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Duisburg
Zurück am Ort für Experimente

Duisburg: Zurück am Ort für Experimente
Gerhard Stäbler (rechts) und Kunsu Shim vor ihrem Künstlerhaus Atelier EarPort im Garten der Erinnerungen im Innenhafen. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Die Komponisten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim kehren an den EarPort im Innenhafen zurück, den sie bereits in den Jahren 2000 bis 2010 zu einer Stätte für zeitgenössische Musik und Kunst gemacht haben. Neuer Vertrag läuft bis 2025. Von Peter Klucken

Kein Blick zurück im Zorn: Gerhard Stäbler und Kunsu Shim kehren vielmehr mit spürbarer Freude an den EarPort zurück, den sie vor fünf Jahren nach gescheiterten Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung verlassen hatten. Unter die Abschiedsgeschichte von damals haben die beiden Komponisten einen Strich gezogen. Jetzt freuen sich beide darüber, dass sie im ehemaligen Haus Trinks am Innenhafen an ihre schönen zehn Jahre in Duisburg anknüpfen können.

In den Jahren 2000 bis 2010 hatten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim das einstige Handels- und Lagerhaus zu einer Stätte für zeitgenössische Musik und Kunst gemacht. Nach ihrem Wegzug stand das 380 Quadratmeter große Gebäude leer. Als wir gestern Gerhard Stäbler und Kunsu Shim im EarPort besuchten, waren beide mit Einrichtungsarbeiten beschäftigt.

Den Vertrag mit der Stadt beziehungsweise der Gebag haben beide bereits vor einigen Wochen unterschrieben. Nach diesem neuen Vertrag können die Komponisten das gesamte Gebäude zehn Jahre lang zu einem reduzierten Mietpreis nutzen. Im Gegenzug verpflichten sich Stäbler und Kunsu Shim dazu, öffentliche Veranstaltungen im EarPort beziehungsweise im Garten der Erinnerung durchzuführen und für die Ausstattung und den Unterhalt des großen Gebäudes zu sorgen. Dazu gehört beispielsweise die Anschaffung von 50 Stühlen - und eines Konzertflügels, der so viel wie ein Golf kostet.

Die Stühle und der Konzertflügel gehören künftig zur Ausstattung des neuen Publikumssaals, der dort eingerichtet wird, wo früher die Galerie DKM von Klaus Maas und Dirk Krämer beheimatet war. In diesem 110 Quadratmeter großen Raum sollen ab Dezember Konzerte, Lesungen und andere öffentliche Veranstaltungen durchgeführt werden. Im Erdgeschoss des früheren EarPorts wird eine "Werkstatt" für zeitgenössische Musik und Kunst eingerichtet. In dieser "Werkstatt" können Gerhard Stäbler und Kunsu Shim ihre Veranstaltungen vorbereiten, Konzerte einstudieren oder auch mit Gastkünstlern zusammenarbeiten.

Im Stockwerk darüber befinden sich, genau wie früher, die Wohn- und Arbeitsräume der Komponisten. In der ersten Etage des anderen Gebäudeteils richten die beiden zurzeit Büros ein. Dort soll es demnächst auch ein Archiv für die eigenen Werke im Besonderen und für zeitgenössische Musik im Allgemeinen geben.

Die Arbeitsbedingungen seien, so Stäbler, noch besser als in den Jahren 2000 bis 2010, weil zum EarPort jetzt das gesamte Haus Trinks und nicht nur eine Hälfte gehört. Allerdings bedeutet die Übernahme des gesamten Gebäudes auch mehr Arbeit, denn im Vertrag ist festgeschrieben, dass Gerhard Stäbler und Kunsu Shim selber für die Pflege und Sauberhaltung des Hauses sorgen müssen.

"Wir wollen den EarPort wieder zu einem Ort für Experimente machen", sagten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim gestern. Zeitgenössische Musik sowie unkonventionelle Klang- und Hörerlebnisse würden dabei im Mittelpunkt stehen, doch wollen die beiden auch andere künstlerische Sparten einen Anker im EarPort bieten. Angestrebt werde die Zusammenarbeit mit den Duisburger Museen, mit dem Tanz-Ensemble "The Roof", der Folkwang-Universität und den Duisburger Philharmonikern.

Zurzeit arbeiten Stäbler und Kunsu Shim bereits regelmäßig mit dem achtköpfigen Ensemble Crush und der Sopranistin Alexandra von der Weth zusammen, einst gefeierte Solistin der Rheinoper, die zwischenzeitlich stimmliche Probleme hatte, diese aber überwinden konnte und nun wieder auf der Höhe ihrer Spitzenkunst ist. Stäbler und Kunsu Shim wollen auch Autoren für Lesungen und Performances an den EarPort holen.

Im Oktober wollen sie ihre Pläne für die kommenden Monate öffentlichen vorstellen. Für Anfang Dezember ist die erste Performance geplant. Der EarPort soll sowohl Künstlern der Region als auch internationalen Gästen ein Forum bieten.

Dabei wollen Stäbler und Kunsu Shim, die Ende des Monats zu einer dreiwöchigen Gastspielreise in die USA aufbrechen, ihre internationalen Kontakte nutzen.

Quelle: RP
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