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Duisburg
Zwischen Ouvertüre und Trinklied

Duisburg. Für das Silvesterkonzert hatte die Deutsche Oper am Rhein nicht gekleckert. Von Ingo Hoddick

Seit einigen Jahren gibt die Deutsche Oper am Rhein am letzten Tag des Jahres an ihren beiden Standorten in Düsseldorf und Duisburg jeweils abwechselnd eine Operetten-Vorstellung und ein Großes Silvesterkonzert (die RP berichtete). Jetzt war im Duisburger Theater wieder die konzertante Variante an der Reihe, und wie immer hatte die Rheinoper zu diesem Anlass nicht gekleckert, sondern geklotzt. Aufgefahren waren wieder einmal einige ihrer größten Trümpfe, in diesem Fall je fünf vorzügliche Sängerinnen und Sänger sowie die gut motivierten Duisburger Philharmoniker unter der lebhaften Leitung des bewährten Gastdirigenten Enrico Dovico. Im ersten Teil des Abends ging es um die Italienische Oper, nach der Pause dann eher um die leichte Muse, vor allem die österreichisch-ungarische Operette. Klar, dass das Orchester erst einmal eine brillante Visitenkarte abgab, mit der groß angelegten, ebenso dramatischen wie unterhaltsamen Ouvertüre zu der Opera seria "Semiramide" von Gioacchino Rossini. Den ersten Lacher gab es, als die Sopranistin Luiza Fatyol als kokette Norina aus der Opera buffa "Don Pasquale" von Gaetano Donizetti in ihrer Auftrittsarie den Dirigenten mit einem plötzlichen lauten Spitzenton vom Pult scheuchte.

Den zweiten Teil des Abends eröffnete die Sopranistin Heidi Elisabeth Meier mit geschmeidigen Koloraturen und einigen extrem hohen Tönen, wofür sie besonders bejubelt wurde. Ihren "Frühlingsstimmen"-Walzer von Johann Strauß (Sohn) bezeichnete der moderierende Operndirektor Stephen Harrison ironisch als "Hommage an den vergangenen Monat Dezember". Harrison erinnerte sich hier daran, wie er 1981 nach Deutschland kam und zunächst bei einer alten Dame in Frankfurt wohnte. Diese habe sich gelegentlich despektierlich über "Ausländer" geäußert - als er ihr sagte, er sei doch auch ein Ausländer, habe sie gemeint: "Sie sind kein Ausländer, Sie sind Brite!" Er wisse, so Harrison, dass die Deutschen die Briten liebten, vor allem die "Last Night of the Proms", bei der der "Pomp and Circumstance March" op. 39 Nr. 1 von Edward Elgar nicht fehlen darf. Im Duisburger Silvesterkonzert konnte das Publikum zum Mittelteil "Land of Hope and Glory" mitsingen. Höhepunkt war der abschließende, mit Witz und Schwung herübergebrachte Querschnitt aus der Operette "Die Czárdásfürstin" von Emmerich Kálmán, wobei die Sopranistin Brigitta Kele ebenso wie ihre Hauptfigur Sylva Varescu aus Siebenbürgen stammt.

Als Zugabe gab es zweimal das Trinklied aus der "La traviata" von Verdi. Das Ganze war in der Tat jener "schöne, entspannte und heitere Silvesterabend", den Generalintendant Prof. Christoph Meyer im Programmheft den Besucherinen und Besuchern gewünscht hatte.

Quelle: RP
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