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Duisburg
Zocken, bis kein Geld mehr da ist

Duisburg: Zocken, bis kein Geld mehr da ist
Der Duisburger Robert Fuchs* suchte vor 20 Jahren Ablenkung beim Glücksspiel - und wurde süchtig. FOTO: Markus Scholz (dpa)
Duisburg. Die Chance auf den großen Gewinn reizt viele Menschen: Mit nur kleinem Geldeinsatz winkt bei Glücksspielen und Sport-Wetten der vermeintliche Jackpot. Manche werden süchtig - und verlieren alles. Von Tom Nebe (Dpa)

Es ging nicht um den Gewinn von Geld. Es war Ablenkung, die Robert Fuchs* suchte, als er vor gut 20 Jahren das erste Mal an einem Spielautomaten zockte. Damals war seine erste große Liebe zerbrochen und mit ihr der Freundeskreis des Duisburgers. Die Kneipe mit dem Spielautomaten brachte ihn auf andere Gedanken. "Ich habe mich dort beschäftigt gefühlt. Ob ich Geld gewonnen habe, weiß ich nicht mehr." Für den heute 40-Jährigen war es rückblickend eine fatale Entscheidung, Ablenkung im Glücksspiel zu suchen. Heute hat er drei Therapien hinter sich, mehrere Beziehungen sind zerbrochen und geschätzt hat er 200 000 Euro verspielt.

Glücksspielsüchtigen gehe es nicht in erster Linie um Geld, sagt Sucht- und Sozialtherapeut Ulf Weidig, "sondern um das Erleben". Sie glauben, dass sie nach ihren ersten Erfolgen nur häufig genug spielen müssen, bis ihnen wieder ein großer Wurf gelingt und eventuelle Schulden beglichen werden können.

2011 ermittelte eine Studie, dass es in Deutschland schätzungsweise eine halbe Million süchtige Glücksspieler gibt. Ihr Verhalten gilt als psychische Störung. Darüber hinaus haben rund 3,5 Millionen Menschen Probleme mit Glücksspiel.

Robert Fuchs spielte jedes Mal, bis nichts mehr ging: "Ich habe erst aufgehört, wenn das Geld aus war oder der Laden zugemacht hat." Obwohl er ordentlich verdiente, etwa 2500 Euro im Monat, geriet er ständig in Geldnot. Er beklaute seinen Arbeitgeber und sogar seine Lebensgefährtin. "Nach außen war ich ein vertrauenswürdiger Mensch."

Auffällig bei Spielsüchtigen ist akuter Zeit- und Geldmangel, sagt Weidig. "Oft trotz gutem Einkommen und geregelter Arbeitszeit." Stimmungsschwankungen seien ebenfalls ein Anzeichen. Wenn Spieler nicht spielen können, werden sie unruhig. Betroffene selbst sind große Verdrängungskünstler, die ihre Sucht nicht als Problem wahrnehmen. "Das Suchtverhalten dominiert in aller Regel die Vernunft, was als wesentliches Merkmal aller Suchterkrankungen gilt", erklärt Weidig. Oft müsse erst eine persönliche Katastrophe passieren, damit die Spielsüchtigen ihr Problem erkennen.

"Nahe stehende Personen sollten Spielsüchtigen klar die Konsequenzen aufzeigen", weiß Fuchs. Konkret heißt das: "Zugang zu gemeinsamen Geldern sperren, mit dem Auszug drohen -- und das im Zweifel auch in die Tat umsetzen." Fuchs will damit nicht sagen, dass Angehörige Spielsüchtige fallen lassen sollen. Aber: "Wenn Androhungen folgenlos bleiben, macht ein Glücksspielsüchtiger einfach weiter." Nicht selten geraten Angehörige in die Schuldenfalle, weil sie Kredite übernehmen oder Geld verleihen, heißt es im Buch "Pathologisches Glücksspielen" von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). "Mit dem Geld unterstützen Angehörige in der Regel allerdings nicht die geliebte Person, sondern den glücksspielsüchtigen Anteil des Menschen."

Betroffenen helfe nur eine Therapie, sagt Weidig. 60 Prozent derjenigen, die bei ihm eine Therapie absolvieren, hätten eine gute Chance, nachhaltig spielfrei zu werden. Geheilt werden kann man nicht, Glücksspielsucht ist eine chronische Erkrankung. "Realistisches Therapieziel ist eine zufriedene und stabile Abstinenz."

Robert Fuchs hat mehrere Rückfälle erlebt. Aktuell ist er spielfrei - und ohne Arbeit. In seinen alten Job als Industriekaufmann kann und will er nicht zurück. "Geld ist für mich gefährlich, ich kann es für andere nicht verwalten." Fuchs macht nun eine Umschulung im sozialen Bereich. Er habe gerade kein Vermögen, das sei jedoch nicht schlimm. "Alle Schulden sind bezahlt, es fehlt an nichts." Er ist abstinent. Geheilt sein wird er nie.

* Name geändert

Quelle: RP
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