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Duisburg
Warum nicht mal "Klimafasten"?

Duisburg: Warum nicht mal "Klimafasten"?
FOTO: enni
Duisburg. Heute beginnt die Fastenzeit. Der Moerser Klimaschutzmanager Giovanni Rumolo empfiehlt, etwas für die Umwelt zu tun. Von Irena Al-Saigh

Heute ist Aschermittwoch, und alles wird anders: Die Fastenzeit beginnt - vielleicht der erste Schritt in ein neues Leben. Das versprechen wir uns jedenfalls jedes Jahr aufs Neue. Doch dieses Jahr soll es klappen. Ab heute haben die Menschen bis Ostersonntag wieder 40 Tage Zeit, um sich in Verzicht zu üben. Was soll dieses Mal gestrichen werden? Zucker? Alkohol? Oder lässt man nun endlich mal das Smartphone aus? Vielleicht trinkt man in den nächsten Wochen nur Wasser und gibt sämtliche Süßgetränke auf.

Statt auf etwas zu verzichten, kann man sich aber auch für eine sinnvolle Sache engagieren, zum Beispiel für Mutter Natur. Seit einigen Jahren ist die "grüne" Alternative zum traditionellen Fasten nach der fünften Jahreszeit im Gespräch. Klimaschutz und Klimagerechtigkeit sollen in den Vordergrund gerückt werden. Im Rahmen ihrer Kampagne "Klimaschutz 2020" ruft dabei beispielsweise auch das Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen bereits das vierte Mal zum sogenannten Klimafasten auf. Auch die Evangelische Kirche im Rheinland beteiligt sich an dieser Aktion unter dem Motto "So viel du brauchst . . .".

Doch wie "klimafastet" man eigentlich? Die Broschüre zu "So viel du brauchst . . ." bietet eine wöchentliche Anleitung mit verschiedenen Möglichkeiten, etwas bewusster zu leben. Eine dieser Möglichkeiten ist zum Beispiel mehr Dinge mit dem Fahrrad oder der Bahn zu erledigen und das Auto einfach mal stehen lassen. Auch die eigenen Füße können einen oft ans gewünschte Ziel bringen, ohne dabei der Umwelt zu schaden. Beim Essen könnte der Fokus auf selbstgekochte Mahlzeiten gelegt werden, bei denen man sich etwas genauer über die Herkunft der verwendeten Produkte informiert. Wie wäre es zum Beispiel damit, nur noch Produkte mit Bio- oder Fairtrade-Siegel zu kaufen oder sich die Lebensmittel auf dem Wochenmarkt zu besorgen? Oder mal einige Tage ganz auf Fisch und Fleisch zu verzichten? Zudem kann statt Tafel- und Mineralwasser Leitungswasser getrunken werden. Damit spart man sich auch gleichzeitig die umweltbelastenden Plastikflaschen.

Generell wäre es hilfreich, zu versuchen, den eigenen Konsum einzuschränken und sich beim Einkauf zweimal zu fragen, ob man die Kekse und das neue Shampoo wirklich braucht. Auch das Wäschewaschen kann umweltfreundlicher gestaltet werden, indem man die Wäsche bei 30 statt bei 40 Grad wäscht und zum Trocknen auf die Leine hängt, statt sie in den Trockner zu stopfen. Es sind Kleinigkeiten wie anstatt des Aufzugs die Treppe zu nehmen, die einen bewusster über das Leben und unsere Umwelt nachdenken lassen.

Doch ist Klimafasten nur ein Tropfen auf dem heißen Stein oder kann es wirklich etwas bewegen? Für Giovanni Rumolo, Klimaschutzmanager, bewegt schon jeder etwas, der sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt. "Jede kleine Maßnahme hilft und ist wichtig. Wie intensiv man klimafastet, ist also gar nicht wichtig, sondern, dass man mitmacht und vielleicht die ein oder andere Veränderung auch in den Alltag nach der Fastenzeit integriert", sagt Rumolo.

"Ich würde ja, wenn . . .", "Momentan passt es einfach nicht so gut", "Das schaff ich sowieso nicht" sind Sätze, die wir alle schon einmal gesagt, aber nie wirklich gemeint haben. Wie also hält man das Klimafasten durch? "Man sollte sich kleine Dinge aussuchen, die die Lebensqualität nicht negativ beeinflussen oder das Leben komplizierter werden lassen. Man kann zum Beispiel darauf achten, ob die Wasch- oder Spülmaschine immer voll ist, bevor man sie anstellt. Klima schützen heißt nicht, dass man auf etwas verzichten oder sein Leben grundlegend ändern muss", rät der Klimaschutzmanager. Es gehe viel mehr darum, sich bewusst zu machen, welchen Einfluss der ganz normale Alltag auf das Klima hat. "Und wenn man dann zum Beispiel feststellt, dass man ab zehn Uhr morgens im Büro das Licht ausmachen kann, weil genug Tageslicht hinein kommt, dann ist das ein Schritt in die richtige Richtung".

Wer sich also nicht sicher ist, worauf er in der diesjährigen Fastenzeit "verzichten" soll, kann sich ja an einem Aspekt des Klimafastens versuchen und dabei einen bewussteren Blick auf das eigene Leben gewinnen. Mutter Natur sagt jedenfalls jetzt schon Danke.

Quelle: RP
 
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