| 16.42 Uhr

Loveparade-Gedenkfeier in der MSV-Arena
"Wir brauchen Gerechtigkeit"

Juli 2011: Angehörige gedenken Opfer der Loveparade
Juli 2011: Angehörige gedenken Opfer der Loveparade FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Auf den Tag genau vor einem Jahr starben 21 junge Menschen bei der Massenpanik bei der Loveparade. In der MSV-Arena gedachten rund 7000 Menschen bei einer Trauerfeier der Opfer. Die Mutter einer getöteten Mädchens forderte mit scharfen Worten Gerechtigkeit. Hier können Sie den Verlauf der Gedenkfeier nachlesen. Von Christian Schwerdtfeger und Judith Conrady

16.41 Uhr: Die Angehörigen der Opfer fahren jetzt in den Tunnel, in dem die Massenpanik ausgebrochen war. Für zwei Stunden hat dort niemand sonst Zutritt, damit die Angehörigen in aller Stille trauern können.

16.40 Uhr: Während die Teilnehmer der Gedenkfeier die MSV-Arena verlassen, erklingt das Techno-Lied "Hope you can hear me" von Julian Reichwald.

16.36 Uhr: Notfallseelsorger Rieske verabschiedet die Trauergäste.

16.33 Uhr: Die Gedenkfeier nähert sich ihrem Ende. Nun noch einmal Musik. Unter anderem "Joyful, joyful", ein Arrangement der "Ode an die Freude" aus der 9. Sinfonie von Beethoven.

16.29 Uhr: Bosse-Huber und Grave sprechen jetzt gemeinsam einen Segen.

16.25 Uhr: Alle rund 7000 Trauergäste singen nun gemeinsam ein Lied, das von Duisburger Jugendlichen geschrieben wurde. "Das Lied bündelt unsere Gedanken und unsere Gefühle", sagt Uwe Rieske.

16.23 Uhr: Notfallseelsorger Uwe Rieske geht in seiner Fürbitte auf das Massaker in Norwegen ein: "Fassungslos blick die Welt auf das Land", sagt er.

16.16 Uhr: Hier die Fürbitte der Ministerpräsidentin:

Wir bitten für uns alle, die wir die Bilder des Unglücks noch immer in uns tragen - im Kopf und im Herzen.
Für alle, deren Wunden an Leib und Seele weiter schmerzen.
Diese Katastrophe hat das Leben von so vielen nachhaltig verändert - hier in Duisburg, in NRW, in Deutschland und weit darüber hinaus.
Wir danken denen, die geholfen haben, und bitten Dich, lass sie die schrecklichen Bilder vergessen.
Und wir bitten für jene, die verzweifeln, weil sie nicht helfen konnten.
Wir bitten für alle, die Fehler gemacht haben, dass sie die Kraft finden, diese einzugestehen und um Vergebung zu bitten.
Es braucht Wahrheit, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, damit Trost und Versöhnung eine Chance haben.
Was uns bewegt, legen wir vor Dich, unseren Gott, und rufen: Herr, erbarme Dich!

 

16.14 Uhr: Es folgen die Fürbitten. Eine davon liest NRW-Ministerpräsidentin Hannlore Kraft.

16.13 Uhr: Nach offiziellen Angaben sind 7000 Trauergäste im Stadion.

16.10 Uhr: Die Duisburger Philharmoniker und die All Star Band spielen das Lied "With a little help from my friend".

16.07 Uhr: "Der Tag hat sich in das kollektive Gedächtnis unserer Stadt eingebrannt.", sagt Gabriela Grillo. "Kein Duisburger wird diesen Augenblick je vergessen. Wir Menschen der Stadt fühlen uns euch (den Angehörigen, Anm. d. Red.) verbunden. Das wollen wir bewahren."

16.05 Uhr: Nun tritt die Unternehmerin Gabriela Grillo ans Mikrofon. Sie spricht für die Duisburger Bürger.

16.01 Uhr: Für die Rettungssanitäter und anderen Helfer spricht nun Daniel Otto. "Ich weiß nicht mehr, an wie vielen Reanimationen ich beteiligt war. Wir haben Rücken an Rücken gearbeitet. Das sind Bilder, die ich nie mehr vergessen werde. Wir haben unser Möglichstes getan, um zu helfen."

15.59 Uhr: Ella Seifer tritt ans Mirkofon. Sie gehört zu den hunderten Menschen, die bei der Katastrophe verletzt wurden. Das junge Mädchen mit dunkelblonden Haaren spricht mit zittriger Stimme und unter Tränen. "Ich glaube, das war der Tag, an dem ich verstand, wie schnell das Leben vorbei sein kann", sagt sie. Ella Seifer war direkt im Tunnel, als die Massenpanik ausbrach.

15.52 Uhr: Der "Graf" singt "Geboren um zu leben" nur in Begleitung eines Klavierspielers. Das sonst so wuchtige Lied bekommt dadurch einen ganz anderen, bedächtigeren Charakter. Die Trauergäste haben sich von ihren Plätzen erhoben, lauschen dem Lied im Stehen.

15.50 Uhr: Nun folgt der Auftritt des "Grafen", Sänger der Band "Unheilig". Nicht alle fanden Auftritt des Sängers für die offizielle Gedenkfeier passend. Doch die Angehörigen der Opfer hatten ihn sich gewünscht. Sein Lied "Geboren um zu leben" habe ihnen Kraft gegeben, sagen sie.

15.49 Uhr: Unter den Trauernden sind zahlreiche Rettungskräfte. Mit ihren Uniformen bilden sie auf der Tribüne einen ganzen Block. Viele Helfer haben bis heute mit den psychischen Folgen der Katastrophe zu kämpfen.

15.48 Uhr: Die Namen aller Todesopfer werden noch einmal verlesen. Rettungskräfte legen für jeden Toten eine Sonnenblume nieder. "Der Himmel weint mit uns", sagt Notfallseelsorger Rieske mit Blick auf das Wetter. Dann wird es ganz still. Nur das Plätschern der Regentropfen auf das Stadiondach ist zu hören.

15.45 Uhr: Nun folgt eine Schweigeminute.

15.38 Uhr: "Ihr Lächeln, das Lächeln aller Jugendlicher, ist für immer erloschen", sagt die Mutter eines der Todesopfer. "Ich spreche für meine Tochter, um ihr und den anderen verstorbenen Jugendlichen eine Stimme zu geben. Wir warten auf eine ehrliche Geste aus Respekt für unsere Kinder. Wir brauchen Gerechtigkeit."

15.36 Uhr: Zunächst liest sie eine Liste mit den Namen aller Getöteten vor.

15.34: Nadia Zanacchi spricht auf Italienisch, ein Dolmetscher übersetzt ihre Worte ins Deutsche.

15.33 Uhr: Nun spricht die Italienerin Nadia Zanacchi. Ihre Tochter Giulia Minola kam bei der Katastrophe ums Leben. Sie wurde 21 Jahre alt.

15.32 Uhr: Bosse-Huber schließt ihre Ansprache mit dem Satz "Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir".

15.28 Uhr: Bosse-Huber hebt hervor, wie hilfreich Anteilnahme sein kann. "Der Gang durch das finstere Tal ist nicht vorbei. Aber ich habe von vielen Menschen gehört, dass es die Erfahrung gibt, auf diesen schweren Wegen nicht allein gelassen zu sein. Die Anteilnahme und Liebe anderer Menschen hilft."

15.25 Uhr: Auch für die Hilfe, die ihnen nach dem Tag der Kastastrophe als Angehörige zu teil geworden sei, wollten sie sich bedanken.

15.24 Uhr: Nun sprich wieder Vizepräses Petra Bosse-Huber von der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Angehörigen der Todesopfer hätten sie gebeten, den Helfern zu danken. "Sie wissen, dass viele sich selbst in Gefahr gebracht haben in dem Versuch, andere zu retten, und dass die Rettungskräfte alles in ihrer Macht stehende getan haben, um zu helfen."

15.17 Uhr: Der Weihbischof beginnt seine Anprache mit Worten aus der Schöpfungsgeschichte (Genesis 1,1). Dort wird aus Dunkelheit und Wirre Licht. Die Menschen in Duisburg, so Grave, hätten das Gegenteil davon erleben müssen: "Aus einem fröhlichen Fest brachen Chaos und Urflut, Panik und Schrecken hervor."

15.16 Uhr: Jetzt spricht Franz Grave, emeritierter Weihbischof des Bistums Essen. Es wird wieder still im Stadion.

15.10 Uhr: Vor der Bühne werden zwei Kerzen angezündet. Es sind Lichter der Erinnerung, der Trauer, der Anteilnahme, des Gedenkens. Dazu wird "Tears in Heaven" von Eric Clapton gespielt.

15.08 Uhr: "Es sind Narben, und sie brennen", sagt Bosse-Huber mit Blick auf die Folgen der Katastrophe.

15.06 Uhr: Sie ruft dazu auf, sich nicht nur an die furchtbaren Momente im Leben der 21 Todesopfer zu erinnern: "Wenn wir an sie denken, dann erinnern wir uns nicht nur an das Schreckliche, das ihnen widerfahren ist, sondern wir denken auch an die Lebenskraft und an die Freude, die sie hierhin nach Duisburg gebracht haben."

15.05 Uhr: Petra Bosse-Huber, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, und Weihbischof Franz Grave führen gemeinsam durch die Gedenkfeier. "Im tiefsten Inneren müssen Menschen allein den Weg finden, mit großem Leid umzugehen. Aber dennoch hilft es, auf diesem Weg nicht allein zu sein", sagt Bosse-Huber. Deshalb sei es wichtig, heute gemeinsam zu trauern.

15 Uhr: Nun singt der Junge Chor Beckhausen das Lied "From a distance".

14.59 Uhr: Uwe Rieske, Pfarrer in der Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, eröffnet die Gedenkfeier mit einer kurzen Ansprache. "Wir sind hier im Stadion, um an das unermessliche Leid zu erinnern. Danke, dass Sie gekommen sind. Danke, dass wir gemeinsam trauern können." Die Angehörigen hätten darum geben, während der Feier auf jeden Beifall zu verzichten.

14.49 Uhr: Jetzt werden die Trauergäste aufgefordert, ein Lied einzuüben, das während der Trauerfeier gesungen werden soll. Der Text wird auf den Anzeigetafeln eingeblendet.

14.47 Uhr: Die Proben der Künstler sind beendet, jetzt ist es völlig still im Stadion. Inzwischen sind rund 2500 Zuschauer in der Arena.

14.46 Uhr: Auf den beiden Anzeigentafeln in der Arena steht in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund "Gemeinsames Gedenken am Jahrestag der Loveparade-Tragödie 24.7.2010".

14.37 Uhr: Heute vor einem Jahr hat die Katastrophe Duisburg in einen Schockzustand versetzt. Wie sehen Duisburger Bürger die Ereignisse aus heutiger Sicht? Wir haben uns vor einigen Tagen in der Stadt umgehört. Hier die Umfrage.

14.28 Uhr: In einer halben Stunde beginnt die Trauerfeier. Bisher sind etwa 2000 Leute in der Arena.

14.24 Uhr: Inzwischen sind die Angehörigen der Opfer in der MSV-Arena eingetroffen. Mit zwei Bussen wurden sie aus ihrem Hotel abgeholt. In der Arena haben sie gesonderte Sitzplätze, dort, wo bei MSV-Spielen die VIP-Tribüne ist. Die übrigen Trauergäste sitzen gegenüber.

14.11 Uhr: Bei der Gedenkfeier sollen vor allem die Betroffenen selbst zu Wort kommen. So wird eine Angehörige eines der Todesopfer sprechen, außerdem eine Frau, die bei der Massenpanik verletzt wurde, und ein Rettungssanitäter. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird keine Rede halten. Sie spricht eine Fürbitte.

13.55 Uhr: Vor der Bühne wurde ein großes Herz aus Sonnenblumen aufgebaut.

13.48 Uhr: Die Musiker bereiten sich auf ihre Auftritte vor, machen Tonproben. Der bekannteste Musiker, der heute auftreten wird, ist der Graf, Sänger der Band "Unheilig". Angehörige hatten sich seinen Auftritt gewünscht. Sein Lied "Geboren um zu leben" hatte vielen Menschen nach der Katastrophe Kraft gegeben.

13.47 Uhr: Noch ist nicht absehbar, wie viele Trauergäste heute in die MSV-Arena kommen werden. Derzeit ist es in der Arena noch leer.

13.46 Uhr: "Es ist so furchtbar. Es tut immer noch weh. Ich kann das alles nicht begreifen. Wieso musste das passieren?", fragt eine junge Frau, die bei der Massenpanik schwer verletzt wurde. Sie steht mit gemischten Gefühlen vor der MSV-Arena. "Ich habe damals nur mit viel Glück überlebt, andere hatten nicht so viel Glück", sagt sie.

 

13.44 Uhr:  Vor der MSV-Arena steht ein Pavillon der Polizeiseelsorge. Polizisten, Betroffene und  Trauernde können dort ihre Gedanken, Bitten und Wünsche in ein Gedenkbuch eintragen.

13.42 Uhr: In allen Gemeindegottesdiensten der Christlichen Kirchen in Duisburg  wurde heute der Opfer der Katastrophe gedacht.

 

13.40 Uhr:  Adolf Sauerland besuchte am Vormittag eine Messe. Duisburgs Oberbürgermeister wird auf Wunsch vieler Angehöriger der Opfer nicht zur Gedenkfeier ins Stadion kommen. Auch Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller kommt nicht.

13.35 Uhr: Dunkle Wolken hängen über Duisburg. Es regnet schon den ganzen Tag, die Temperatur liegt bei 14 Grad. Vor einem Jahr schien die Sonne, es war 22 Grad warm. Der Tag, der mit einer Katastrophe endete, begann als wunderschöner Sommertag. 

 

13.30 Uhr: Bereits das gesamte Wochenende über steht Duisburg im Zeichen der Trauer. Der Karl-Lehr-Tunnel, in dem die Massenpanik ausbrach, ist von Freitagabend bis Montagmorgen gesperrt, damit die Menschen hier trauern können. In der Nacht haben Trauernde dort Kerzen angezündet.

 


 
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