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Emmerich
40 Jahre Ungewissheit: Suche nach dem Vater

Emmerich. Ulrike Dieterich hat lange mit sich gekämpft, bis sie an die Öffentlichkeit getreten ist. "Jetzt bin ich so weit, dass ich auch offensiv nach meinem Vater suchen kann", sagt die 40-Jährige. Sie ist mit ihrer dunklen Hautfarbe das gut sichtbare Ergebnis eines Seitensprungs. Von Sebastian Latzel

Ihre Mutter hatte ihr früher immer erzählt, die dunkle Farbe stammen von den vielen Karotten, die das Kind gegessen habe. Geglaubt hat diese Geschichte in Mehrhoog sicher niemand, wo Ulrike Dieterich bis 1991 wohnte und dann nach Bayern verzog.

40 Jahre nach ihrer Geburt hat sich Ulrike Dieterich entschlossen, endlich dem Geheimnis um ihren Vater auf die Spur zu kommen. Lange Zeit schien die Suche unmöglich. Niemand konnte oder wollte ihr etwas über ihre Herkunft erzählen.

Ihre Mutter kann ihr keine Antworten mehr geben. Sie starb vor mehr als zehn Jahren. Zuvor hatte sie ihrer Tochter nur erzählt, dass sie bei einer Affäre auf einem Volksfest entstanden war. Es habe danach keinen Kontakt mehr mit dem leiblichen Vater gegeben.

Bei einem Besuch im letzten Jahr in Mehrhoog traf Ulrike Dieterich eine ehemalige Nachbarin. Die vertraute ihr an, dass ihr Vater sich kurz nach ihrer Geburt nach seiner Tochter erkundigt hatte. Auch in der früheren Wirtschaft "Zum Mühlenbusch" hätten ihr Vater und ein Begleiter nach ihr gefragt. Deshalb vermutete sie, dass die beiden eine engere Beziehung hatten, als ihre Mutter zugeben wollte.

Als Ulrike Dieterich im November das Grab ihrer Mutter auf dem Friedhof in Mehr besuchte, fasste sie den Entschluss, intensiv nach ihrem Vater zu suchen. "Mein Gefühl sagte mir, dass ich ihn in Rees finden kann. Denn ich habe immer vermutet, dass sich die beiden dort kennengelernt haben, weil meine Mutter auch einmal in Rees gewohnt hat."

Also fuhr sie zum Stadtarchiv. Stadtarchivarin Tina Oostendorp und Mitarbeiterin Eila Braam waren überrascht, als die Frau vor ihnen stand und ihre Geschichte erzählte. Gemeinsam sahen sie Zeitungen von damals durch, doch dort gab es keine Hinweise, auch nicht im Melderegister. Eila Braam erinnerte sich an aber einen Farbigen, der 1974 im Hotel ihrer Eltern gewohnt hatte: Boco Moise Koho. Die Hoffnungen, dass er der Vater sein könnte, erfüllten sich nicht. Es passt von der Zeit her nicht.

Einen Tipp gab es von einem Haffener im Stadtarchiv. Er konnte sich noch erinnern, dass in den 60er Jahren immer zwei Farbige auf dem Schützenfest in Haffen aufgetaucht sind. War einer von ihnen der Vater von Ulrike Dieterich? Sie hofft jetzt auf weitere Hinweise. "Ich bin überzeugt, dass er noch lebt."

Quelle: RP
 
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