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Duisburg
Statistik: Zahl der Katholiken sinkt weiter

Zahl der Katholiken sinkt weiter
Das St.-Hildegardis-Gymnasium als Katholische Schule - hier ein Bild aus dem Selbstlernzentrum - erfreut sich nach wie vor einer großen Nachfrage. FOTO: Archiv
Duisburg. 2014 sind im gesamten Ruhrbistum 7551 katholische Christen aus der Kirche ausgetreten. Die Zahl der Gottesdienstbesucher bleibt stabil. Katholische Schulen wie das St.-Hildegardis-Gymnasium sind beliebt. Von Peter Klucken

Das Bistum Essen, zu dem auch die rechtsrheinischen katholischen Gemeinden in Duisburg mit Ausnahme Walsum gehören, hat gestern seine Jahresstatistik veröffentlicht. 817 340 Menschen in den Städten und Kreisen an Rhein, Ruhr und Lenne gehörten Ende vergangenen Jahres zur katholischen Kirche. Damit ist die Zahl der Katholiken im Ruhrbistum im Jahr 2014 um gut 13 200 niedriger als 2013.

Dies liege zum einen am demographischen Wandel im Ruhrgebiet: 8976 Bestattungen standen im Jahr 2014 nur 4788 Taufen gegenüber, zudem sind mehr Katholiken fort- als zugezogen, so die Statistiker. Zum anderen hätten sich 7551 katholische Christen für einen Austritt aus der katholischen Kirche entschieden. 2013 waren es 5405. 343 Menschen seien 2014 in die katholische Kirche eingetreten oder wieder aufgenommen worden, verrät das Zahlenwerk. "Natürlich erschreckt mich die große Zahl der Menschen, die unserer Kirche den Rücken gekehrt haben", kommentiert Generalvikar Klaus Pfeffer die aktuelle Kirchenstatistik. Der Kirche werde "dadurch schonungslos vor Augen geführt, wie sehr wir uns von weiten Teilen unserer Gesellschaft entfernt haben". Viele Menschen verstünden nicht mehr, welche Bedeutung Glaube und Kirche für ihr persönliches Leben und für die Gesellschaft haben könnten, so Pfeffer. "Für mich ist das ein klarer Auftrag, dass wir unsere Arbeit und unser Wirken als Kirche mit noch größerer Selbstkritik hinterfragen müssen. Mit unserem Zukunftsbild versuchen wir das", sagt der Generalvikar und verweist auf das "moderne Leitbild", an dem das Bistum derzeit arbeitet. "Wir wollen eine Kirche sein, die in unserer Region interessant und berührend ist für alle Menschen. Wer an den christlichen Gott glaubt, soll bei seinen Platz finden", so Pfeffer.

Gleichzeitig warnt der Generalvikar vor Pessimismus. "Wir brauchen den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Wir leben nun einmal in einer Zeit, in der große Organisationen und Institutionen kritisch gesehen werden und Menschen sich nicht mehr so selbstverständlich an sie binden wie in der Vergangenheit", so Pfeffer. Umso ermutigender sei es, "dass nach wie vor erstaunlich viele Menschen mit uns auf dem Weg sind. Dabei denke ich nicht nur an die mehr als 800 000 Mitglieder unserer Kirche im Ruhrbistum. Beeindruckend finde ich immer wieder das Engagement der vielen tausend ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Gemeinden, Verbänden, Krankenhäusern, Altenheimen oder den vielen anderen sozialen Einrichtungen unserer Kirche", so Pfeffer.

Diese Menschen gehörten genauso zur Kirche, wie zum Beispiel die vielen Kinder und Jugendlichen, die katholische Schulen und Kindertagesstätten besuchten oder in den Jugendverbänden und -einrichtungen aktiv seien.

Allein die bistumsweit organisierten Verbände wie die Frauengemeinschaft kfd, der Sportverband DJK oder die im BDKJ organisierten Jugendverbände im Ruhrbistum zählen insgesamt rund 130 000 Mitglieder. Rund ein Viertel von ihnen engagiert sich zudem aktiv ehrenamtlich in den Verbänden.

Ausgesprochen beliebt sind nach wie vor die katholischen Schulen und Kindertagesstätten im Bistum Essen. 8150 Schülerinnen und Schüler (plus 132) besuchen im neuen Schuljahr die Bischöflichen Schulen im Ruhrbistum. Ausdrücklich genannt wird in diesem Zusammenhang das St.-Hildegardis-Gymnasium in Duisburg. Insgesamt arbeiten in Bistumsschulen 755 Lehrerinnen und Lehrer. In den gut 270 katholischen Kindertagesstätten des Kita-Zweckverbands wurden im vergangenen Jahr gut 16 700 Kinder betreut.

"Wir sind eine tolle, starke und wunderbar vielfältige Gemeinschaft, mit der ich gerne gemeinsam unterwegs bin, um zu zeigen, was an Kraft und Reichtum in unserem Glauben steckt", sagt Generalvikar Pfeffer. Dieser Reichtum drücke sich in der aktuellen Statistik unter anderem in der Zahl der Gottesdienstbesucher aus: Knapp 70 500 Katholiken besuchen im Schnitt an einem Wochenende im Ruhrbistum eine Heilige Messe, der Anteil von 8,6 Prozent blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu stabil.

Das gleiche gelte auch für die Zahl der Erstkommunion-Kinder (5469). Die Zahl der Trauungen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Gezählt wurden im vergangenen Jahr 1282 katholische Trauungen.

Quelle: RP
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