| 00.00 Uhr

Rees
100 Dezibel retten Tieren das Leben

Rees. Info-Veranstaltugn des Hegering Emmerich-Rees. Neues System soll Wildtiere rechtzeitig vor Mähmaschinen warnen.

Der hohe Ton, über 100 Dezibel laut, ist penetrant und schmerzhaft - für Wildtiere, nicht für Menschen, weiß Felix Streuff. Der 33-jährige Jäger, selbst Landwirt, ist Obmann für Landwirtschaft beim Hegering Rees-Emmerich. Und der will gerade Lohnunternehmer aus der Region dazu bewegen, bei der Ernte noch mehr für den Schutz von Wildtieren wie Rehen, Hasen, Fasanen, Rebhühnern und Uferschnepfen zu tun.

Deshalb hatte der Hegering, in dem 380 Jäger organisiert sind, zu einem Info-Nachmittag über "praktikable Systeme zur Rettung wildlebender Tiere" in die Gaststätte Meyboom in Empel geladen.

Wie sehr das Thema nicht nur Jäger und Landwirte bewegt, sondern auch Lohnunternehmer, die ja bekanntlich mit ihren Mega-Maschinen etwa Gras und Mais ernten, beweist die große Resonanz. "Alle, die wir angeschrieben haben, sind gekommen", freute sich Felix Streuff über das Interesse.

Weil die Ernte-Maschinen immer breiter, größer und besonders schneller geworden seien, so Streuff, hätten die Tiere kaum mehr Chancen zu entkommen, wenn sie nicht rechtzeitig gewarnt würden. Bislang würden gerade die Jäger mit ihren Hunden am Abend vor dem Ernteeinsatz durch die Felder streifen und so versuchen, die Tiere zu verjagen.

"Es gibt auch schon Kollegen unter den Landwirten, die mit Wildretter-Sirenen arbeiten", erklärte Streuff. Die Systeme seien aber meist veraltet. Er selbst habe sich ein neuartiges, in Österreich entwickeltes System angeschafft, das im Hochfrequenz-Bereich arbeite. "Das ist wirklich wirkungsvoll und wird vorne auf den Mähmaschinen angebracht. Die Tiere werden verscheucht, die Fahrer hören gar nichts von dem Geräusch", sagte der Jäger.

Und weil die erste Wildsirene so gut funktioniert, habe er sich gleich zwei weitere gekauft. Pro Stück kosten die Wildretter der neuesten Generation 90 Euro. Sie wurden bei der Info-Veranstaltung auch vorgestellt und konnten bei Interesse gleich bestellt werden.

Die Landwirte selbst haben neben dem Tierschutz ein weiteres Interesse daran, dass möglichst wenig Tiere bei der Ernte qualvoll ums Leben kommen. "Es kann passieren, dass die toten Tiere eingepresst werden und ins Futter geraten", sagte Streuff. Auf diesem Weg könnte der eigene Viehbestand mit Botulismus-Erregern infiziert werden, die wie ein Nervengift wirken.

Diese Krankheit sei so gut wie unheilbar, der Tod durch Atem-Lähmung trete etwa bei Rindern nach zwei bis sechs Tagen ein.

Ist ein Stall betroffen, muss das Vieh getötet werden. So weit er wisse, sagte Streuff, sei die Krankheit hier aber noch nie festgestellt worden.

Losgelöst von der neuartigen Wildsirene wurde über weitere Schutzmaßnahmen für Wildtiere gesprochen. So ist mittlerweile vorgeschrieben, die Ernte-Fahrzeuge auf den Feldern von innen nach außen einzusetzen. Streuff: "So können die Tiere leichter fliehen!"

Es gab auch Tipps fürs Fahrverhalten bei der Ernte. So sollte möglichst nur zwischen 9 und 20 Uhr gemäht werden, und nur mit einer Geschwindigkeit von 12 bis maximal 15 km/h.

Zudem sollten Wildscheuchen, etwa Plastiktüten, aufgestellt und, wenn möglich, vorab mit Drohnen das Gelände abgesucht werden.

Über drei Jahre lang, so Streuff, wurden 60 neuartige Wildretter-Sirenen aus Österreich getestet. Zirka 400 weitere Sirenen waren 2013 in unterschiedlichen Revierstrukturen im Einsatz. Die Ergebnisse seien signifikant, es wurden deutlich weniger Tiere bei der Ernte getötet. Während 2009 bis 2011 neun Kitze pro hundert Hektar starben, war es 2012 - nach Sirenen-Einsatz - nur noch ein Kitz pro Hektar.

(rey)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rees: 100 Dezibel retten Tieren das Leben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.