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Rp-Opernscouts
Zwei erstklassige Sopranistinnen

Rp-Opernscouts: Zwei erstklassige Sopranistinnen
Ariadne auf Naxos: Szene mit Corby Welch (Bacchus) und Karine Babajanyan (Ariadne). Die sängerischen Leistungen waren in der Duisburger Übernahme-Premiere überragend. FOTO: Florian Merdes (DOR)
Duisburg. Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg übernahm ihre erfolgreiche Produktion der Oper "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss in der Inszenierung von Dietrich Hilsdorf in ihr Duisburger Haus. Einhelliger Beifall. Von Ingo Hoddick

Vor 100 Jahren wurde die endgültige Fassung von "Ariadne auf Naxos", der "Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel" von Richard Strauss (Musik) und Hugo von Hofmannsthal (Text) in Wien uraufgeführt und hat längst die Bühnen der Welt erobert. Ihre verwickelte Entstehungsgeschichte spiegelt sich im Vorspiel, wo ein junger Komponist kurz vor der Uraufführung seiner tragischen Oper über die von Theseus verlassene Ariadne wohl oder übel dem Befehl des "reichsten Mannes der Stadt" zustimmen muss, dass gleichzeitig eine Komödiantentruppe auftritt. In der dann als Theater auf dem Theater gegebenen eigentlichen Oper verschwimmen schließlich Komödie und Tragödie, Mythos und Ironie. Ariadne erwartet den Todesgott oder vielmehr - wie ihre komödiantische Gegenspielerin Zerbinetta meint - ihren nächsten Liebhaber, der erscheint dann in Form des Festgottes Bacchus.

Es geht also um das Musiktheater an sich, das feinmaschige Netz der Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen Künstlern und ihrer Kunst, den Auftraggebern und Besuchern. Der Witz liegt darin, dass wir als Publikum sozusagen hinter die Kulissen schauen und den allzu menschlichen Hintergrund der musiktheatralischen Illusion zu sehen bekommen.

Dietrich Hilsdorf ging in seiner 150. Regiearbeit so weit wie möglich auf die ursprünglichen Absichten von Strauss und Hofmannsthal zurück. Es wird schon die endgültige Fassung gespielt, aber der Charakter insbesondere des Vorspiels als "Verständigungsprobe" wird herausgestellt, immer wieder hart an der Grenze zur Parodie. Das Orchester sitzt diesmal nicht in einem Orchestergraben, sondern mit auf der Bühne. Die Sänger agieren hier also vor dem Orchester und somit viel näher am Publikum als sonst. Auf diese Weise sind die geistvollen Feinheiten der Musik und vor allem auch des Textes viel besser zu verfolgen. Hilsdorfs oft erhellende Personenführung tut ein Übriges.

In der Duisburger Übernahmepremiere waren alle 17 Solorollen vorzüglich besetzt. Allen voran zwei erstklassige Sopranistinnen, die ihren Partien bewegende menschliche Tiefe verliehen: Karine Babajanyan als Primadonna im Vorspiel und als Ariadne - mit dem sprichwörtlichen (hier natürlich roten) Faden - in der Oper mit lyrischen Linien, vor allem in ihrer großen Arie "Es gibt ein Reich, wo alles rein ist", und Heidi Elisabeth Meier als Zerbinetta mit kecken Koloraturen, vor allem in ihrer großen Arie "Großmächtige Prinzessin ... Als ein Gott kam jeder gegangen". Sehr gut auch die Mezzosopranistin Katarzyna Kuncio als wunderbar idealistisch-verzweifelter Komponist und Corby Welch mit der kurzen, aber mörderisch schweren Partie als Tenor und Bacchus. Erwähnt werden müssen zumindest noch drei weitere, gute Sopranistinnen, nämlich Elena Fink, Eva Bodorová und Maria Popa als die Nymphen Najade, Echo und Dryade. Der Dirigent Wen-Pin Chien erfasste auch mit den 37 Musikern der Duisburger Philharmoniker recht gelungen die Dialektik von kammermusikalischer Transparenz und sinnlicher Opulenz. Der Beifall war einhellig.

Quelle: RP
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