| 18.16 Uhr

Zoodirektor aus Duisburg
"Delfine hätten die Aktivisten sogar töten können"

Duisburg: Zoodirektor Achim Winkler verurteilt Protestaktion im Delfinbecken
Delfine springen im Delfinarium im Duisburger Zoo bei einer Vorführung aus dem Wasser. Hier kam es am Wochenende zur Protestaktion (Archivbild). FOTO: dpa, os mhe
Duisburg. Vermeintliche Tierschützer haben im Duisburger Zoo eine voll besetzte Delfinshow gestört. Sie sprangen zu den Tieren ins Wasser. Die Säuger blieben ruhig. Nach Angaben des Zoodirektors hätte der Vorfall aber auch tödlich ausgehen können. Von Christian Schwerdtfeger

Es ist kurz nach halb drei am Sonntagnachmittag, als die letzten der rund 1200 Besucher des Delfinariums im Duisburger Zoo ihre Plätze einnehmen, darunter viele Familien mit Kindern. Sie alle freuen sich auf die Vorführung der Meeressäuger, die gleich beginnen soll. Doch plötzlich stürmen fünf junge Männer und Frauen in schwarzen Neoprenanzügen in die überdachte Arena und springen ins Becken zu den Delfinen. Im Wasser halten sie Plakate hoch mit Aufschriften wie "Das Meer ist ihr Zuhause" und "Dies ist Tierquälerei."

Publikum dreht den Aktivisten den Rücken zu

Das Publikum hält nichts von der Protestaktion. Fast alle drehen den vermeintlichen Tierschützern demonstrativ den Rücken zu, einige Zuschauer wollen ihnen sogar an den Kragen und sie eigenständig aus dem Wasser ziehen. Tierpfleger, die am Beckenrand stehen, gehen dazwischen und beruhigen die Gemüter. Nach einer Viertelstunde trifft die Polizei ein und nimmt die Aktivisten vorläufig fest. Der Zoo erstattet Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Die Delfin-Show beginnt mit Verspätung.

Bei den Festgenommen handelt es sich um drei Niederländer und zwei Spanier zwischen 24 und 42 Jahren, die Mitglieder der sogenannten "Vegan Strike Group" (vegane Protestbewegung) sind, die sich nach eigenen Angaben europaweit für die Schließung der Delfinarien einsetzt. Die Gruppierung hat in diesem Jahr auch schon Delfin-Shows in Madrid, Valencia, Gran Canaria und Brügge gestört. Aber auch bei einem Stierkampf in Spanien sind sie schon auf die Kampffläche gestürmt.

Am Tag nach dem Vorfall steht Zoodirektor Achim Winkler am Beckenrand und beobachtet die Delfine. Er ist immer noch tief bestürzt. Mit Tierschutz habe ein solches Verhalten rein gar nichts zu tun, betont Winkler. Die selbst ernannten Tierschützer hätten in Kauf genommen, dass sie die Delfine in Angst und Schrecken versetzen. Unter den Tieren, die zu dem Zeitpunkt im Becken gewesen sind, hat sich auch das nur wenige Monate alte Jungtier "Debbie" befunden.

Duisburg: Delfin "Debbie" kommt zur Familie FOTO: dpa, cas pil

"Die Gesundheit und das Wohl der Tiere scheint diesen Menschen offensichtlich völlig egal zu sein "sagt Winkler, der froh ist, dass bei der Aktion nichts Schlimmes passiert ist. Den Delfinen gehe es gut. Sie hätten sich vorbildlich verhalten und seien ruhig geblieben, was keineswegs selbstverständlich sei, wie der Zoodirektor betont. "Sie hätten die Aktivisten auch angreifen und schwer verletzen oder sogar töten können. Sie sind schließlich in ihr Revier eingedrungen und den Tieren völlig fremd gewesen", sagt Winkler.

Zoodirektor Achim Winkler verurteilt die Aktion der Aktivisten im Delfinbecken. (Archivbild) FOTO: Reichwein

Die Verantwortlichen des Duisburger Zoos vermuten, dass es den Aktivisten, nur darum gegangen sei, sich in den sozialen Medien darzustellen. Und tatsächlich haben sie Fotos von ihrer Aktion auf ihre Facebookseite gestellt. Dort schreiben sie auch, dass sie mit der Störung der Delfin-Show in Duisburg eine internationale Aufmerksamkeit erzeugt und damit wirkungsvoll auf das Leiden der Tiere hingewiesen hätten.

Doch selbst andere Tierschutzorganisationen, die nichts von Delfinen in Gefangenschaft halten, kritisieren die Aktion der "Vegan Strike Group". Das Wal-und Delfinschutz-Forum" (WDSF), das ebenfalls seit Jahren gegen die Delfinhaltung protestiert und deshalb auch schon gegen den Duisburg Zoo vor Gericht gezogen ist, kritisiert die Aktion. "Das, was die gemacht haben, halte ich für sehr bedenklich. Die Delfine müssen irritiert gewesen sein, als die Unbekannten zu ihnen ins Becken gesprungen sind", sagt der Geschäftsführer des WDSF, Jürgen Ortmüller. Die Proteste, so betont er, müssten immer legal sein und sachlich bleiben – so sehr man die Delfinhaltung auch ablehne.

Der Duisburger Zoo steht wegen seiner Meeressäuger seit Jahren in der Kritik. Die Tierschützer werfen dem Tierpark vor, dass die Haltung er Delfine nicht ansatzweise artgerecht sei – und viele Tiere deshalb zugrunde gehen würden. Tatsächlich ist die Aufzucht von Delfinen in Gefangenschaft nicht einfach. Immer wieder verenden Delfine im Zoo. Vor allem Jungtiere. Sie besitzen kein Immunsystem, schon ein an sich harmloser Virus kann den Tod herbeiführen. Zuletzt war im vergangenen Dezember ein Jungtier im Duisburg Zoo gestorben.

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