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Duisburg
Vortrag im Landesarchiv über Grautöne bei Walter Braunfels

Duisburg. Das Landesarchiv NRW am Innenhafen bietet noch bis zum Ende des Jahres die Ausstellung und Vortragsreihe "Vom ,Theater-Experiment' zum ,deutschen Spitzeninstitut'" zum 60-jährigen Jubiläum der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Nach dem Podiumsgepräch am Eröffnungsabend (die RP berichtete) gab es nun den ersten Vortrag zur Musik- und Tanzgeschichte des Rheinlands. Prof. Dr. Michael Custodis (Universität Münster) referierte über "Deutsche Musik in Trümmern. Der Komponist Walter Braunfels 1945". Von Ingo Hoddick

Braunfels (1882-1954) war einer der erfolgreichsten deutschen Komponisten seiner Zeit und 1925 einer der beiden Gründungsrektoren der Kölner Musikhochschule, bis ihm die Nationalsozialisten gleich 1933 Berufsverbot erteilten. Zum einen war er den Nazis zu christlich, denn nachdem er im Ersten Weltkrieg bei einer Explosion beinahe gestorben war, konvertierte er vom Protestantismus zum Katholizismus. Zum anderen war Braunfels ihnen zu jüdisch, sein Vater war vom Judentum zum evangelischen Glauben übergetreten. Immerhin wurde ihm weiter ein Ruhegehalt gezahlt, allerdings gekürzt.

Er verbrachte die innere Emigration zunächst in Bad Godesberg, dann in Sipplingen am Bodensee, nahe der grünen Grenze zur Schweiz, wo ihn die Mäzene um Hans Reinhart immer unterstützten. Nach dem Zweiten Weltkrieg rief ihn sein Freund Konrad Adenauer, der vorübergehend wieder Kölner Oberbürgermeister geworden war, um seine alte Wirkungsstätte wieder aufzubauen.

Custodis hatte für seinen spannenden Duisburger Vortrag viele Quellen ausgewertet, zum Beispiel den Briefwechsel zwischen Adenauer, der seine innere Emigration in Rhöndorf verbrachte, und Braunfels - ein einfacher Ostergruß, also die Hoffnung auf Auferstehung, konnte da schon zur versteckten politischen Äußerung werden. Verblüffend: Braunfels empörte sich darüber, dass die Entnazifizierungen des Dirigenten Wilhelm Furtwängler und des Komponisten Hans Pfitzner verschleppt wurden. Beide Musiker waren mit dem Regime verstrickt gewesen - aber für Braunfels zählte mehr, dass sie erstklassige Kollegen waren.

Laut Michael Custodis äußert sich darin die damals noch gültige romantische Vorstellung, dass Musik und Politik völlig getrennte Bereiche sind.

Am Montag, 31. Oktober, kann man den Reformationstag oder auch Halloween feiern - oder aber den Vortrag von Ralph Bollmann (Journalist und Buchautor) besuchen, es geht um "Walküre in Detmold. Die NRW-Opernlandschaft im deutschen und europäischen Kontext". Die Vorträge beginnen um 18 Uhr, der Eintritt ist frei, auch zur Führung durch das Haus um 17.30 Uhr.

Quelle: RP
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