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Duisburg
Warten vor der dunklen Praxis

Duisburg: Warten vor der dunklen Praxis
Wenn's weh tut, sind Patienten gerade am Wochenende auch auf den Notdienst angewiesen. Das funktioniert in Duisburg nicht immer reibungslos. FOTO: Pixabay
Duisburg. Notfallpraxen - etwa für Zahnbeschwerden - sorgen dafür, dass Patienten auch außerhalb der Sprechstunde behandelt werden können. Es ist allerdings nicht immer leicht, einen solchen Notdienst zu erreichen. Von Jan Luhrenberg

Es ist Freitagabend um 20.30 Uhr: Für einen Duisburger, der nicht namentlich genannt werden möchte, geht ein zwölfstündiger harter Arbeitstag zu Ende. Doch an Entspannung zu Hause ist nicht zu denken. Denn die im Tagesverlauf aufgetretenen heftigen Zahnschmerzen, die immer schlimmer werden, lassen an Ruhe und Schlaf nicht denken.

Der Anruf beim zahnärztlichen Notdienst liefert Angaben zum Zahnarzt, der Dienst hat. Es folgt der Hinweis, in jedem Fall in der Praxis anzurufen, um zu erfahren, wann man kommen kann. Doch der Anruf läuft ins Leere. In der Praxis gibt es vom Band Infos zu den üblichen Praxis-Sprechzeiten mit der Bitte, außerhalb dieser Zeiten den zahnärztlichen Notdienst anzurufen (was ja bereits geschehen ist). Eine Möglichkeit, aufs Band zu sprechen, besteht nicht. Weil die Praxis nur wenige hundert Meter entfernt ist, fährt der Geplagte dort vorbei. Alles ist dunkel, und auch auf mehrfaches Klingeln öffnet niemand.

Hilfe gibt es schließlich im evangelischen Krankenhauses in Düsseldorf (Tipp der Dame an der Information im Malteser Krankenhaus St. Anna). In der dortigen Notfallpraxis warten rund 50 Hilfesuchende vor den Türen der verschiedenen Fachrichtungen. Nach zwei Stunden hat der Schmerzgeplagte im Behandlungsstuhl Platz genommen, wird untersucht, der Zahn wird geröntgt und behandelt, und gegen Mitternacht wird der Patient vom sehr netten Zahnarzt mit einem Rezept für ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel wieder entlassen. Vor der Türe warten zu diesem Zeitpunkt immer noch jede Menge Patienten. Das Schicksal des Duisburgers scheint kein Einzelfall zu sein. Auf seine Nachfrage im Düsseldorfer Krankenhaus erfährt er, dass viele Patienten aus dem Raum Duisburg in die Landeshauptstadt fahren (müssen), um sich dort zahnärztlich behandeln zu lassen. In Duisburg sorgen zwei Notfallpraxen außerhalb der Sprechstunden für die zahnärztliche Versorgung der Patienten - eine für den Norden, eine anderen für den Süden der Stadt. Bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) ist man auf Nachfrage unserer Redaktion von den Aussagen überrascht. "Es sind im Raum Duisburg für das ganze Wochenende keine Störmeldungen bekannt", berichtet Gerhard Senger von der KZV. "Wir haben die Information, dass in beiden Praxen Notdienst geleistet wurde", sagt Senger. Laut ihren Angaben war auch der Zahnarzt im Duisburger Süden am Freitagabend in der Praxis gewesen und habe zudem seine Handynummer aufs Band gesprochen. Die Zahnärzte in Duisburg haben sich auf das aktuelle System außerhalb der Sprechzeiten verständigt, in dem die Ärzte unter Rufbereitschaft in ihren Praxen arbeiten. Eine vergleichbare Notfallambulanz wie in Düsseldorf gibt es hier nicht, da haben es die Bewohner der Landeshauptstadt einfach deutlich besser.

Der ärztliche (allgemeine) Notdienst ist eine wichtige Einrichtung, um Patienten rund um die Uhr zu versorgen. Der ambulante Notdienst außerhalb der Krankenhäuser findet in Notdienstpraxen statt. Am Notdienst nehmen alle niedergelassenen Ärzte teil, die Mitglieder der Kassenärtzlichen Vereinigung (KV) sind. "Der ambulante Notdienst gehört zu unserem Sicherstellungsauftrag", sagt Heiko Schmitz, Leiter der Presseabteilung der KV. In Duisburg gibt es vier Notdienstpraxen. "Sie sind an oder in Krankenhäusern untergebracht, um die Wege für Patienten kurz zu halten, falls eine stationäre Versorgung nötig ist", sagt Schmitz. Es sind das Malteser-Krankenhaus St. Anna, das Evangelischen Krankenhaus Bethesda, das St. Johannes-Hospital sowie das Johanniter-Krankenhaus. Nach Angaben der KV nehmen in Duisburg derzeit etwa 650 niedergelassene Ärzte am Notdienst teil. Im Jahr 2016 dokumentierte die Kassenärztliche Vereinigung knapp 42.000 abgerechnete Fälle - hinzu kommen 1000 Fälle im augenärztlichen Notdienst und 6000 Fälle im kinderärztlichen Notdienst.

"Der ambulante Notdienst ist für alle Erkrankungen und Beschwerden gedacht, für die normalerweise eine Hausarztpraxis zuständig ist und an Wochenenden und Feiertagen nicht geöffnet hat", so Schmitz. Doch der Notdienst sei nicht als verlängerte Praxisöffnungszeit zu sehen, sondern lediglich für den akuten Bedarfsfall gedacht.

Die bundesweit einheitliche Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst lautet 116 117. Welche Zahnarztpraxis Notdienst hat, erfährt man unter der Nummer 0180 5986700.

Quelle: RP
 
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