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Duisburg
Zeitenwende in der Automobilindustrie

Duisburg. Ein gewaltiger Innovationsschub steht bevor, sagt Wirtschaftswissenschaftler Professor Dudenhöffer.

Das Auto und seine Branche erfinden sich seit 130 Jahren ständig neu. Der gewaltigste Innovationssprung steht kurz bevor, weiß Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer. Der Automobilwirtschaftsexperte der Universität Duisburg-Essen (UDE) wirft in einer neuen Publikation* einen Blick in die Zukunft der Mobilität. Ausgangspunkt der Analyse sind die Probleme, die überwunden werden müssen: Wenig Parkraum, Verkehrstote und Verletzte, Staus, Lärm und Abgase. Dudenhöffer: "Dafür gibt es aber bereits Lösungen, die in den kommenden zehn Jahren umgesetzt werden. Das 'System Auto' wird sich grundlegend verbessern und wichtiger Bestandteil eines integrierten Verkehrssystems werden." Das Auto wird dann kein isoliertes Fortbewegungsmittel sein, sondern Teil einer vernetzten Mobilitätswelt. Auslöser für den Modernisierungsschub sind naturwissenschaftliche und technische Erkenntnisse. Dank Lithium-Ionen-Batterien können Autos heutzutage ohne Abgase fahren. "Und mit künstlicher Intelligenz marschieren wir schnurstracks ins Zeitalter der autonom fahrenden E-Mobile", so Dudenhöffer. Dazu kommt dann noch die 'Schwarmintelligenz': Ein Kfz wird viel stärker gemeinschaftlich genutzt. Alles in allem: Die Automobilindustrie wird sich in den nächsten fünf Jahren tiefgreifender wandeln als in den letzten fünf Jahrzehnten.

Der Fall VW zeige, so Dudenhöffer, dass die Branche noch Hausaufgaben zu abzuarbeiten hat: u.a. das Bewältigen der immer größeren Rückrufwellen, ein neu zu ordnender Vertrieb und das Realisieren eines "Billigautos". Sonst wird sie von Herausforderern wie Apple, Google, Tesla und Uber sprichwörtlich überrollt. Dudenhöffer: "Deutschland muss endlich schneller werden, vor allem auch beim Ausbau seiner Infrastruktur." Dies zeige sich exemplarisch am schleppenden Ausbau der Elektromobilität.

Seit 2007 kümmerten sich insgesamt 14 Bundesminister abwechselnd um dieses Zukunftsthema mit enttäuschenden Ergebnissen. Deutschland hängt meilenweit hinterher, z.B. im Vergleich mit den Niederlanden. Dort wurden 2015 fast doppelt so viel E-Autos verkauft, wie insgesamt überhaupt auf deutschen Straßen rollen, obwohl der niederländische PKW-Markt nur ein Siebtel des deutschen beträgt. Der unvermeidliche Wandel in Richtung Elektromobilität betrifft 750.000 Beschäftigte in der deutschen Automobilindustrie. Auch das Vertriebssystem muss Federn lassen: "Für den klassischen Autohandel bricht mit der Sharing Economy, dem Internet und dem automatisierten Fahren eine Welt zusammen", so Dudenhöffer.

Die neue Mobilitätswelt treibt aber auch das Wachstum der Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft voran, etwa im Bereich der Energiespeichertechnik mit besseren Batterien und entsprechender Leistungselektronik. "Die Energie- und Mobilitätswelt können zusammenwachsen. In der Welt der Rohöle und Verbrennungsmotoren wäre das nie möglich", so Dudenhöffer.

*Ferdinand Dudenhöffer, Wer kriegt die Kurve? Zeitenwende in der Automobilindustrie, Frankfurt/Main 2016

Quelle: RP
 
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