut neuen Schwung vertragen. Von Lena Köhnlein

Der Sieg der deutschen Mannschaft begeistert in Duisburg wie überall in Deutschland. Die städtischen Vereine merken schon jetzt die positive Auswirkung des Überraschungserfolges. "Sonst bekomme ich im ganzen Monat zwei Anrufe von Interessierten, gestern waren es gleich fünf", sagt Martina Seemann, Jugendkoordinatorin der SG Homberg. Und auch Manfred Loepke-Gilles vom OSC Rheinhausen konnte in den vergangenen Tagen neue Anmeldungen verbuchen. "Die EM hat Begeisterung ausgelöst", sagt der Abteilungsleiter Handball des OSC. "Nach der EM haben mich Unbekannte angerufen, um mit mir über das Turnier zu sprechen", sagt Loepke-Gilles, deutlich begeistert vom derzeitigen Trubel um die Sportart.

Duisburg kann sich handballtechnisch durchaus sehen lassen: 27 Handballvereine gibt es derzeit. Allerdings gehen die Mitgliederzahlen zurück. Waren es laut Stadtsportbund vor zehn Jahren noch 5000 Mitglieder, werden heute noch etwa 3000 gezählt, so Uwe Busch, Geschäftsführer des Stadtsportbunds. Eine Ursache sei sicherlich die Dominanz des Fußballs - auch in den Medien. Allerdings würden alle Liga-Sportarten verlieren. "Wir haben einfach weniger Nachwuchs als früher", sagt Martina Seemann. Die Jugendkoordinatorin des SG Homberg hat selbst Kinder und merkt an: "Die Jungen und Mädchen haben häufig nachmittags Unterricht, da bleibt weniger Zeit für eine Sportart als früher". Damals hätte es nicht nur mehr Kinder gegeben, die Vereinsbezogenheit sei auch größer gewesen, ergänzt Manfred Loepke-Gilles vom OSC Rheinhausen. Auch in den Schulen würde die Sportart häufig vernachlässigt. "Handball ist komplizierter als Fußball, daher wird der häufiger im Unterricht gespielt", sagt der 65-Jährige.

Handball müsse in den Medien viel präsenter sein, fordert Loepke-Gilles. Schließlich würden im Fernsehen sogar schon Oberligaspiele gezeigt. Uwe Busch vom Stadtsportbund sieht die öffentlich-rechtlichen Sender ebenfalls in der Pflicht, Handball zu übertragen. "Neben Fußball bleiben die anderen Sportarten jedoch häufig außen vor", so der 58-Jährige.

Dabei herrsche gerade beim Handball eine tolle Stimmung. Martina Seemann ist Fußball- und Handball-Fan und geht regelmäßig zu Spielen in beiden Sportarten. Allerdings müsse sie zugeben, dass die Stimmung beim Handball deutlich besser sei. "Ich kann mir zuerst ein Fußballspiel und dann ein Handballspiel angucken - aber nicht andersherum. Das ist langweilig."

Alle drei sind sich einig: Duisburg ist durchaus eine Handball-Stadt. "Die linke Seite vom Rhein ist Handball und die rechte Seite eher Fußball", sagt Manfred Loepke-Gilles -auch auf die umliegenden Städte bezogen.

Sein Verein, der OSC Rheinhausen, hat durchaus schon glorreiche Handballzeiten erlebt: Immerhin spielte er mal in der Handball-Bundesliga. Bekannt dürfte vielen Duisburgern aus diesen Zeiten noch Daniel Stephan sein. Der Rheinhauser bestritt für Deutschland EM-Turniere und gewann 2004 die Meisterschaft.

Loepke-Gilles erinnert sich gerne an ihn und auch an seine eigene aktive Handball-Zeit. Für den Nachwuchs hat er quasi selbst gesorgt. Seinen Enkel hat er schon für Handball begeistert. Und nach dem EM-Sieg hat er sich an den Schreibtisch gesetzt und einen Rundbrief verfasst - gerichtet an Eltern von sportbegeisterten Kindern, die er zum Training einlädt. Besonders bewegt hat den Abteilungsleiter, dass die Mannschaft so jung und unerfahren war und doch einen solchen Siegeszug erlebt hat. Vielleicht wird dadurch auch der Sport an sich einen neuen Siegeszug erleben, hofft er. "Um es mit dem Erfolgslied der Handballer zu sagen: 'Wenn nicht jetzt, wann dann?', hat Loepke-Gilles in dem Rundbrief geschrieben.

Quelle: RP
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