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Duisburg
Wohnen und arbeiten im Wehrturm

Duisburg: Wohnen und arbeiten im Wehrturm
Kunst hinter dicken Mauern: Peter Withof genießt die Ruhe und Stille in seinem Atelier. FOTO: Büttner Martin
Duisburg. Das Erdgeschoss des alten Wehrturms der Crudenburg im Hünxer Gemeindeteil Krudenburg dient Künstler Peter Withof als "Atelier im Turm". Die Räumlichkeiten darüber sind Wohnraum, den man auch für Urlaube mieten kann. Von Florian Langhoff

Mitten im Dorf Krudenburg erhebt sich der Wehrturm der Burganlage, die hier einst stand und dem Ort ihren Namen gab. Eine in den Mauern des Turms eingelassene Tafel weißt auf das Jahr 1664 hin. "Man munkelt allerdings, dass der Turm noch älter ist", sagt Marion Bender. Sie lebt seit sechs Jahren mit ihrer Familie auf dem Bauernhof "Gut Benninghoff", der nach dem Abriss der Burg im 19. Jahrhundert hier entstand.

Die Familie hat den denkmalgeschützten Turm im Inneren modernisiert. Es gibt im ersten Stockwerk eine Wohnküche und unter dem Dach Schlafzimmer und Bad. "Der Turm wird oft von Freunden und Bekannten genutzt", erzählt Marion Bender. In ihren Semesterferien wohnt Tochter Cara in dem Turm. Eine Treppe führt hinauf zu den Wohnungen, die man auch über das Internetportal AirBnB anmieten kann. "Wir haben sehr viele Gäste hier. Wenn wir den Turm selbst nutzen, dann werden die jeweiligen Termine natürlich geblockt", erzählt Marion Bender. Ansonsten können aber Menschen, die gerne mal Urlaub im Wehrturm machen möchten, über das Internetportal einige Nächte in dem ungewöhnlichen Bauwerk buchen. "Eier von unseren Hühnern sind immer im Kühlschrank", erklärt Marion Bender. Außerdem hat man aus dem Turm natürlich einen wunderbaren Blick in die Landschaft rings um das idyllische Dorf. Und etwas Landidylle gibt es dazu auf dem Hof, auf dem Hühner und Enten frei umherlaufen.

Ein anderer Nutzer des Turms ist allerdings noch länger vor Ort als die Familie Bender: Peter Withof nutzt das Erdgeschoss des alten Wehrturms seit mehr als zehn Jahren als Atelier. "Ich bin eher durch Zufall hierher gekommen", erzählt der Künstler, der in der Nachbarstadt Voerde lebt. "Ich wollte nicht mehr zu Hause malen und machte mich auf die Suche nach einem Atelier", erzählt er. Er besuchte verschiedene Orte, die er noch aus seiner Jugend kannte und erinnerte sich dann wieder an den Turm in Krudenburg. Seine Nichte hatte auf dem Gutshof neben dem Turm seinerzeit einige Räume gemietet, und Peter Withof hatte einmal einen Blick in den Turm werfen können. Das genügte dem Künstler, um den Wunsch zu fassen, dort ein Atelier einzurichten.

"Die damaligen Besitzer waren von der Idee nicht direkt angetan", erzählt Peter Withof, aber er blieb hartnäckig. "Die Chemie stimmte und ich kam öfter mal zum Kaffee vorbei, bis ich das Atelier hier einrichten durfte. Seitdem bekommt mich niemand mehr hier weg", sagt der Künstler. Er schätzt den Wehrturm vor allem wegen der Ruhe, der Klausuratmosphäre. "Man ist hier abgeschlossen von äußeren Geräuschen und vom modernen Äther", sagt Peter Withof. Handyempfang ist im Erdgeschoss des Turms nur bedingt zu haben. Was für den einen ein Problem sein mag, schätzt Peter Withof: die Isolation des Raumes im Turm.

"Wenn ich herkomme und eine Stunde hier sitze, dann fängt es an, in mir zu kribbeln", erzählt er. Dann malt er oft direkt über Stunden mehrere Bilder, bevor ihm die Energie ausgeht. "Ich nutze das Atelier eher unregelmäßig", berichtet er. Aber wenn, dann meist sehr intensiv.

Zur Zeit arbeitet er hier an einem Zyklus, in dem er die den Monaten zugeordneten Sternzeichen neu interpretiert. Bisher teilweise noch in Skizzen, teilweise gearbeitet in Kreide und Acryl. Aber auch Fotografien gibt es zu sehen. "Ich mache eigentlich keine Fotos, sondern Bilder", sagt Withof. Denn für seine Arbeiten dienen die Aufnahmen meistens nur als Ausgangspunkt, mit dem er weiter arbeitet.

Dabei ist er sich aber der Geschichte seines Atelierraumes auch sehr bewusst. Kurz schiebt er eine Staffelei zur Seite. Dahinter findet sich an der Wand ein großer Ring aus Metall. "Die sind hier an allen vier Wänden des Gebäudes und legen nahe, dass der Raum hier früher mal als Gefängnis diente", erklärt Peter Withof. "Im Dorf hat man den Turm anscheinend für verschiedene Dinge genutzt", ergänzt Marion Bender. "Wenn man an die Decke des Ateliers schaut, sieht man noch diese Bögen. Angeblich soll der Raum auch als Kapelle genutzt worden sein", erzählt sie.

Anlässlich einer privaten Vernissage nutzte Peter Withof den Turm auch temporär als Ausstellungsfläche, indem er einige seiner Bilder mit Bergbaumotiven an der Fassade des Bauwerks anbrachte. Und in seinem Atelier im Turm entstanden, mit denen er einen anderen Turm in Szene setzte: den Wasserturm in Wesel.

Diesen verwandelte er mit anderen Künstlern von August bis September unter dem Titel "Reflex4 TURMwirdKunst" in ein Gesamtkunstwerk mit Lichtinstallationen, Fotografien und Projektionen.

Quelle: RP
 
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