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Rp-Serie China 8
Xiang Jing und ihre Jungfrau mit Zigarette

Duisburg. Nur noch bis zum 13. September sind im Duisburger Lehmbruck Museum die "Erzählenden Skulpturen" von 13 chinesischen Gegenwartskünstlern im Rahmen der Reihe "China 8" zu sehen. Die Bildhauerin Xiang Jing präsentiert hier figurative Skulpturen aus Fiberglas, die einen Moment des alltäglichen Lebens einzufrieren scheinen. Von Gabriele Harpers

Die Plastik "Virgin with cigarette" aus dem Jahr 2005 ist das lebensgroße Abbild einer jungen Frau, bekleidet mit knappen Shorts und einem Trägertop. Die Füße stecken in Flip-Flops und wirken wie an den Boden geklebt. Ihre Arme liegen eng am Körper an. In der rechten Hand hält sie eine glimmende Zigarette. Das kurze braune Haar kringelt sich unordentlich um das junge Gesicht. Sie ist keine perfekte Schönheit. Die Arme sind zu lang, die Hüften etwas zu breit. Der Blick aus den übergroßen Augen geht ins Leere. Die Farbigkeit der Skulptur lässt sie zwar lebendig wirken, aber zugleich ist sie erstarrt. Sie wirkt traurig und einsam. Die Künstlerin hält sie in einem Stadium zwischen Resignation und Hoffnung fest.

Die figuralen Darstellungen Xiang Jings wirken meist sehr realistisch. Sie scheint den individuellen Charakter jeder Einzelnen herausarbeiten zu wollen. Überwiegend stellen ihre Skulpturen Frauen dar, oft allein, höchstens in Zweier-Gruppen, viele mit traurigem Gesichtsausdruck und rundlicher Figur, natürlich und nicht perfekt. Einige wenige ihrer Frauenfiguren gestaltet sie übernatürlich schön, schlank mit perfekter Linie, zu makellos auch durch die Wahl von Material und Farbe, die nichts Lebendiges mehr an sich haben. Ihr Hauptaugenmerk richtet die Künstlerin auf die Darstellung einzigartiger Frauenkörper. Jede Skulptur hat ihren eigenen Charakter, der eine Geschichte erzählt, einen bestimmten Aspekt des Lebens beleuchtet. Xiang Jing greift für die Gestaltung auf unterschiedliche Materialien zurück. Einige sind in Bronze oder Polyurethan gegossen, während andere aus Porzellan oder bemaltem Fiberglas bestehen. Die Künstlerin spricht durch ihre Skulpturen zum Betrachter, zeigt ihre Verletzlichkeit, seelische Zustände und Emotionen, wie Verzweiflung und Trauer, Ärger, Humor und Erstaunen. Pures Glück scheint bei keiner ihrer Kreationen Thema zu sein.

Wenige chinesische Künstlerinnen genießen internationale Beachtung. Zu ihnen gehört zweifellos die 1968 in Peking geborene Bildhauerin Xiang Jing, deren Ausstellungen in der ganzen Welt sie weit über Chinas Grenzen hin bekannt machten. Xiang Jing lebt und arbeitet heute in Peking. "China 8" ist eine gemeinsame Aktion von neun Museen in acht Städten an Rhein und Ruhr. Hier werden Werke namhafter Künstler aus dem Reich der Mitte gezeigt, die von der Malerei über die Fotografie, Kalligrafie, die Tusche-Malerei, Skulptur, Installation bis hin zum Video reichen. Es entsteht ein eindrucksvolles Bild der heutigen Kunstlandschaft in der Volksrepublik China - einem Land greller Widersprüche zwischen Tradition und Aufbruch.

Quelle: RP
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