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Duisburg
Wie Krupp für Bildung sorgte

August Thyssen - ein Globalisierer und sein Werk
August Thyssen - ein Globalisierer und sein Werk FOTO: Stadtarchiv Duisburg
Duisburg. Dorothea Schmitz und ihre Tochter Renate haben eine Ausstellung über die 1972 geschlossene Werksbibliothek der Kruppschen Hüttenwerke organisiert. Diese Bücherhalle war zu ihrer Zeit eine hochmoderne Bildungsstätte. Von Sina Zehrfeld

Rheinhausen Man wollte die Menschen näher an die Arbeit heranholen, Fahrtzeiten verringern, und die Leute sollten ruhig auch noch ein bisschen was lernen. Die Firma Krupp hatte durchaus gewinnorientierte Hintergedanken, als sie im Jahr 1907 in Rheinhausen eine Werkbücherei einrichtete. Die "Bücherhalle" war eine der ersten "Volksbibliotheken" Deutschlands überhaupt. Sie versorgte die Rheinhauser mit Lesestoff, von hoher Literatur bis zu Liebesromanen, und sie war viele Jahre eine topmoderne Bildungseinrichtung ihrer Zeit.

Die letzte stellvertretende Leiterin, Dorothea Schmitz, und ihre Tochter Renate Schmitz-Gebel haben eine Ausstellung über die Geschichte der Werksbücherei organisiert. Alte und neue Fotos, Dokumente und Berichte von Zeitzeugen sind vom 17. April bis zum 22. Mai unter dem Titel "Sag mir, wo die Bücher sind" in der Rheinhauser Bezirksbibliothek zu besichtigen. Vieles, was Mutter und Tochter zusammengetragen haben, wirkt rührend bis kurios. So nahm man die Werterhaltung des Buchbestandes ziemlich ernst: Die Lektüre wurde nicht in falsche Hände abgegeben. Nicht in schmutzige Hände, zum Beispiel. Ehemalige Leser erinnern sich, wie Kinder, aber auch gestandene Arbeiter von einer entrüsteten Bibliotheksleiterin, "hager, streng, respekteinflößend, allein die Stimme!", zum Fingerwaschen verdonnert wurden.

In kranken Händen hatte die teure Lektüre auch nichts verloren: "Bricht im Hause eines Entleihers eine ansteckende Krankheit aus", so steht es in einem alten Regelwerk, "so hat er entliehene Bücher sofort an die Bücherhalle zurückzuliefern" – und zwar, bitteschön, "unter Angabe der Krankheit."

Die Ausstellung beleuchtet die Entwicklung der Bibliothek auf 25 Schautafeln. Luftbilder zeigen die verschiedenen Standorte der Bücherei. Über Jahre war sie im alten Hochbunker an der Atroper Straße – "ein abenteuerliches Gemäuer", war damals Dorothea Schmitz' Eindruck – und am Ende in einem todschicken Neubau an der Friedrich-Alfred-Straße. Von diesem ist heute nichts mehr zu sehen, "das hat mich irgendwie erschüttert", sagt Schmitz-Gebel. Immerhin, so ihre Mutter, "war die Bücherei von 1907 bis 1972 wesentlicher Bestandteil des Bildungsangebotes in Rheinhausen".

Vom alten Bücherbestand ist quasi nichts mehr da. Von 35 000 Büchern, die bei der Auflösung der Bücherei 1972 in den Regalen standen, spürten die Organisatorinnen ganze elf wieder auf. "Wir hatten den gesamten Simplicissimus, wo ist der geblieben?", fragt Schmitz. Einzelne Werke mit Kruppschem Stempel sind nachweislich später von Privatleuten zum Verkauf angeboten worden.

Eröffnung Die Ausstellung "Sag mir, wo die Bücher sind" wird am Samstag, 17. April, um 11 Uhr mit einem Podiumsgespräch in der Bezirksbibliothek eröffnet. Unter anderem werden Dorothea Schmitz und weitere Zeitzeugen von ihren Erinnerungen erzählen. Adresse Bezirksbibliothek Rheinhausen, Händelstraße 6.

Quelle: RP
 
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