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Duisburg
Wagner durch die Brille von Zola

Duisburg: Wagner durch die Brille von Zola
Szene aus "Rheingold". Vorne: Raymond Very (Loge), James Rutherford (Wotan), Katarzyna Kuncio (Fricka). Hinten: Kimberley Boettger-Soller (Wellgunde), Iryna Vakula (Floßhilde), Heidi Elisabeth Meier (Woglinde), David Jerusalem (Donner). FOTO: Hans Jörg Michel (DOR)
Duisburg. Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg übernahm ihre insgesamt gelungene Produktion des Vorabends "Das Rheingold" aus Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" in ihr hiesiges Haus. Von Ingo Hoddick

Wagners Tetralogie (vierteiliger Zyklus), inspiriert von der bürgerlichen Revolution von 1848 und als Ganzes uraufgeführt 1876 in Bayreuth, ist eines der großen Dramen seiner Zeit. Die fortschreitende Industrialisierung und das aufstrebende Bürgertum spielen in seine Entstehung ebenso hinein wie innen- und außenpolitische Machtkämpfe sowie erste imperiale Gesellschaftskrisen.

Im "Rheingold" errichtet der Dichterkomponist die Grundpfeiler, auf denen sein "Ring" ruht: Macht und Herrschaft sowie - im Gegensatz dazu - Vertrauen und Liebe. Es treten darin noch keine Menschen auf - nur Götter und Göttinnen, Riesen und Nibelungen (Zwerge). Eine Inszenierung in Wagners Gegenwart spielen zu lassen, ist üblich seit dem Bayreuther Jahrhundert-"Ring" von Patrice Chereau 1976-80. An der Rheinoper hat Dietrich W. Hilsdorf das jetzt noch einmal verschärft durch einen Bezug auf den 20-teiligen, sozialkritischen Roman-Zyklus "Rougon-Macquart" von Wagners Zeitgenossen Émile Zola. Das kluge Bühnenbild von Dieter Richter stellt einen bürgerlichen Salon jener Epoche dar, der sich in den vier Szenen noch verändert, vor allem in der ersten Szene mit den Rheintöchtern als Edel-Bordell - schon zu Wagners Zeit spotteten spitze Zungen hier über das "Hurenaquarium". Später wird Nibelheim, das unterirdische Reich von Alberich, zu einem Bergwerk wie in Zolas Roman "Germinal". Das Ergebnis erscheint insgesamt schlüssig, auch wenn einige zentrale Bilder wie das Leuchten des Rheingolds oder dessen Raub durch Alberich kaum zu sehen sind. Der Regisseur relativiert selbst seine Deutung durch den Beginn, das berühmte "Loreley"-Zitat "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten" des Wagner-Zeitgenossen Heinrich Heine; der feuerzaubernde Loge betont dann für Insider noch "Es", denn ein tiefer Es-Dur-Dreiklang ist die musikalische Urzelle.

Die klingende Besetzung ist ganz neu gegenüber der Premiere in Düsseldorf. Die 13 Gesangs-Solisten sind eine erstklassige Mischung aus Gästen und Rollendebüts, mit einer Schnittmenge. Wie immer ist im "Bayreuth am Rhein" profilierter Wagner-Gesang zu hören. Unbedingt erwähnt werden müssen James Rutherford als opulenter Göttervater Wotan, Raymond Very als mephistophelischer "Spielleiter" Loge, Anna Princeva als lieblich- göttliche Freia, Ramona Zaharia als geerdete Erdmutter Erda, Kammersänger Stefan Heidemann mit seinem grandiosen Comeback-Debüt als Alberich, Thorsten Grümbel und Lukasz Konieczny als auch stimmliche Riesen Fasolt und Fafner sowie Heidi Elisabeth Meier, Kimberley Boettger-Soller und Iryna Vakula als unwiderstehliche Rheintöchter.

Axel Kober, Generalmusikdirektor der Rheinoper, und die Duisburger Philharmoniker - da erwartet man geballte Wagner-Kompetenz. Die wurde bei der Übernahmepremiere auch weitgehend geboten, das Orchester wirkte fast ebenso konzentriert und selbstbewusst wie die Sänger, mehr Feuer als Wasser, leidenschaftlich auf die Vorwegnahme der "Götterdämmerung" hin musiziert.

Wir wollen aber auch diesmal nicht alles verraten, sondern empfehlen der Besuch einer der folgenden Aufführungen am 9. und 24. November, 16. und 21. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am 3. Dezember, um 15 Uhr. Am 23. Mai 2019 ist "Das Rheingold" dann hier im Rahmen des Zyklus' zu erleben.

Karten gibt es am einfachsten m Internet unter karten@theater-duisburg.de oder Tel. 0203/ 38362100.

Quelle: RP
 
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