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Duisburg
Zoo Duisburg trauert um Orang-Utan "Nieas"

Ausbruch aus Duisburger Zoo: Orang-Utan erschossen
Ausbruch aus Duisburger Zoo: Orang-Utan erschossen FOTO: : Zoo Duisburg, Kuster/www.zoo-foto.de
Duisburg. Weil ein Pfleger das Gehege nicht verschlossen hatte, ist ein Orang-Utan ausgebrochen. Laut Zoodirektor Achim Winkler gab es zu dem tödlichen Schuss auf "Nieas" keine Alternative. Von Sandra Kaiser

Die Mitarbeiter sind immer noch entsetzt. "Wir sind sehr betrübt, haben in der Nacht kaum geschlafen, und es sind auch Tränen geflossen." So fasste Zoodirektor Achim Winkler am Dienstag die Gefühlslage zusammen, nachdem am Montagabend ein Orang-Utan-Männchen ausgebrochen war und erschossen werden musste.

Menschliches Versagen war laut Winkler der Grund, warum der 26 Jahre alte "Nieas", der im Duisburger Zoo großgezogen wurde und dort sein ganzes Leben verbrachte, aus seinem Gehege ausreißen konnte. Ein laut Winkler sehr erfahrener Pfleger habe den Schieber der Gehegetür nicht gesichert. So konnte das Tier in den Pflegertrakt des Affenhauses gelangen. Was dann passierte, zeugt von der hohen Intelligenz der Orang-Utans: "Nieas" sah, dass sich hinter einer zweiten Tür ein weiteres Männchen mit seiner Familie befand. Aus eigener Kraft betätigte er den Schieber dieser Tür und öffnete sie. "Die können das. Das sind bedächtige Tiere, Tüftler. Sie sind Panzerknacker par excellence", so Winkler.

FOTO: Andreas Probst

Für "Nieas" waren diese Eigenschaften, die Menschen immer wieder verwundern, allerdings fatal: Er stand plötzlich dem viel jüngeren und angriffslustigen "Bayu", zwölf Jahre alt, gegenüber. "Wir waren ja nicht dabei. Aber die beiden müssen richtig aufeinander losgegangen sein", vermutet der Duisburger Zoodirektor. So heftig, dass "Nieas" Reißaus nahm und durch ein geöffnetes Oberlicht verschwand. Panisch irrte er draußen herum, völlig verschreckt, weil er sich nicht mehr in seinem vertrauten Umfeld befand. So entdeckte ihn gegen 18.30 Uhr ein Zoo-Mitarbeiter und schlug sofort Alarm.

"Einfangen war keine Option. Viel zu gefährlich", sagt Winkler. Die rund ein Dutzend Pfleger und Tierärzte hätten ihn mit Pfeilen narkotisieren wollen. "Aber dann drohte das Tier über einen Außenzaun zu klettern und das Zoogelände zu verlassen. "Da war Narkose keine Alternative mehr", so der Zoodirektor. "Es hätte zwei Pfeile gebraucht. Und die Wirkung hätte erst in frühestens zehn Minuten eingesetzt. In dieser Zeit wäre er bereits auf der Straße gewesen, hätte einen Autounfall verursacht. Und wäre er einem Menschen begegnet - nicht auszumalen, was dann passiert wäre", so Winkler. "Ein mehr als 100 Kilogramm schwerer Orang-Utan ist sieben Mal so stark wie ein Mensch. Das hätte niemand überlebt." Der Einsatz einer scharfen Waffe sei deshalb alternativlos gewesen, "auch wenn uns das unheimlich traurig macht".

FOTO: Pressefoto Andreas Probst

Zoobesucher befanden sich zu der Zeit zwar noch auf dem weitläufigen Gelände, aber nicht in unmittelbarer Nähe des Affenhauses. "Zu keiner Zeit bestand Gefahr für sie", betont Winkler. Polizei und Feuerwehr, die hinzugerufen worden waren, um das Affenhaus zu sichern, mussten nicht eingreifen. Denn das zweite Männchen "Bayu" hatte den Pflegertrakt zum Glück nicht verlassen. Die Tierärzte konnten es betäuben und zurück in sein Gehege bringen. Die übrigen vier Orang-Utans, Weibchen sowie Junge, waren in ihren Gehegen geblieben.

Der Zoo will jetzt darüber nachdenken, wie die ohnehin schon mehrfach gesicherten Türen und Schleusen noch sicherer gemacht werden können. "Aber bei menschlichem Versagen kann man wenig machen. Es darf nicht passieren. Aber man kann es leider nie ganz ausschließen", so Winkler. Ob der Pfleger, der die Tür offen ließ, mit Konsequenzen rechnen muss, steht noch nicht fest. "Ihm geht es furchtbar. Er ist erst einmal gestraft genug", sagt Dr. Jochen Reiter, wissenschaftlicher Leiter des Zoos.

Ankunft in England: Orang-Utan-Baby Rieke lebt sich schnell ein FOTO: dpa, fpt

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert nach dem Vorfall in Duisburg die Zoo-Haltung der Orang-Utans. Den sozial und kognitiv sehr hoch entwickelten Tieren sei in Gefangenschaft kaum gerecht zu werden, sagt Sprecher Marius Tünte. Auch die Tierrechtsorganisation Peta Deutschland übt Kritik an der Haltung von Menschenaffen in zoologischen Einrichtungen. "Orang-Utans, Gorillas und Schimpansen sind dem Menschen derart ähnlich, dass sie (...) die Ausweglosigkeit ihrer Situation in Gefangenschaft erkennen. Dabei können die intelligenten Tiere (...) Zustände wie Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit erleben", schreibt sie und fordert ein Import- und Nachzuchtverbot für Menschenaffen in Gefangenschaft.

Zoodirektor Winkler kontert. Der Ausbruch habe absolut nichts damit zu tun gehabt, dass "Nieas" habe flüchten wollen. Die Situation habe sich aufgeschaukelt, als die beiden Männchen sich plötzlich gegenüber gestanden hätten. Nicht ohne Grund lebten sie in getrennten Gehegen. "Nieas" sei aus Furcht vor "Bayu" geflohen. Draußen sei er in Panik geraten, weil er sich dort nicht auskannte. "Seine Flucht hatte absolut nichts mit Verzweiflung zu tun, weil er in einem Zoo lebt."

Quelle: RP
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