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Duisburg
Wenn die Insolvenz verschleiert werden soll

Duisburg: Wenn die Insolvenz verschleiert werden soll
Dirk Hammes hat seine Kanzlei im Businesspark. FOTO: alwlsobott gmbh
Duisburg. Zu einem der spektakulärsten Fälle von Dirk Hammes gehörte sein Einsatz als Insolvenzverwalter bei einer Metallhütte, der Sudamin MHD, im Duisburger Süden. Viele werden sich noch daran erinnern, dass diese alteingesessene Metallhütte immer tiefer in die Krise schlitterte, mehrfach die Eigentümer wechselte und schließlich pleite war.

Und auch daran, dass der Stadt Duisburg eine Umweltkatastrophe ungeahnten Ausmaßes drohte, weil der Betrieb zumindest zum Ende hin Giftstoffe einfach auf offenen Brachflächen entsorgt hatte.

Diese schwere Form von Umweltkriminalität sollte durch die Insolvenz verschleiert werden - Kriminalinsolvenz ist der Fachbegriff dafür. Hammes' Einsatz jedoch bewirkte, dass im Zusammenwirken von Land, Stadt und anderen eine Lösung des Umweltproblems umgesetzt werden konnte, so dass das Gelände heute von Duisport als Logistikstandort genutzt werden kann.

Ebenso wie einige der Beteiligten bei der Entsorgung der Gifte kriminelle Energie an den Tag gelegt hatten, ist der Duisburger Rechtsanwalt bei seiner Arbeit auch in einem anderen Fall auf ein Geflecht aus Lug und Betrug in einem Ausmaß gestoßen, wie es ihm bis dahin selten begegnet war. Und das, obwohl Dirk Hammes schon häufiger mit Insolvenzen mit kriminellem Hintergrund befasst war und als Spezialist dafür beispielsweise Fachvorträge beim Bundeskriminalamt, vor Richtern und anderen Justizangehörigen hält.

Vor der Wirtschaftskammer Duisburg läuft seit einigen Monaten das (seit Jahren größte) Verfahren unter anderem gegen einen geschäftsführenden Gesellschafter einer Mülheimer Metallhandelsgesellschaft.

Den Angeklagten wird banden- und gewerksmäßiger Betrug vorgeworfen sowie Untreue und Insolvenzverschleppung. "Die Beteiligten werden wohl mit mehrjährigen Haftstrafen zu rechnen haben", schätzt Hammes, der die Vorgänge zur Anzeige gebrachte hatte. Als Insolvenzverwalter ist er bestrebt, die Gläubigerinteressen trotz dieser illegalen Aktivitäten sicherzustellen. Mit angeklagt sei auch ein ehemaliger Aufsichtsrat einer kleinen Privatbank, der durch die Geschäfte dieser Gesellschaft in Existenznot geraten sei.

Der angerichtete Schaden bei diesem Fall von krimineller Insolvenz, so hat es Dirk Hammes errechnet, dürfte bei einer Summe von mehr als 100 Millionen Euro liegen. Unter anderem spielten bekannte Namen aus der Wirtschaft und der Rocker-Szene in diesem Fall eine nicht unbedeutende Rolle.

(hch)
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