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Emmerich
Als der Traum zu Ende ging

Emmerich. Heute vor 50 Jahren starb der Klever Maler Hanns Lamers. Er lebte und arbeitete im alten Koekkoek-Turm. Lamers hatte in Paris studiert, seine Hinterglasbilder faszinieren bis heute. In seinem Haus traf sich die junge Kunstszene um Beuys. Von Matthias Grass

Mit Klopstock verabschiedete sich Kleve von Hanns Lamers: "Traum, der mit Weinen begann und endet mit dem Weinen des Todes - Traum des Lebens Du bis ausgeträumt", hieß es in der Todesanzeige des heute vor 50 Jahren am 9. Februar 1966 verstorbenen Malers Hanns Lamers. Der Maler, der zuletzt mit seiner Frau Ilse im alten Koekkoek-Turm lebte und arbeitete. Lamers, am 28. April 1897 geboren, stammte aus einer alten Klever Künstlerfamilie und studierte in Berlin und Paris. Dort gehörte er zur Bohème am Montparnasse. Nachdem er 1939 nach Kleve zurückgekommen war, wurde er eingezogen - und kam nach sechs Jahren Russland-Feldzug gebrochen aus dem Zweiten Weltkrieg zurück.

Schon Ende 1965 ist Lamers gezeichnet. Die Treppen im Turm machen ihm zu schaffen, der Winter, die kalten Zimmer. Er kann nicht reisen, bedauert zutiefst, dass er nicht zu seinem Freund Beuys kann, dessen Ausstellung bei Schmelz zu erleben. Dafür kommt Beuys mit Eva und den Kindern um die Weihnachtszeit. Beuys, der Jupp, hat ihm dabei auch die Bilder aus Düsseldorf mitgebracht, die dort im Stadtmuseum ausgestellt wurden. Der Gesundheitszustand verschlechtert sich, es kommt eine Erkältung hinzu. Am 9. Februar stirbt er im Alter von nur 69 Jahren. Herzversagen.

Freunde hat Hanns Lamers bis heute, 50 Jahre nach seinem Tod. Seine Sammler wie Werner Steinecke, aber auch Weggefährten wie Werner van Ackeren, der heute im Koekkoek-Turm lebt, oder die Familie van Wickeren, wo Lamers 1945 gewohnt hatte, als er ins völlig zerstörte Kleve zurückkam und der Atelier-Turm von ausgebombten Nachbarn bewohnt war.

Sie alle halten das Andenken an den Mann wach, dessen Tür für die junge Künstlerszene in Kleve immer offen stand, der sich über Diskussionen bis in den frühen Morgen freute, in dessen Haus sich Beuys und Getlinger trafen, der einen engen Kontakt zu Maywald hatte, der Heinrich Böll und René Block ebenso zu Gast hatte, wie Ute Klophaus und Rudolf Schoofs, zu dessen Freunden auch Hildegard Weber gehörte und Walter Gieseler. "In seinem Turm wurde jedes Konzert, jede Ausstellung, jede Lesung diskutiert", schreibt Kleves Museumsdirektor a.D. Guido de Werd. Immer dabei: Ilse Lamers. Jene Frau, die er in Paris kennengelernt hatte, die ihm dort Model saß, die seine Frau wurde und die die Gralshüterin seiner Kunst war. In Kleve erinnert heute der Hanns-Lamers-Platz hinter Haus Koekkoek an den Sohn der Stadt.

Lamers holte ein Stück Bohème nach Kleve. Seine frühen Arbeiten sind stark expressionistisch geprägt, dann folgt eine naturalistische Phase. Nach dem Krieg findet er zur Hinterglasmalerei, die seinen Bildern jene große Leuchtkraft bringen und die in Kleve eine Reihe von Sammlern finden, schreibt de Werd. In den 1960er Jahren wird seine Kunst wieder abstrakt. Guido de Werd erinnert sich im Briefwechsel zwischen Lamers und Litz Kentner "Wie zwei alte Turmeulen zu einem Turmkind kamen" auch an die Beisetzung Lamers' während eines Schneesturms im Februar 1966. Seine Frau Ilse musste da schwer erkrankt zuhause bleiben. Ein Jahr später verkauft sie den Turm und zieht nach Wiesbaden zu ihrer Schwester. Sie stirbt 1988. Lamers' Nachlass kommt ans Klever Museum.

Quelle: RP
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