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Emmerich
Adler-Apotheke muss bald schließen

Emmerich: Adler-Apotheke muss bald schließen
Günter Bartz liefert noch Medikamente an ältere Patienten aus. Er weiß nicht, ob seine Kollegen das künftig übernehmen können. FOTO: DIANA ROOS
Emmerich. Apotheker Günter Bartz sieht kaum noch Chancen, seinen Betrieb wirtschaftlich zu führen. Ärzte rundum seien wegezogen, regelmäßige Baustellen und Ärger mit den Krankenkassen hätten ihm zugesetzt, sagt der 52-Jährige.

Seit 294 Jahren gibt es an der Steinstraße 12 fast ununterbrochen eine Apotheke. Zwölf verschiedene Apotheker haben über die Jahre hinter der Theke gestanden. Damit ist zum 31. August Schluss. Günter Bartz wird die Adler-Apotheke, die er seit 21 Jahren leitet, schließen. "Es gibt eine ganze Reihe von Gründen", sagt der 52-Jährige.

In den vergangenen Jahren hätten sich einige Ärzte in unmittelbarer Nähe verabschiedet, was auch Bartz Kunden kostete. Der Orthopäde Dr. Werner Regel ist ins Krankenhaus gezogen, seine Patienten haben nun zur Rathaus-Apotheke den kürzesten Weg; Frauenarzt Dr. Armin Thome ist ebenfalls mit seiner Gynäkologischen Praxis heute im Spital angesiedelt, so Bartz. Regelmäßig gebe es an der Steinstraße Baustellen und Sperrungen, die sein Geschäft beeinträchtigten.

Im November 2011 warb zudem die Versandapotheke DocMorris in Emmerich mit Arzneimittelbestellungen im Internet. Und zwar mit unlauteren Mitteln, wie ein Gericht später feststellte. "Das hat uns damals beträchtliche Einbußen beschert, von denen wir uns bis heute nicht erholt haben", sagt Bartz. Zwar habe sich die Adler-Apotheke auch einen internationalen Online-Markt erschlossen, das habe aber die Verluste nicht kompensieren können.

Vielleicht der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, sind ständige Probleme mit den Krankenversicherungen. "Die haben andere auch, klar, aber die Grenze ist erreicht", sagt Bartz. Er nennt ein Beispiel: "Wir sind angehalten, auf den Rezepten auf Vornamen der Ärzte und Telefonnummern der Praxen zu achten. Aber manch einen Assistenzarzt im Krankenhaus interessiert das nicht so sehr. Wenn wir die Rezepte dann ohne die Angaben einreichen, zieht uns die Krankenkasse den kompletten Betrag ab. Dabei haben wir das gar nicht verschuldet." Solche Beispiele für schlechte Regelungen zu Lasten der Apotheken gebe es viele, meint der gebürtige Kevelaerer.

Künftig wird Bartz, der in Xanten-Birten lebt, nur noch Vertretungsdienste übernehmen. Davon kann er auch leben und hat weniger Stress.

Einen neuen Pächter für das Ladenlokal gibt es noch nicht. Dass es noch mal ein Apotheker werde, sei sehr unwahrscheinlich. Das Inventar im hinteren Bereich werde "entsorgt, verkauft, verschenkt", so Bartz. Vorne, im Verkaufsladen, bleibe das Inventar zunächst erhalten, vielleicht möchte ein Nachmieter dies abkaufen. Die beiden Mitarbeiterinnen außer seiner Frau haben bereits neue Arbeitsplätze gefunden, so Bartz.

Wie ist die Apotheken-Landschaft in Emmerich aufgestellt? Bartz: "Man meint vielleicht, dass es zu viele sind. Sind es aber nicht. Es kommen viele Kunden auch aus den Niederlanden." Der 52-Jährige befürchtet, auch vor dem Hintergrund der neu zu organisierenden Notdienstbezirke, dass die Apotheken voller werden. "Ich sorge mich ein bisschen um die älteren Kunden, denen wir heute noch Zwei-Euro-Tabletten nach Hause liefern. Ob Apotheken das künftig noch machen können?" Deshalb geht Bartz mit gemischten Gefühlen. Gerne hätte er sich weiter so persönlich um solche Kunden gekümmert.

(mavi)
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