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Duisburg
Zeit zum Träumen im Landschaftspark

Duisburg: Zeit zum Träumen im Landschaftspark
Die drei Powerfrauen von Laing treten in der Gebläsehalle auf. FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Duisburg. Bezaubern, anspruchsvoll, überraschend: Das Traumzeitfestival begeistert am Wochenende seine Besucher. Von Jonas Schlömer

Schon auf dem Parkplatz konnten die Besucher des Landschaftsparks Nord den Sound von Duisburgs prestigeträchtigstem Festival hören. Die Traumzeit ging in die nächste Runde, noch lauter und noch poppiger als in den Jahren zuvor.

Nach dem traditionellen Knappenchor lag es am Freitag an den Duisburger Lokalmatadoren von "Paperstreet Empire", das Festival mit klassischem, englischen Indie-Rock-Pop zu eröffnen. Ein großartiges Konzert spielte dann "Calexico" in der Kraftzentrale und kreiste musikalisch um Jazz, Latin und Country. Danach manövrierte sich der Traumzeit-Freitag endgültig in seichtere Fahrgewässer, beispielsweise mit den drei Powerfrauen von "Laing". Die legten ihren hervorragenden Harmoniegesang über einen Teppich aus Drum- und Synthiesound und hatten noch genug Kapazitäten, um robotergleiche Tanzperformances aufs Parkett zu bringen.

Das, und der pulsierende 80er-Jahre Discosound im Hintergrund, verführte auch einige Zuschauer zum Tanzen - was in der bestuhlten Gebläsehalle verboten war. Während die Zuschauer zur nächsten Venue wanderten oder sich mit Bier und Currywurst stärkten, lieferten die "Easy Snappers" aus Duisburg druckvollen Ska-Sound, so druckvoll sogar, dass er noch bis in die Gießhalle zu hören war. Allerdings nur, bis "Wanda" ihr Set eröffnete, denn die österreichischen Rock-Popper waren vor allem eins: laut. Stilistisch bewegten sich die Musiker irgendwo zwischen den Rolling Stones und der ZDF-Hitparade, leider ging ein Großteil der musikalischen Raffinesse in der schwierigen Akustik der Gießhalle verloren.

Eine Mischung zwischen den Rolling Stones und der ZDF-Hitparade: Die österreichischen Rock-Popper von Wanda in der Gießhalle. FOTO: Christoph Reichwein

Der Däne Teitur hatte wenig später in der Gebläsehalle keine Probleme mit dem Sound, was vor allem an den minimalistischen Klavierarrangements des Singer-Songwriters lag. Etwas viel Pathos konnte man dem Geschichtenerzähler aus dem Norden vorwerfen, allerdings nur bis er vom Klavier zur Gitarre wechselt und sich ein Streichquartett zu ihm auf die Bühne gesellte.

Mit einer klasse Band trat auch Olli Schulz auf die Bühne der Gießhalle und entfachte mit seiner lockeren Art, viel Konfetti und leichten Liedern über die Liebe eine ausgelassene Stimmung.

Der Traumzeit-Samstag stand beinahe komplett im Zeichen der musikalischen Geschichtenerzähler. "Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi" zum Beispiel begeisterten das Publikum mit minimalistischen Arrangements und schlauen Texten, genauso wie mit Textkleinoden wie "Wir klingeln an der Tür / bringen Rhythmus und Kuchen". Je länger das Konzert dauerte desto verrückter wurden die Nummern, sehr zur Freude des Publikums.

In der Giesshalle konnten die Zuschauer derweil das uneheliche Kind von Falco und Aerosmith bestaunen: Bilderbuch. 80er-Jahre Synthpop traf auf Stadion-Rock und bieder-anrüchige Texte, das Publikum war aus dem Häuschen.

Das Highlight des Tages lieferte am gleichen Ort wenig später Sophie Hunger. Mit reduzierten, Jazz-nahen Kompositionen lieferte die Schweizerin mit ihrer Band Musik, die wesentlich komplexer war als die meisten anderen Festivalbeiträge. Die Künstlerin, selber eine begnadete Solistin, bot auch ihrer Band eine Bühne, und so wurde das Publikum Zeuge einiger hervorragender Flügelhornsoli. So zog am Rande der Nacht, dank Improvisation und offenen, jazzigen Akkorden, tatsächlich der Geist der alten Traumzeit durch das Industriegelände.

Quelle: RP
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