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Emmerich
2000 Biker grüßen die Gottesmutter

Emmerich: 2000 Biker grüßen die Gottesmutter
Pastor Michael Wolf, bis vor kurzem noch in Rees im Einsatz, zelebrierte den Gottesdienst an der Zeltwiese. FOTO: Binn
Emmerich. Ein Hupkonzert für Maria: Die Motorradwallfahrt schafft Momente, die es bei "normalen" Wallfahrten nicht gibt. Was vor über 30 Jahren mit einer abendlichen Spritztour begann, ist heute die zweitgrößte Wallfahrt Kevelaers. Von Matthias Riemen

Erst ein nicht enden wollendes Motorengeheul, dann plötzlich Stille und Gebet - am Wochenende prallten in der Marienstadt zwei Welten aufeinander. Zur 31. Motorradfahrer-Wallfahrt kamen Biker aus ganz Deutschland und den Nachbarländern nach Kevelaer. "Auch nach gefühlt 20 Teilnahmen immer noch ein tolles Erlebnis, vor allem die Sternenfahrt bringt echte Gänsehautmomente", sind sich Gaby und Reinhard Vollmer aus dem Kölner Raum einig. In die Kirche gehen die beiden "selten bis nie", bei der abendlichen Andacht auf dem Kapellenplatz hören sie trotzdem aufmerksam zu - und auch den Sonntagsgottesdienst in der Zeltstadt wollen sie nicht verpassen.

Motorradfahrer pilgern nach Kevelaer FOTO: Thomas Binn

Schon am Freitag zelteten die ersten Biker an der Walbecker Straße, bevor die Wallfahrt am Samstag offiziell begann. Nach einer abendlichen Sternenfahrt über Land ging es in der Dämmerung durch die Innenstadt. Hunderte Zuschauer säumten die Straßen und bestaunten die Vielfalt der Maschinen: Quads, Trikes, Gespanne und allerlei Exoten neben den klassischen Zweirädern. Fast eine Stunde dauerte die Einfahrt am Kapellenplatz. Weit über 2000 Biker auf rund 1700 Maschinen waren dabei

Ganz vorne fuhr Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann auf einem Zweisitzer und hielt ein Wallfahrerkreuz in der Hand. Auch Erzbischof Laurent Lompo aus dem Niger war mit von der Partie. In seiner Heimat legt der Bischof auf dem Motorrad 5000 Kilometer jährlich zurück, um die Gemeinden seiner Diözese zu sehen.

"Diese Wallfahrt kann man nicht erklären, man muss sie erleben", resümiert Pastor Lohmann. Tatsächlich lässt sich das Großereignis nur schwer mit den anderen, im Jahreskalender verankerten Wallfahrten vergleichen.

"Es ist einfach keine typische Kirchen-Klientel, die hierher kommt", meint Biker Helmut aus der Eifel. Der 55-jährige Gläubige kommt seit 2003 jedes Jahr zur "MoWa" und ist nach vielen Gesprächen mit Motorradfreunden überzeugt: "An diesem Wochenende erfährt jeder Teilnehmer einen spirituellen Moment." Auch wenn viele Biker nicht an den Andachten und Gebeten rund um die Ausfahrten teilnehmen, könnten sie sich der besonderen Atmosphäre rund um die Gnadenkapelle nicht entziehen.

In seiner Predigt thematisierte Rolf Lohmann "Gegenwind", der derzeit an vielen Fronten zu spüren sei: "Gegenwind auf der Straße, in familiären Situationen, aber auch Gegenwind für die Kirche - und für Europa." Nachdem die Biker traditionsgemäß die Gottesmutter mit ohrenbetäubendem Hupen gegrüßt hatten, wurde es - fast schon typisch für diese Wallfahrt der Gegensätze - wieder ganz still: Lohmann las die Namen der verunglückten Fahrer vor, die in den letzten Jahren in die Gedenkrolle am Biker-Memorial eingetragen wurden. "Diese Schweigeminute ist ein sehr emotionaler Moment, an dem ich jedes Jahr auch meine eigene Fahrweise auf den Prüfstand stelle", sagt Bernhard Ross aus Essen.

Später am Abend wurde es in der Zeltstadt zur Live-Musik der Band "Fringe" dann aber noch einmal ein wenig lauter. Ein positives Fazit zog Organisator Markus Appel am Sonntagvormittag: "Bisher hat alles hervorragend geklappt, vor allem das Wetter hat uns in die Karten gespielt."

Am Sonntag feierten hunderte Biker den Zeltgottesdienst mit Pastor Michael Wolf. Nach der Abschlussausfahrt zum Kapellenplatz wurden Fahrer und Maschinen gesegnet, bevor es dann in sämtliche Himmelsrichtungen zurück in die Heimat ging.

Quelle: RP
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