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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Weinhandel machte Duisburg einst reich

Duisburg. Bereits im Mittelalter war Duisburg durch den Weinhandel eine wohlhabende Stadt. Hansetreffen, Deichbesichtigungen, Treffen der Waldbesitzer, Hausverkäufe und sogar Hinrichtungen boten einen willkommenen Anlass für einen Umtrunk. Von Harald Küst

Das Interesse der Duisburger an gutem Wein ist in den vergangenen Jahren gestiegen, zumindest legen das die Besucherzahlen diverser Weinfeste in Duisburg nahe. Die These, dass Duisburg eine Stadt des Weines sei, löst bei vielen Biertrinkern (noch) ein Schmunzeln aus. Sie stoßen lieber mit Bier auf das deutsche Reinheitsgebot an. Was viele nicht wissen: Bereits im Mittelalter war Duisburg durch den Weinhandel eine wohlhabende Stadt.

Der Archäologe Thomas Peek hat Duisburger Keramikfunde ausgewertet: So stammen viele Scherben aus importierten Weinamphoren. In Duisburg wurde der Wein umgeschlagen und über den Rhein in die Niederlande transportiert. Später benutzte man für den Transport die größeren Weinfässer - die Container des Mittelalters. Duisburg spielte neben Köln beim Handel mit Elsässer Wein eine wichtige Rolle. Die Stadt verdiente lange Zeit am Weinhandel mit - und sie verdiente gut.

Durch die Weinakzise (Abgabe, Steuer), die für jedes Weinfass fällig wurde, war dies die Haupteinnahmequelle der Stadt. "1353 erbrachte die Weinakzise 74 Prozent der Gesamteinnahmen des Städtischen Haushalts", so der ehemalige Stadtarchivar Joseph Milz. Aus dem Jahr 1368 ist eine Akziserechnung erhalten, die erkennen lässt, dass 45 Duisburger Familien über 7000 Ohm (1 Ohm = 140 Liter) Wein umsetzten, das sind umgerechnet 1,3 Millionen Flaschen Wein. Erhebung und Überwachung der zu versteuernden Mengen war penibel geregelt. Betrug mit falschen Maßeinheiten galt es durch Kontrolleure aufzudecken, da die Weinmenge als Besteuerungsgrundlage diente.

Aber nicht nur als Import- und Exportartikel hatte der Weinhandel Bedeutung. Der Eigenverbrauch war beträchtlich. Die Duisburger liebten das berauschende Getränk. Zu erfreulichen Ereignissen und Festmahlen gehörte ganz einfach Wein. Hansetreffen, Deichbesichtigungen, Aktionärstreffen der Waldbesitzer, Überprüfungen von Grenzsteinen, Hausverkäufe und - man mag's kaum schreiben - Hinrichtungen boten zusätzlich einen willkommenen Anlass für einen Umtrunk. Kaisern, Fürsten, Äbten, Gesandten und angesehenen Besuchern wurde von den Stadtoberen Wein angeboten. Die Stadtrechnungen zeigen, dass die Einzelpositionen in der Spalte "verschenkt und vertrunken" sich auf zehn Prozent des Gesamthaushalts summierten, schreibt Archivar Joseph Milz. Wirte verbuchten mit Kerbstöcken die Zechschulden. Hier konnte man also noch sehen, was einer auf dem Kerbholz hatte. Wein war ein beliebtes Alltagsgetränk. Mit Regenwasser verdünnter Wein galt gesünder als Brunnenwasser, was angesichts der von Schweinekot und Abfällen strotzenden Straßen durchaus ein fortschrittlicher Gedanke zur Hygieneverbesserung war.

Viele Winzer päppelten ihre sauren Weine mit Kräutern und Zucker auf. Der Weinkonsum war im Vergleich zu heute beachtlich. Auf 100 bis 150 Liter pro Kopf und Jahr laufen die Schätzungen von Experten. Zum Vergleich: Heute sind es bescheidene 20 Liter. Interessant erscheint in diesem Zusammenhang eine aktuelle Statistik. Mit 74 Litern pro Kopf und Jahr hat der Vatikan heute im weltweiten Weinkonsum die Nase vorn, so das California Wine Institute.

Dass fromme Klosterbrüder in früher Zeit auch in Duisburg dem Wein huldigten, zeigt eine große Relief-Weinamphore aus der Abteikirche in Hamborn. Sie befindet sich heute im Magazin des Museums für Kultur- und Stadtgeschichte. Angeblich streiten Historiker, ob die Weinamphore ausschließlich zur Lagerung von Messwein oder zum Eigenverbrauch genutzt wurde.

Wein blieb trotz des allmählich ansteigenden Bierverbrauchs auch im 15. und 16. Jahrhundert ein wichtiges Handelsgut. 1510 fand in Duisburg unter Kölner Führung ein Hansetag statt. Die Treffen des Kaufleuteverbunds mündeten häufig in trinkfreudiger Atmosphäre bei einem oder mehreren Gläsern Rotspon. Das war französischer Bordeaux, der in Eichenfässern reifte. Und weil die Fässer durch Transport und Lagerung allmählich die rote Farbe annahmen, nannte man den edlen Tropfen Rotspon (von Span, Holz). Heute noch in den Hansestädten Lübeck und Hamburg bei besonderen Anlässen ein geschätzter edler Tropfen.

Aber auch nach dem Niedergang der Hanse lebte die Duisburger Weintradition fort. Der Name Jacob W. Haniel ist mit dem Weinhandel eng verknüpft. 1763 hatte der Weinhändler Haniel sein Haus am Knüppelmarkt festlich illuminiert. Ein Weinfass, Feuerwerk und mechanisch-optische Zaubertricks verbanden das "Weinmarketing" mit patriotischer Gesinnung, berichtete das Zeitungsblatt. Was nur wenige Duisburger wissen: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfügte Haniel über ein eigenes Weingut in Nierstein (Kreis Mainz-Bingen). Die Weine des Weingutes "Gutehoffnungshütte" wurden ausschließlich im Haniel-Konzern getrunken und an besondere Kunden weiter gegeben. Die Marke St. Antony existiert noch heute.

Die Spurensuche zur Duisburger Weinhistorie lässt sich beliebig fortsetzen: Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hieß die Straße , die von der früher Schwanenstraße um das Rathaus in den Alten Markt führte, "Weinhausmarkt". Der Name bezieht sich auf den damaligen Rathausweinkeller. Dort traf man sich und pflegte Geschäftsbeziehungen. Weinfeste und kulturelle Veranstaltungen leisten auch heute einen Beitrag zur Netzwerk- und Identitätsbildung der Bürger. Ein schöner Nebeneffekt für die Imagewerbung unserer Stadt.

Wer jetzt noch mit geistigem Tiefgang gar in die griechische Wein-Historie einsteigen will, dem sei das Rahmenprogramm der sehenswerten aktuellen Ausstellung "Freue Dich und trinke wohl!" im Kultur- und Stadthistorischen Museum empfohlen.

Quelle: RP
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