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Duisburg
Wasser aus der Walsumer Rheinaue

Duisburg: Wasser aus der Walsumer Rheinaue
Ab 1945 entwickelte das Unternehmen die Marke "Rheinperle" (oben links). Dann weiter im Uhrzeigersinn: Mit Pferd und Wagen wurde anfangs ausgeliefert; Wasserflaschen auf dem Abfüllband; einer der Brunnen in der Rheinaue; das Unternehmen von oben.
Duisburg. Seit 1905 hält das Familienunternehmen Hövelmann Duisburg die Treue. Nach dem Ersten Weltkrieg sorgte es mit einer Limonade für Furore, 1972 mit seinem ersten Mineralwasser - und in den 90ern mit der Übernahme von Sinalco. Von Sandra Kaiser

Was wäre Duisburg ohne Wasser? Vermutlich wäre der Ort gar nicht gegründet worden. Denn die einzigartige Lage an Rhein und Ruhr wurde zu allen Zeiten als Vorteil geschätzt. Wasser machte den Aufstieg der Stadt zu ihrer Bedeutung als Stahlstandort und Logistikdrehscheibe von europäischem Rang erst möglich. Wasser steht heute für den Strukturwandel und den Aufbruch zu neuem Arbeiten und Wohnen am Innenhafen. Wasser verbinden die Duisburger mit Freizeit und Erholung und nicht zuletzt mit Spitzensport auf der Regattabahn.

Aber auch in ganz anderer Hinsicht ist Duisburg ein bedeutender Wasserstandort. Ganz oben im Norden der Stadt, in Walsum, liegt der Firmensitz der Getränkegruppe Hövelmann, des größten Privatbrunnens in Nordrhein-Westfalen. Schon seit der Gründung Anfang des 20. Jahrhunderts hält das Familienunternehmen dem Standort die Treue. Gut 500 Mitarbeiter sind in Walsum in Produktion, Logistik und Verwaltung beschäftigt.

Alles begann im Jahr 1905, als der Walsumer Kaufmann Karl-Albert Hövelmann eine Bierhandlung eröffnete und durch handgetriebene Maschinen Limonade und Sprudelwasser herstellte. 1925 übernahm der älteste Sohn Heinrich das Geschäft. Er ließ das stetig wachsende Unternehmen umschreiben in "Mineralwasserfabrik und Biergroßhandlung Heinrich Hövelmann". 1929 expandierte das Unternehmen: An der späteren Dr.-Wilhelm-Roelen-Straße entstand ein neues Fabrikgelände mit dreigeschossigem Wohnhaus. Ab 1945 entwickelte das Unternehmen die Marke "Rheinperle", das erste zuckergesüßte Fruchtsaftgetränk. Die Innovation entwickelte sich in kürzester Zeit zu einer regional bedeutenden Marke und trug maßgeblich zum Unternehmenswachstum bei.

In den 60er Jahren übernahmen die Söhne Heinrich und Hermann das Unternehmen mit dem neuen Namen "Rheinperle-Getränke H. Hövelmann". Es lief sehr gut - so gut, dass bald die Kapazitätsgrenzen des angestammten Betriebes erreicht waren. Glücklicherweise bot sich die Möglichkeit, einen Steinwurf weit entfernt, an der Römerstraße, ein neues, etwa zehnmal so großes Grundstück zu erwerben. Im Oktober 1969 zog das Unternehmen um. Der neue Hallenkomplex war ausgestattet mit der damals größten Abfüllanlage Europas mit einer Kapazität von 18.000 Flaschen pro Stunde.

Aber Hermann Hövelmann wollte sich darauf nicht ausruhen. Er hatte eine Idee, die er hartnäckig verfolgte: die Suche nach einer Mineralquelle. 1970 wurden erste Probebohrungen in Angriff genommen, die aber keinen Erfolg brachten. Dann, kurz bevor das kostspielige Unterfangen endgültig beendet wurde, traf die allerletzte Bohrung auf das erhoffte Mineralwasservorkommen. Und so hatte das Unternehmen ab 1972 Zugang zu natürlichem Mineralwasser. Es war die Geburtsstunde der Marke "Rheinfels Quelle" und gleichzeitig der Eintritt in ein ganz neues Segment, das in den folgenden Jahren und Jahrzehnten rasch anwachsen sollte. Wie rasch, zeigen diese Zahlen: Als 1972 Hövelmann seine erste Mineralwassermarke "Rheinfels Quelle" einführte, trank jeder Bundesbürger 15,6 Liter Mineralwasser pro Jahr. Bis 2014 schnellte der Pro-Kopf-Verbrauch auf 143,6 Liter hoch.

Auf "Rheinfels Quelle" folgten bald die zweite Mineralwassermarke "Römerwall" und zahlreiche weitere Eigenentwicklungen und Übernahmen wie zum Beispiel "Burgwallbronn", "Ardey" und "Mercator". Anfang der 80er Jahre konnte das Unternehmen weitere Brunnen in einer Tiefe von über 300 Metern im Naturschutzgebiet Rheinaue erschließen und so den wachsenden Bedarf an Mineralwasser decken.

Natürliches Mineralwasser ist auch die Basis für die bekannteste und am weitesten verbreitete Marke der Getränkegruppe Hövelmann: den Limonadenklassiker Sinalco, der seit 1994 in Duisburg eine neue Heimat gefunden hat. Seit 1997 liegen auch sämtliche Markenrechte hier. Die regionalen Mineralwassermarken ergänzte 2011 die deutschlandweit vertriebene traditionsreiche Marke "Staatl. Fachingen".

Heute ist die Getränkegruppe Hövelmann mit einem Jahresabsatz von 685 Millionen Liter die Nummer eins in NRW und einer der bedeutendsten Mineralbrunnenbetriebe in Deutschland. Neben dem inzwischen auf 220.000 Quadratmeter angewachsenen Duisburger Betrieb verfügt das Unternehmen auch über Produktionsstandorte in Dortmund und in Fachingen.

Auch ein zweites Geschäftsfeld, das schon seit der Firmengründung bearbeitet wird, wuchs mit den Jahrzehnten zu einer bedeutenden Größe: die Getränkelogistik. In diesem Bereich ist das Unternehmen einer der führenden Dienstleister in Deutschland. Die Bier-Hövelmann sorgt unter anderem mit ihren Kooperationspartnern aus dem Getränkefachgroßhandel für den Transport von mehr als 8,7 Millionen Hektoliter Getränken zwischen Industrie und Handel. Mit ihren beiden wirtschaftlichen Standbeinen erreicht die Getränkegruppe Hövelmann einen Gesamtumsatz von mehr als 700 Millionen Euro.

Quelle: RP
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