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Duisburg
Zwischen Krimi und Kabarett

Duisburg. Kai Magnus Sting, 1978 in Duisburg geborener Kabarettist, las in der Zentralbibliothek für den Verein für Literatur und Kunst aus seinem Kriminalroman "Leichenpuzzle". Es wurde ein lustiger Abend. Von Ingo Hoddick

Im Prolog überlegt sich ein Mann, der einem anderen mit der Axt den Schädel gespalten hat, wie er die Leiche am besten in Einzelteile zerlegt. Im ersten Kapitel findet dann eine Frau ihren Ehemann tot in der Badewanne, an den sonst so sauberen Wandfliesen klebt Blut und Hirn, in der Hand hält der Tote eine Pistole. Kai Magnus Sting, 1978 in Duisburg geborene Kabarettist, fängt fulminant an mit seinem Kriminalroman "Leichenpuzzle", aus dem er jetzt für den Verein für Literatur und Kunst in der Zentralbibliothek las.

"Ist Ihnen das zu blutrünstig, was ich hier lese?", fragte Sting nach der Pause, und da der größte Teil des Publikums verneinte, meinte er noch: "Ich habe ja auch versucht, es nett zu schreiben." Zunächst zweifelte er noch, ob seine Werke denn "Literatur" sind, entschied dann aber: "Nun ja, Daniela Katzenberger schreibt inzwischen auch Bücher." Jedenfalls las er aus seinem Krimi nur wenige Seiten und machte ansonsten aus der Veranstaltung einen Kabarettabend.

Zu Recht verließ er sich weitgehend auf seine humoristische Improvisationskunst. Seine zahlreichen Abschweifungen schrieb er den Besuchern zu ("Sie schweifen ab") und wie er es bei seinem großen Vorbild Hanns Dieter Hüsch gelernt hatte, kam er auf gut niederrheinische Art "von Höcksken auf Stöcksken". Dabei gelingen ihm immer wieder unnachahmliche Formulierungen, zum Beispiel sein angebliches Fasten-Motto: "Verzicht auf Verzicht". Und wenn er an einem Haus ein Badezimmerfenster aus Milchglas sieht, das "auf Kipp" steht, "dann frage ich mich, was dahinter gerade gelaufen ist". Das "Leichenpuzzle" spielt in Duisburg und am Niederrhein, es kommen darin der Innenhafen und das Dreigiebelhaus vor, aber alles unter anderen Namen. Kai Magnus Sting zelebriert eben eine eigenwillige Form der Heimatliebe. Wenn man ihn fragt, warum er denn "noch" in Duisburg lebt, pflegt er zu antworten: "Gerade weil!" Hier sei es "so schön schäbbich. Also nicht 'schäbig', das ist etwas anderes, sondern schäbbich." Zu großer Form lief Sting im Stadtfenster auf, als er sich durch späte Besucher der Volkshochschule gestört fühlte, denn diesmal war die Bühne im Café nicht wie sonst mit einem Vorhang abgeschirmt. "Die hatten sicher 'Häkeln ohne Wolle' oder 'Schwimmen ohne Wasser'. - Geht's gut? - Die gucken nur hoch, sagen aber nix." Das Publikum war mehr als zufrieden.

Quelle: RP
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