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Schulpläne stoßen in Duisburg auf Widerstand
"Wir brauchen diese Reform nicht!"

Duisburg. Die neue NRW-Schulministerium Yvonne Gebauer hat die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlungen in Aussicht gestellt. Duisburger Eltern und Lehrer lehnen diesen Plan entschieden ab. Von Peter Klucken

Der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule wird neuerdings wieder kontrovers diskutiert. Hintergrund ist dabei, dass die neue NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlungen in Aussicht gestellt hat. Dagegen gibt es sowohl vonseiten der Elternschaft Duisburger Schulen als auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Widerspruch.

Dr. Christina Herold, Sprecherin der Elternschaft Duisburger Schulen und zugleich im Vorstand der Landeselternkonferenz NRW, nimmt die neuen Überlegungen der Ministerin gar "mit Entsetzen" zur Kenntnis. Die ganze Diskussion lenke, so Herold, von den eigentlichen Problemen im Grundschulbereich ab. In einer Erklärung der Elternschaft heißt es: "Fast jede Grundschule in NRW, insbesondere die Grundschulen in den Großstädten, leiden unter der Mangelverwaltung der knappen Lehrerstellen und müssen nicht selten auf ,Aushilfskräfte' zurückgreifen, um irgendeine Art der Beschulung überhaupt zu gewährleisten. Das kann nicht nur dazu führen, dass Fehlempfehlungen ausgesprochen werden, sondern auch in vielen Fällen die Noten deutlich hinterfragt werden sollten, die sowohl als Zeichen für Überforderung, als auch für Unterforderung bewertet werden können."

Die Benotung hänge in vielen Fällen auch davon ab, ob Grundschule in der heutigen Zeit überhaupt noch auf die Kinder eingehen könne, oder ob viel mehr durch die "massive Unterversorgung mit ausgebildeten Lehrkräften und Sonderpädagogen" guter Unterricht nicht ausreichend stattfinde. Wenn die Überlegungen der Ministerin in die Tat umgesetzt würden, dann bestehe, so Herold, die Gefahr, dass Eltern, die der Lehrerempfehlung nicht folgen möchten, die Aufnahme ihrer Kinder an einer Wunschschule über den Klageweg erzwingen werden. Dies führe zu Mehrarbeit auf der Verwaltungsebene. Herold fragt rhetorisch: "Wäre es nicht viel notwendiger, endlich die Voraussetzungen für eine gute Lernumgebung an Grundschule zu schaffen und sich darauf zu konzentrieren, Schule, der Zeit angepasst, neu zu denken?"

In dem Schreiben der Elternschaft wird die Kritik scharf formuliert. Da heißt es über den ministeriellen Plan: "Die Einspielung dieses Themas zeigt unserer Meinung nach allenfalls auf, dass ein Bundesland wie NRW, mit der höchsten Schülerdichte und den geringsten Ausgaben pro Kind, nach wie vor nicht bereit ist, die notwendigen Mittel in die Hand zu nehmen, damit sowohl Leistungsschwächen abgebaut und Leistungsstärken gefördert werden können."

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Duisburg bezieht klar Stellung gegen verbindliche Grundschulempfehlungen. Rüdiger Wüllner, Duisburger Vorstandsmitglied der GEW und Sprecher für den Grundschulbereich, sagt klipp und klar: "Wir brauchen diese Reform nicht!" Das bislang gültige Verfahren, wonach die Lehrer den Eltern begründete Empfehlungen mit auf den Weg geben, sei seiner Meinung nach der richtige. Wüllner: "Lehrkräfte beobachten Kinder über Jahre - kein Text oder Probeunterricht kann diese Komponenten aufgreifen oder Beratungsgespräche ersetzen." Verbindliche Empfehlungen von Lehrern an die Eltern beziehungsweise aufwendige Lehrergutachten, nach denen der Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule geschient wird, lehnt die GEW ab. In einer Stellungnahme der Duisburger GEW heißt es: "Keine der Methoden löst das Grundproblem: Bei zehnjährigen Kindern kann es keine eindeutige Diagnose für deren zukünftige Schullaufbahn geben. Das grenzt an Hellseherei. Wir kennen die aktuellen Leistungen, nicht aber die zukünftigen." Welchen Einfluss die Pubertät, Änderungen in der Familie oder dem sozialem Umfeld, neue Freunde, Lehrkräfte, Klassen oder Anforderungen auf die zukünftige Schullaufbahn haben werden, das könnten weder Grundschullehrkräfte noch die Eltern verlässlich wissen. Die Eltern seien aber die einzigen Personen, die das Kind in beiden Schulstufen begleiten.

Die Duisburger Schulaufsicht kommentiert die Pläne der Ministerin nicht: "Wir halten uns an das derzeit gültige Verfahren, wonach Lehrer beraten, die Eltern aber letztlich entscheiden". heißt es da.

Quelle: RP
 
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