| 00.00 Uhr

Rees
5041 Kilometer zu Fuß

Rees. Der Reeser Pilger Manuel Preuß ist in Jerusalem eingetroffen. Der 25-Jährige ist seit Oktober unterwegs. Im RP-Gespräch berichtet er von seinen Eindrücken und warum er in der Türkei sein Ziel oft nicht nannte.

"Jerusalem ist erreicht! Bin angekommen." Blutrot und flackernd stehen diese Worte auf der Internetseite des Reesers Manuel Preuß. Genau 5041 Kilometer ist er seit Oktober 2011 zu Fuß gelaufen, hat zuletzt Landstriche von Jordanien und große Teile der Türkei durchwandert. RP-Mitarbeiter Michael Scholten sprach mit dem 25 Jahre alten Kommunikationsdesigner.

Herzlichen Glückwunsch zur Ankunft in Jerusalem. Wie ist Ihre körperliche Verfassung?

Preuß Körperlich fühle ich mich gut, wobei mir zuletzt die zunehmende Hitze zu schaffen gemacht hat. Als ich das letzte Mal vor knapp zwei Monaten auf einer Waage stand, hatte ich zehn Kilo verloren. Nach dem vielen guten Essen, das mir die Türken auf dem Weg immer wieder zugesteckt haben, dürfte die Bilanz im Moment nicht mehr ganz so positiv ausfallen.

War das Pilgern am Ende nur noch Routine oder immer noch ein Abenteuer?

Preuß Es gab Phasen, in denen das Laufen zur Routine wurde. Insbesondere in den weiten Landschaften Anatoliens, wo es nicht allzu viel Abwechslung gab. Das Ziel Jerusalem dann aber so kurz vor Augen zu haben, weckte gemischte Gefühle. Einerseits sehnte ich mich nach diesem Moment, andererseits schwang auch ein bisschen Unwohlsein mit, weil die Reise nun wirklich bald vorbei ist.

Inwieweit soll sich Rees schon mal auf Ihren Empfang vorbereiten?

Preuß Viele Menschen haben sich über meinen Internet-Blog informiert oder über Facebook Kontakt gehalten. Dort werde ich bald auch ankündigen, wann ich heimfliege. Jeder ist herzlich eingeladen, in die Bussardstraße nach Rees zu kommen, um mich zu empfangen. Meine Eltern werden sich bestimmt auch etwas einfallen lassen.

Pilgern ist immer auch religiös motiviert: Wie hat sich die Reise auf Ihren Glauben ausgewirkt?

Preuß Ich bin gelassener worden und vertraue darauf, dass zur rechten Zeit für mich gesorgt wird, wenn ich die Dinge nicht selbst kontrollieren kann. Die Erfahrung, mein Schicksal in allen Situationen in Gottes Hand zu geben, hat mich über die gesamte Reise geprägt. Sie wird wohl auch Bestand haben, wenn mich der deutsche Alltag wieder hat.

Was hat Sie auf der langen Etappe in der Türkei am meisten überrascht?

Preuß Der Kontrast zwischen den modernen Küstenstädten und dem wenig erschlossenen Landesinneren. Im anatolischen Hochland oder im Taurusgebirge war es keine Seltenheit, dass Esel- oder Pferdekarren meinen Weg kreuzten oder Scharen von Frauen in traditioneller Kleidung in den Olivenplantagen arbeiteten.

Viele Türken waren als Gastarbeiter in Deutschland. Wie oft sind Sie in auf "deutsches Erbe" gestoßen?

Preuß Immer wieder. Viele hat es gefreut, mit mir Deutsch sprechen zu können, und fast alle hatten ein sehr positives Bild von Deutschland. Sie erzählten mir, dass sie sich bei uns sehr gut behandelt gefühlt haben. Angesichts der ständigen Migrationsdebatte hat mich das gewundert. Auch deutsche Produkte werden in der Türkei sehr wertgeschätzt. So zeigte mir ein Brillenfabrikant stolz seine Maschinen aus Deutschland, mit denen er seit 30 Jahren zuverlässig Brillengestelle fertigt.

Wie reagiert ein vorwiegend islamisches Land wie die Türkei auf einen christlichen Pilger?

Preuß Gerade in den traditionell geprägten Gebieten war ich sehr vorsichtig mit der Nennung meines Zieles, da ich leider feststellen musste, dass es viele Vorbehalte gegenüber Israel und Juden gibt. Auf das Pilgern allgemein gab es aber positive Reaktionen, da das Pilgern auch in der islamischen Welt bekannt ist. Dann lud man mich zum Tee ein oder hat mir angeboten, über Nacht zu bleiben.

Wieviel haben Sie vom "Arabischen Frühling" mitbekommen?

Preuß In der Grenzregion habe ich Flüchtlingslager gesehen und mit einem Syrer gesprochen, dessen Dorf bombardiert wurde. Diese Gewalt gegen die eigene Bevölkerung ist inakzeptabel. Ich habe sowohl Gegner als auch Befürworter des Präsidenten Assad getroffen.

(RP/url)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rees: 5041 Kilometer zu Fuß


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.